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Wenn man vom Teufel spricht…

Wenn man vom Teufel spricht…
说曹操,曹操到。
Shuō Cáo Cāo, Cáo Cāo dào.
Wenn man von Cao Cao spricht, ist Cao Cao schon da.

Während in Europa gerade Roms Legionen in den Orient vordrangen, kämpften in China die Kriegsherren um das Erbe der Han-Dynastie. Cáo Cāo (曹操) besiegte sie fast alle. Wer sich ihm entgegenstellte, bezahlte mit dem Leben. Der Mann gilt im Roman „Geschichte der Drei Reiche“ 《三国演义》 Sānguó Yǎnyì) als der personifizierte Bösewicht.

Cáo Cāo war auf der Flucht und saß mit einem Begleiter im Gastzimmer eines Bekannten namens Lǚ Bóshē (吕伯奢). Da vernahm er das Geräusch eines Schleifsteins, an dem ein Messer gewetzt wird.
Cáo Cāo spitzte die Ohren und sprach zu seinem Begleiter: „Dieser Lǚ Bóshē ist kein Blutsverwandter von mir, ich weiß nicht, ob man ihm recht trauen kann.“
So traten sie leise hinaus und horchten nach dem Hof. Da hörten sie eine Stimme: „Erst festbinden und dann abstechen? Wie?“
Cáo Cāo flüsterte seinem Begleiter zu: „‚Also war mein Argwohn doch richtig.“
Sie stürzten in den Hof und machten alles, was sie an Hausinsassen vorfanden nieder. Dann ritten sie eilig davon.
Sie hatten kaum zwei Meilen hinter sich, als sie ihrem heimkehrenden Gastgeber Lǚ Bóshē auf seinem Maulesel begegneten. Quer über dem Sattel hatte er zwei Weinfässchen hängen.
„Wohin denn so eilig, meine Freunde?“ rief er den beiden zu.
„Geächtete haben keine Zeit zum Rasten“, erwiderte Cáo Cāo.
„Aber ich habe meinen Knechten bereits befohlen, Euch zu Ehren ein Schwein zu schlachten. Ich bitte Euch, kehrt mit mir um und bleibt bei mir zu Gast.“
Cáo Cāo hörte nicht darauf und spornte sein Pferd an. Aber dann riss er es herum, zog sein Schwert und jagte auf Lǚ Bóshē zu. Der ahnungslose Gastgeber wandte sich um, da hatte ihm Cáo Cāo mit einem Schwertstreich auch schon das Haupt abgeschlagen.
Sein Begleiter schrie vor Entsetzen auf.
„Unser Missverständnis von vorhin war schon furchtbar genug. Was hat nun die neue Gewalttat für Sinn?“ fragte er vorwurfsvoll.
„Wenn Lǚ das Unheil gesehen hätte, hätte er das ganze Dorf hinter uns her gehetzt, und wir wären verloren gewesen.‘
‚Aber das heißt doch kaltblütig morden?‘
„Lieber übe ich an anderen Verrat, als dass ich die anderen an mir Verrat üben lasse“, versetzte Cáo Cāo kalt.
Sein Begleiter schwieg schaudernd.

Lieber verrate ich die ganze Welt, als dass die Welt mich verrät.
宁教我負天下人,休教天下人负我。
Níng jiào wǒ fù tiānxià rén, xiū jiào tiānxià rén fù wǒ.

Cáo Cāo errang die Herrschaft über China nördlich des Jangtse und legte den Grundstein für die Cáo-Wèi-Dynastie (曹魏Cáo Wèi; 220–265), die von seinem Sohn begründet wurde.
Cáo Cāo blieb Kanzler des Reichs und gab den Plan eines Thronwechsels auf. Er beschränkte sich darauf, Verschwörer gegen seine Macht samt ihren Familien hinrichten zu lassen. Nicht weniger als siebenhundert Menschen starben. Aber durch diese Massenhinrichtung war sein Rachedurst nicht gestillt. Mit einer Rotte Bewaffneter drang Cáo Cāo in den Kaiserpalast ein, in dem sich gerade Verschwörer gegen ihn berieten. Plötzlich erscheint zu diesem Treffen auch Cáo Cāo. Daher rührt das Sprichwort.
Der Kaiser besprach gerade die Verschwörung, als plötzlich Cáo Cāo, das Schwert in der Hand und zornrot im Gesicht, eindrang.
„Wissen Eure Majestät von der Verschwörung des Dǒng Chéng (董承)?“ schrie er den Kaiser an.
„Dǒng Zhuō (董卓) ist doch längst hingerichtet“, stammelte der Kaiser.
„Ich meine nicht Dǒng Zhuō, sondern Dǒng Chéng!“ brüllte Cáo Cāo.
„Dann weiß ich nichts.“
„So? Dann haben also Eure Majestät den geheimen, mit Eurem Blut geschriebenen Erlass vergessen?“
Darauf wusste der Kaiser nichts zu erwidern.

Verwendung:
Daher kommt das oft gebrauchte Sprichwort: „Spricht man von Cáo Cāo, kommt Cáo Cāo.“

说    shuō    sprechen; Langzeichen: 說
曹    cáo    Familienname
操    cāo    festhalten, steuern; Langzeichen: 操
曹    cáo    Familienname
操    cāo    festhalten, steuern
到    dào    ankommen