Urkaiser

三皇五帝 sānhuáng wǔdì (drei + erhaben + fünf + Kaiser)
 

伏羲、女娲、神农称为“三皇”
把太皞、炎帝、黄帝、少皞、颛顼
 
„Üblicherweise wird die Größe Chinas durch die Tabelle der kaiserlichen Dynastien belegt, die jedes Schulkind auswendig lernt und die anstelle der Jahreszahlen die Orientierung in der Vergangenheit liefert – reicht sie in der heute üblichen Version doch von der Xia-Dynastie [夏朝 Xiàcháo] ab 2200 vor Christus bis zur Qing-Dynastie [清朝 Qīngcháo], die im Jahre 1911 durch die nationale Revolution aus den Angeln gehoben wurde. In allen Büchern und Broschüren, auch den westlichen Reiseführern, findet sich diese Chronik der Dynastien. Weil sie eine unverbrüchliche Kontinuität vorspiegelt, die es nie gegeben hat, verwirrt sie den Fremden mit ihren 22 einzelnen Kaiserhäusern mehr, als sie ihm Aufschluß bietet.

Das war schon im 17. Jahrhundert so, als der Jesuit und Missionar Martin Martini die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zu Christi Geburt niederschrieb. Seine 1658 in München erschienene, auf den chinesischen Annalen fußende ‚Sinicae historiae decas prima‘ setzt im Jahr 2952 vor Christus mit dem Kaiser Fú Xī
[伏羲] ein–vorhandene chinesische Mitteilungen über die Zeit vor Fú Xī ließ Martini als Mythen sogar unberücksichtigt. (Fú Xī war übrigens Bruder der erwähnten Nǚwā [女媧]; gegen alle späteren Moralvorstellungen heirateten die beiden gar – und erfanden damit die Ehe.)

Da nach der damals in Europa herrschenden Lehre die Welt erst am 23. Oktober des Jahres 4004 vor Christus erschaffen worden war, versetzte eine so frühe Regentschaft, der ja Menschwerdung und Besiedlung lange voraufgegangen sein mußten, ganze Scharen von Theologen, Historikern und Astronomen in helle Aufregung. Erstmals konnte eine nichteuropäische Geschichtsdarstellung das so mühsam aus den biblischen Quellen gewonnene Weltbild samt aller Chronologien erschüttern. Die Lösung des Dilemmas: Fú Xī wurde kurzerhand als Adam identifiziert, Noahs Archenbau nach China verlegt und das Chinesische zur Ursprache der Menschheit erklärt!“

(Hartwig Bögeholz: Anders Reisen: China. Ein Reisebuch in den Alltag. 1997. ISBN: 978-3499190957)
 

Die chinesische Sicht der Geschichte läuft darauf hinaus, dass unter den heiligen Herrschern der Vorzeit die Menschen glücklich waren, gerade auch wegen der Schlichtheit der Lebensbedingungen und einer weisen Regierung. Der weitere Lauf der Geschichte wird stets als Abfall von ursprünglicher Vollkommenheit gesehen. So kommt es zu einer Epochenabfolge, die von den „Drei Erhabenen" (三皇 sānhuáng) über die „Fünf Kaiser" (五帝 wǔdì) zu den „Drei Erbdynastien" (三代 sāndai) führt.

Die Herrscherbezeichnungen „Erhaben" (皇 huáng), „Kaiser" (帝 dì) und „König" (王 wáng, der Titel der Zhou-Könige) bedeuten eine absinkende Qualität. Die eigene Zeit ist unvollkommen, das Paradies gehört der Vorzeit an.

 

chinesische Mythologie
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