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Den Gegner durch Gefangennahme des Anführers unschädlich machen

Den Gegner durch Gefangennahme des Anführers unschädlich machen
擒賊擒王
Qín zéi qín wáng
 
Der Ausdruck wurde geprägt von Dù Fǔ (杜甫, 712 - 770), einem der anerkannteste Dichter der chinesischen Literatur. Von dessen 1.400 überlieferten Gedichten ist eines aus dem Zyklus „Ausrücken ins Grenzland“ besonders berühmt.

„Spannt man einen Bogen, dann am besten den stärksten.
Benutzt man einen Pfeil, dann am besten den längsten.
Will man einen Reiter erschießen, erschießt man zuerst sein Pferd.
Will man eine Räuberbande fangen, fängt man zuerst den Anführer.“

Darin geißelt er die mutwillige Kriegspolitik des Táng-Kaisers Xuanzong (唐玄宗), die zahllose Menschenleben forderte:

„Will man mit einem Bogen einen Schuss abgeben, soll man sogleich den besten Bogen nehmen und nicht mit einem schlechten Bogen Zeit und Kraft vergeuden.

Dasselbe gilt für die Wahl des Pfeiles. Anstatt auf die schmale Silhouette des Reiters zu schießen und das Ziel womöglich zu verfehlen, empfiehlt Dù Fǔ, das Pferd ins Visier zu nehmen. So besteht eine große Chance, den Feind mit dem ersten Schuss unschädlich zu machen.

Anstatt Jagd auf jedes einzelne Mitglied einer Räuberbande zu machen, soll man den oder die Anführer fangen. Der führerlose Banditenhaufen wird dann eine leichte Beute sein.

So soll auch der Krieg mit Fremdvölkern auf die Abwehr von Angriffen beschränkt bleiben. Ist dieses Ziel erreicht, haben die Waffen sogleich zu schweigen.“

Die Botschaft, die Dù Fǔ vermittelt, lautet: Man soll in jeder Lage zuerst das Hauptsächliche erfassen, sein Handeln auf diesen einen Punkt eingrenzen und sich erst danach mit den Nebensächlichkeiten abgeben.“

Ähnliches hat Máo Zédōng (毛澤東) im Antijapanischen Krieg formuliert:

„... wie sehr die vom Imperialismus abhängigen Parasiten auch eine Zeitlang wüten mögen, so ist doch auf ihre Herren hinter den Kulissen kein Verlass. Sobald der Baum fällt, stieben die Affen davon, und die ganze Situation wandelt sich dann.“

Dieses Zitat aus den „Ausgewählten Werke Máo Zédōngs“ bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Japan und projapanischen Kreisen in China, denen er vorwirft, dass sie sich gleichsam als Messer der Japaner gegen die chinesischen Kommunisten einsetzen ließen. Doch da Japan selbst ein Baum ist, der bald fallen wird, werden auch die von ihm beschützten Affen zerstreut.