Umerziehung durch Arbeit

劳动教养 láodòng jiàoyǎng (Arbeit + Training, Erziehung)

劳动改造 láodòng gǎizào (Arbeit + ändern)
劳改 láogǎi (Kurzform)

„Wie es in richtigen Jugendstrafanstalten (mit per Gerichtsurteil verhängter ‚Umerziehung durch körperliche Arbeit’, láodòng gǎizào) zugeht, führt anschaulich der auch hierzulande gezeigte Film ‚Junge Kriminelle’ vor, der 1985 unter Mitwirkung vieler tatsächlich einsitzender Jungs entstand. Mit kurzgeschorenen Haaren, in unförmigen Uniformen, zu zehnt auf einer Zelle, mit Morgenappell und Gleichschritt, angehalten zu Kritik und Selbstkritik sollen sie, in ein- bis zehnjähriger Haftdauer, „eingebunden in eine eiserne Disziplin ein neues Leben führen“, wie ein Oberwächter es im Film ausdrückt.
 
An die Herzen der Chinesen rührt es, wenn die Knast-Rockband beim Elternbesuchstag ihr Lied ‚Mutter, Mutter’ singt. ‚Heute ruft dein Sohn nach dir, ich habe die Tränen auf deinen Wangen gesehen, deinem Sohn hat man geholfen, ein gutes Pferd zubesteigen, warte nur, bis dein Sohn wieder zu Hause ist!’ In einem Land, wo es nicht unüblich ist, daß Eltern ihre kriminell gewordenen Kinder verleugnen, sogar deren Bilder aus Fotoalben heraustrennen, ist dies ein aufrüttelnder Ruf um Verständnis.“
(Lucien Bodard: Chinas lächelndes Gesicht. Erfahrungen und Erlebnisse. Frankfurt am Main: Fischer, 1961)
 
Im chinesischen Rechtssystem gibt es zwei verschiedene Arten der Verurteilung. Ein Angeklagter kann entweder von einer Polizeibehörde mit Administrativhaft belegt oder von einem ordentlichen Gericht verurteilt werden.

Dabei kommt es immer wieder zu Streitfällen zwischen Polizei und Justiz. Bekannt wurde der Fall eines jungen Bauern, der 2006 nach einer Schlägerei festgenommen wurde. Der Staatsanwalt lehnte ein Verfahren wegen Geringfügigkeit ab. Daraufhin nahm ihn die Polizei fest und wies ihn in für zwei Jahre in ein Arbeitslager ein. Selbst mit Anwalt gelang es nicht, die Polizei wegen Rechtsbeugung anzuklagen.
  • 劳动教养 láodòng jiàoyǎng (Umerziehung durch Arbeit): Administrativhaft wird von einer Polizeidienststelle für kleinere Vergehen verhängt. Die maximale Haftdauer ist drei Jahre, sie kann halbiert oder um bis zu einem Jahr verlängert werden. Dabei werden die Insassen für ihre Arbeit bezahlt.
  • 劳动改造 láodòng gǎizào (Reform durch Arbeit): Die von ordentlichen Gerichten zu krimineller Haft verurteilten Gefangenen verbüßen ihre Strafe in Arbeitslagern und werden für ihre Arbeit nicht bezahlt.
 

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