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Ritenstreit

禮儀之爭 lǐyí zhī zhēng (Riten + Genitiv + Streit)
 

„Könnt ihr Chinesisch? Nein. Und ich kann kein Italienisch. Was würdet Ihr nun von mir denken, wenn ich nach Rom ginge und darauf bestände mit dem Papst über einen Begriff seiner Sprache zu disputieren?“

Der Ritenstreit war eine von etwa 1610 bis 1744 dauernde Auseinandersetzung über die Art und Weise christlicher Mission vor allem in China und Indien.

Die einen Großteil der Missionare stellenden Jesuiten sprachen sich für die sogenannte Akkommodation (Anpassung an örtliche Gegebenheiten) aus. Danach wurde den bekehrten Chinesen die Beibehaltung der Riten und Zeremonien, insbesondere die Konfuzius- und Ahnenverehrung gestattet. Dieses Vorgehen war recht erfolgreich, doch durch die Ankunft der spanischen Dominikaner (Domini canes = Hunde des Herrn) und Franziskaner, die für eine kompromisslose Weitergabe der „reinen Lehre“ waren, kam es zum Konflikt Konflikt, den der Papst 1645 gegen die chinesischen Riten entschied.

Die Bettelmönche kamen ohne Vorbereitung nach China und faselten offen von der Möglichkeit einer Eroberung Chinas durch die Spanier. Nachdem sie verhaftet worden waren, kostete es den Jesuiten eine ganze Reihe von „Geschenken“, um zu erreichen, dass sie schließlich nur in ihre alte Missionsstation zurückverwiesen wurden.
Die Franziskaner sahen die Dinge freilich ganz anders. Nachdem sie die abergläubische Natur der Riten durchschaut hätten, hätten sie durch ihre mutigen Predigten großes Aufsehen erregt und die Bekehrten veranlasst, ihre Ahnentafeln öffentlich zu verbrennen. Auch nach mehr als hundert Jahre wurde im Dominikanerorden noch stolz verkündet, dass man 1648 den ersten Märtyrer Chinas gestellt habe.
 
Erst 1939 – rund 350 Jahre nach Riccis Tod – revidierte Papst Pius Xl. die Entscheidung des Jahres 1704, doch in China hatte man mittlerweile andere Sorgen, es befand sich im Krieg mit Japan.
 
 

 


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