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Öl für Chinas Lampen

中國燈油  Zhōngguó dēngyóu (China + Lampe + Öl)

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Der Roman-Bestseller Öl für die Lampen Chinas (Oil for the Lamps of China) erschien 1934, drei Jahre nach Pearl S. Bucks Weltbestseller Die gute Erde.  Hauptfigur ist  ein junger US-Geschäftsmann, der für eine Ölgeselschaft  nach China entsandt wurde, um den Markt zu erschließen. Er schuftet ohne Rücksicht auf sich und seine Familie, muss aber krasseste Undankbarkeit erleben.

Als der US-Markt für Öl gesättigt war, suchte Rockefeller nach neuen Märkten. In China war es besonders schwierig, einen Markt aufzubauen. Die Chinesen waren es gewohnt, pflanzliche Öle zu verbrennen; Kerosin war neu und galt als gefährlich. Überdies gab es keine praktischen Behälter, in denen man es verbrennen konnte.

In dieser Situation ließen Vertreter Rockefellers ab 1882 auf einem Schlag acht Millionen Stück der sicheren Kerosin-Lampe Mei Fu (美福 měifú) - schöne Gefährtin - verteilen. Es war eine Zinnlampe mit Glasschirm, die bald zum Bestandteil des Familienlebens wurde.

Teilweise musste den Leuten erst beigebracht werden, wie man Öl in Lampen verbrennt. Das Monopol der einheimischen Erdnussöl-Händler war bald gebrochen, auch der Widerstand der Dorfpriester gegen das fremde Kerosin. Von nun an floss Rockefellers Kerosin massenweise in China. Als „Öl für die Lampen Chinas“ wurde es zum internationalen Schlagwort.

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John Davison Rockefeller, Sr. Henri Dedering
(1839 - 1937) (1866 - 1939)

Rockefeller gilt als reichster Mensch der Neuzeit. Er war Mitbegründer einer Erdölraffinerie, aus der die Standard Oil Company hervorging. Lange Jahre hatte Rockefeller den chinesischen Markt beherrscht, nachdem er zuvor die russischen Lieferanten in einem erbitterten Preiskrieg aus dem Land geworfen hatte.
Durch Agenten in den Hafenstädten des Nahen Ostens schleuste Rockefeller sein Öl auf die wachsenden asiatischen Märkte.
Als das zwanzigste Jahrhundert begann, war Rockefellers Standard Oil die unumstrittene Weltmacht des Öls. Jeder kleinere oder mittlere Rückschlag an der Ölfront, jeder direkte Angriff auch auf das Unternehmen selbst hatte die Standard stets nur wachsen lassen, nichts schien sie noch bremsen zu können.

Der Niederländer Deterding  war Gründer des Shell-Konzerns. Als „Napoleon des Öls“ wählte er die Kampfstätte China. Bald brannten die Chinesen in Rockefellers Lampen Deterdings Öl. Denn Shell war besser organisiert, geographisch im Vorteil und daher billiger.
Zwar senkte auch Rockefeller die Preise. Aber Deterding beantwortete jedes Preismanöver. Nach jahrelangem Ringen, musste Rockefeller aufgeben. Im Ölfrieden von 1911 teilten Deterding und Rockefeller die Märkte Chinas und Japans untereinander auf.
Von dem Erfolg in Ostasien ermutigt, wagte Deterding den Frontalangriff auf Rockefellers eigenes Land. Um ihre Verluste aus dem chinesischen Preiskrieg wieder hereinzuholen, hatte Standard Oil ihre Preise in den USA erhöht. Deterding erschien das als die geeignete Ausgangslage, um nun eigenes Öl auf den US-Markt zu werfen.
 

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