Li Mirok

이의경, 李儀景 I Ui-gyeong (Geburtsname; Familienname I = Li)
이미륵,  李彌勒   I Mireuk  (Künstlername; Familienname I = Li + Mirok = Bodhisattva Maitreya)
1899 - 1950

《서양문화를 쓴다》


„Wir stiegen mehrere Male um, überquerten gegen Abend den Rhein und fuhren weiter die Nacht durch, bis wir am nächsten Morgen in der kleinen mitteldeutschen Stadt ankamen, in der ich die erste Zeit über bleiben sollte, hier hatte Pongun, als er zum ersten Mal in Europa war, einige Zeit gelebt und er riet mir, dasselbe zu tun, um mich leichter an die neue Umwelt zu gewöhnen und auch ruhiger arbeiten zu können als in einer großen Stadt. … Wir überquerten einen Fluss, bogen in eine Seitenstraße ein, blieben bald danach vor einer Gartentüre stehen. ‚Hier sind wir zu Hause‘ rief Pongun lächelnd, und nach einigem Zögern drückte er auf den Knopf.

Würzburg im frühen 20. Jahrhundert
(Bild: Wikimedia)

Nach kurzem Warten erschien eine Frau, begrüßte Pongun mit großer Wiedersehensfreude und führte uns ins Haus, dann eine Treppe hoch in ein geräumiges Zimmer. Danach folgte eine lange Beratung, die ich nicht verstehen konnte, bis mir Pongun endlich erklärte, dass die Dame gewillt sei, mich in ihr Haus aufzunehmen. Etwa eine Woche blieb er noch bei mir, um mir das Eingewöhnen zu erleichtern. Dann fuhr er mit einem Nachtzug wieder nach Frankreich. Als wir zusammen zur Bahn gingen, machte er mich noch einmal auf die einheimischen Sitten und Gebräuche aufmerksam, die ich nicht außer Acht lassen sollte. Pongun riet mir vor allem, etwas mehr als bisher zu sprechen. ‚Du sprichst zu wenig und denkst zu viel.‘ sagte er lächelnd.

‚Das Schweigen gilt wohl im alten Osten noch als Tugend, aber nicht im Westen. Hier wird es nur als Zeichen der Ungeselligkeit oder gar des Hochmuts betrachtet. Rede immer mit, gleichgültig, worüber gesprochen wird, über das Wetter oder das Klima, über das Essen oder über die Kleidung. Man kann auch nicht immer nur von philosophischen Dingen reden, solange man in Gesellschaft mit anderen Menschen lebt und auf der Erde ist. Auch die Europäer leben auf der Erde und sprechen gerne von den weltlichen Dingen.‘

Trotz seiner gutgemeinten Ermahnung hatte ich keinen rechten Mut zu sprechen. Mein Wortschatz war noch zu klein und ich fürchte, mich zu unbeholfen zu zeigen und das Gefühl der anderen zu verletzen. So vermied ich möglichst die Begegnung mit anderen Menschen und blieb bei meinen Büchern, die mir Pongun für das Studium des Deutschen empfohlen hatte.
(Der Yalu fliesst, S.198f)

Mirok Li war ein koreanischer Schriftsteller, der in seinem deutschen Exil koreanische Erzählungen in deutscher Sprache verfasste.

Lis Teilnahme 1919 an den Protestaktionen gegen die japanische Besatzungsmacht brachte ihn in Schwierigkeiten und so floh er auf Drängen seiner Mutter nach Shanghai. Dort beteiligte er sich an der provisorischen Exilregierung Koreas.

1920 erreichte er Deutschland und setzte in Würzburg und in Heidelberg sein Medizinstudium fort. er musste für längere Zeit sein Studium unterbrechen. Er musste dann aber aus gesundheitlichen Gründen sein Studium unterbrechen, studierte dann in München aber Zoologie, Botanik und Anthropologie. 1928 reichte er seine Doktorarbeit zum Thema „Regulative Erscheinungen bei der Planarienregeneration unter anormalen Bedingungen“ ein.

Ab 1931 veröffentlichte Li kleinere Texte. Er fand Unterstützung durch Professor Seylerund zog zu diesem nach Gräfelfing. 1946 veröffentlichte er seinen autobiographisch geprägten Roman „Der Yalu fließt“, welcher 1959 auch in Südkorea erschien und ihn berühmt machte.

Die letzten beiden Jahre seines Lebens widmete sich Li seiner Arbeit als Lektor für koreanische Sprache, chinesische und japanische Literatur und Geschichte im Ostasiatischen Institut an der Universität München.

Veröffentlichungen

 
deryalufliesst
 
Der Yalu fließt. Eine Jugend in Korea Iyagi. Kurze koreanische Erzählungen
Die Erzählung handelt von einem jungen Medizinstudenten, der sich in der Zeit, als Korea eine Kolonie Japans war, einer Unabhängigkeitsbewegung anschließt. Diese wird niedergeschlagen und er muss daraufhin fliehen. Nachdem er den Grenzfluss Yalu überquert und über China Deutschland erreicht hat, beginnt er mit dem Schreiben seiner Geschichte.

Das Buch war ein Überraschungserfolg auf dem Buchmarkt und jahrzehntelang der einzige literarische Bezug Deutschlands zu Korea.
ISBN 3-88096-299-5
Iyagi sind kurze, mündlich überlieferte Erzählungen, kennzeichnend für die koreanische Volkskultur und etwa zwischen Märchen, Legenden, Fabeln und Anekdoten anzusiedeln.
Bei „Kimponghui" fühlt sich der Leser an Till Eulenspiegel erinnert.
Das traurige Ende der Erzählung, „Mudhoni, ein koreanisches Bauernmädchen" lässt an Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe" denken.
Die Erzählungen vermitteln einen Einblick in die koreanische Gedankenwelt der Vergangenheit.
ISBN 3-88096-300-2
   
Vom Yalu zur Isar Der andere Dialekt. Briefe und Lebenszeugnisse
„Der Weg nach Westen“
Der 16-jährige Ich-Erzähler verlässt seine Heimat und Mutter, verfolgt von seinem schlechten Gewissen. Sein Weg führt ihn fort aus Korea durch die Mandschurei bis nach Deutschland. Die Reise ist lang, beschwerlich und trotz der Gefährten einsam. Der junge Mann hat viel Zeit seinen Gedanken nachzuhängen, die ihn immer wieder zurück in die Heimat führen, von der er nun viele tausende Kilometer getrennt ist.

„Kampf um den Sohn“
Ein Sohn wird erwachsen und kann sich nicht mehr abfinden, mit der Zweiklassengesellschaft und der Sicht seiner Mutter, also geht auch er fort und lässt die Mutter mit ihren Gedanken an ihn zurück.
Das Buch beginnt mit 14 Essays und Anekdoten. Darauf folgen 8 Aufsätze zu Themen aus der koreanischen Kultur, beispielsweise zum Ahnenkult in Korea. Die anschließenden 66 Briefe von Mirok Li aus den Jahren 1935 bis 1950 an deutsche Freunde sind für Leser interessant, die sich in das Leben Mirok Lis vertiefen wollen. Die Dissertation dürfte nur wenige Zoologen interessieren. Das Buch schließen 19 Zeugnisse - Briefe, Zeitungsartikel, Reden - von Freunden sowie ein Nachwort, eine schwarz-weiße Fotodokumentation und eine kurze Liste von Literatur über Mirok Li ab.

 

chinesische Schriftsteller
Ba Jin 巴金 - Cao Yu 曹禺 – Gao Xingjian 高行健 - Guo Moruo 郭沫若 - Lao She 老舍- Lin Yutang 林語堂- Liu Xiaobo 刘晓波 - Lu Xun 鲁迅 - Mao Dun 茅盾- Mo Yan 莫言

japanische Schriftsteller
Kawabata Yasunari 川端康成 - Mishima Yukio 三島由紀夫 - Mori Ogai 森鷗外 - Murakami Haruki 村上春樹 - Natsume Soseki 夏目漱石 - Oe Kenzaburo 大江健三郎 - Masaoka Shiki 正岡子規

sonstige Schriftsteller
Pearl S. Buck 賽珍珠 - Galsan Tschinag Чинагийн Галсан - Lafcadio Hearn 小泉八雲 - Li Mirok 이미륵

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