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Wangfujing

王府井 Wángfǔjǐng (Prinzenbrunnen)
 
„Wenn man schon von den Beijinger Straßen spricht, sollte man hier gleich von der berühmtesten sprechen: von der Wángfǔjǐng. Es ist die Straße, die jeder besucht, die Straße, die vor allem der Beijinger selbst besucht. Er schlendert dort fast ebenso herum wie in seinen Parks, spaziert, schaut, verabredet sich, trifft sich, ist fröhlich. Es gibt fast keinen Autoverkehr, nur Busse und einige Taxis oder auch mal die Sirene des Rettungswagens.
Was macht diese Straße unter den Bäumen so anziehend? Es sind die Geschäfte. Hier findet man das große Kunstgewerbekaufhaus mit seinen drei Etagen, den Antiquitätenankauf, eine staatliche Stelle, an die Chinesen ihre privaten Antiquitäten verkaufen; die Apotheke für chinesische Medizin, erfüllt vom Kräuterduft, der die ganze Straße durchzieht und ganz Asien zum Inhalt zu haben scheint; die Apotheke für westliche Medizin, in der englisch gesprochen wird; die Wàiwén-Buchhandlung
[外文书店 Wàiwén Shūdiàn] für Ausländer und die China-Stamp-Company, vor der sich die privaten Briefmarkensammler drängen.
Eisverkäuferinnen, die ihre empfindlichen Köstlichkeiten mit Polsterdecken kalt halten, verkaufen diese aus hellblauen Wägelchen; Fahrräder ... Fahrräder ... und die gelb-roten Beijinger Autobusse. Wenn überhaupt in Běijīng
[北京] irgendwo etwas von Stadtatmosphäre, von Urbanität zu spüren ist, dann vielleicht am ehesten hier in der Wángfǔjǐng-Straße mit ihrem Gedränge, ihrer Fröhlichkeit, ihrer Freude an Büchern, Vasen, Schmuck — und an gestickten Wandbehängen, die röhrende Hirsche vor dem Hintergrund schneebedeckter Alpengipfel zeigen, oder weiße Pandabären.“
(Max Kruse: Eine Reise von Peking bis Kanton. München: Prestel-Verlag, 1986. ISBN 3-7913-0718-5)

Bereits zu Zeiten der Ming-Dynastie (明朝 Míngcháo; 1368 – 1644) war es eine wichtige Handelsstätte, in der späteren Qing-Dynastie (清朝 Qīngcháo, 1644 – 1911) bauten Adlige ihre Residenzen in dieser Straße (Wángfǔ = Regierungssitz des Königs, jǐng = Brunnen).