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Gnade vor Recht ergehen lassen

Gnade vor Recht ergehen lassen
网开一面
Wǎng kāi yī miàn
Das Netz an einer Seite offen lassen

Zum Ende der Xia-Dynastie (夏朝 Xiàcháo, 2200 - 1800 v. u. Z.) entwickelte sich unter König, Jié (桀), eine wahre Schreckensherrschaft. Die Menschen sehnten sich nach der Gerechtigkeit früherer Könige.
 
Eines Tages spazierte Tāng (汤), später Begründer der Shang-Dynastie (商朝 Shāngcháo, 16. - 11. Jahrhundert v. u. Z.), über ein Feld und traf dort auf einen Mann bei der Vogeljagd. Dieser hatte ein großes Netz so gespannt, dass sich den Vögeln, einmal durch die einzig offene Seite hineingeflogen, kein Ausweg mehr bot.
 
„Wie unbarmherzig! So wird kein einziger Vogel verschont bleiben!“, bemerkte Tāng, trennte rasch eine Seite des Netzes auf und murmelte: „Kommt ihr Vögel, fliegt nach links oder rechts, ganz wie ihr wollt. Und wenn Ihr eures Lebens wirklich müde seid, dann fliegt in dieses Netz!“
 
Als die Oberhäupter der anderen Stämme von dieser Geschichte hörten, waren sie sich einig, dass Tāng ein gerechter König sein würde. König Jié wurde gestürzt und mit ihm endete die Xia-Dynastie.

Verwendung:
Das Netz an einer Seite zu öffnen ist seitdem Sinnbild für Milde und Gerechtigkeit und überdies dafür auch Missetätern stets einen Ausweg zu bieten.

网    wǎng    Netz    
开    kāi    offen; Langzeichen: 開   
一    yī    eine    
面    miàn    Seite