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Niederländische Ostindien-Kompanie

Vereenigde Oostindische Compagnie
Vereenigde Geoctroyeerde Oostindische Compagnie (VOC)
オランダ東インド会社 Oranda Higashi Indo Kaisha (Holland + Osten + Indien + Gesellschaft)
聯合東印度公司 Liánhé Dōng Yìndù Gōngsī (vereinigt + Osten + Indien + Gesellschaft)
荷蘭東印度公司 Hélán Dōng Yìndù Gōngsī (Holland + Osten + Indien + Gesellschaft)

Flagge mit dem Siegel VOC (A steht hier für Amsterdam)

„Viele kamen aus Städten und besaßen eine gewisse Bildung. Sie hatten Reiseberichte gelesen und waren entschlossen ihre Jugendträume zu verwirklichen. Natürlich wollten auch sie reich werden, aber es waren meistens recht nebelhafte Vorstellungen von märchenhaften Schätzen und Bergen aus Gold. Einer hatte sogar gehört, daß man Hammer und Meißel mit nach Indien nehmen sollte, um die Diamanten ‚von den Klippen zu kriegen’.  …

Der Weg war meistens der gleiche. Man meldete sich in Amsterdam bei den Rekrutierungsbüros der VOC und wurde gemustert. Das hieß man verpflichtete sich in der Regel für fünf Jahre und erhielt Waffen, eine Seekiste, Bettzeug und Handgeld, mit dem Kleidung und Zusatzverpflegung gekauft werden konnte, das aber viele gleich im Hafen vertranken. Wurde gerade keine Flotte zusammengestellt, mußte man warten, entweder auf eigene Kosten oder im Haus eines Seelenverkäufers, eines ‚Zeelverkoopers’ wie sie genannt wurden. Diese nahmen stellenlose Seeleute und Söldner bei sich auf, verköstigten sie und verkauften sie dann bei Bedarf an Kapitäne, Reeder oder die VOC. Die Unkosten und der nicht unbeträchtliche Gewinn des Seelenverkäufers wurden später vom Sold abgezogen. …

Mit der Seereise begann dann für viele die Ernüchterung. Oft drängten sich drei- bis vierhundert Mann auf dem Zwischendeck. Gesunde, Verlauste und Kranke lagen dicht an dicht. Jeweils sieben Mann bildeten eine Back und erhielten in einer gemeinsamen Holzschüssel ihr Essen. ... Wasser war immer knapp und wurde strenger rationiert bei widrigen Winden oder wenn der Kapitän aus Eile auf Zwischenstationen verzichtete. Nach einigen Wochen begann das Wasser zu stinken und in den Fässern schwammen weiße Würmer. Einige Söldner berichten, daß sie es immer durch ein Tuch siebten und nur mit zugehaltener Nase trinken konnten. ...

In fast allen Reiseberichten sind die Seereisen auch gleichzeitig Chroniken des alltäglichen Sterbens an Bord.  ... Doch nicht nur Krankheiten dezimierten die Mannschaften. Enge, Hitze, Verzweiflung, Langeweile und schlechte Verpflegung förderten Gewalt und Aggressionen. Bei Söldnern und Matrosen saßen die Messer locker. Ein falsches Wort und es kam beim Essen und vor allem beim Spiel zu Streit, Schlägereien und Totschlag. …

Wenn die Söldner nach den langen Strapazen endlich Java erreichten, kamen sie in eine fremde, faszinierende Welt. ... In den Straßen drängten sich Holländer, Chinesen, Malaien, Neger, Inder und Mischlinge aller Rassen. ... Jeder Haushalt besaß Sklaven, ein einfacher Handwerker manchmal nur ein halbes Dutzend und die Räte von Indien mehrere hundert. ...

Doch das Leben in den kleinen weit verstreuten Forts hatte andere Tücken. Viele Inseln waren als Fieberhöllen gefürchtet. ... Aber fast noch schlimmer als die Krankheiten war die im wahrsten Sinne des Wortes tödliche Langeweile. Die Söldner bekämpften sie mit ihren altbewährten Mitteln: Suff, Spiel und Streit. ... Die einzige Abwechslung scheinen Schiffe und Gerichtstage gewesen zu sein. Die ersteren waren selten, die anderen eine regelmäßige Abwechslung in der Monotonie. Akribisch notierte Wurffbain wieviele Personen gegeißelt, gebrandmarkt, gewippt, verbannt, gerädert, gehängt, enthauptet, stranguliert und erschossen wurden.
(Frank Westenfelder: Der Zauber Ostindiens - Der Kolonialdienst in der VOC)


Die Niederländische Ostindien-Kompanie war ein Zusammenschluss von niederländischen Kaufmannskompanien mit dem Ziel, die Konkurrenz untereinander auszuschalten. Sie erhielt vom niederländischen Staat Hoheitsrechte (Kriegsführung, Festungsbau, Landerwerb) und Handelsmonopole. Damit wurde sie eine der größten Handelsunternehmungen des 17. und 18. Jahrhunderts.

In knapp 200 Jahren fuhren rund eine Million Menschen in Diensten der VOC nach Asien. Von diesen kehrte nur etwa jeder Dritte zurück. Die anderen starben während der achtmonatigen Überfahrt oder während ihres Aufenthalts in den Tropen.

Die hygienischen Bedingungen auf den Schiffen waren katastrophal. Auf 50 Meter langen Schiffen waren 250 Männer zusammengepfercht. Sie durften nur zwei Mal am Tag für eine halbe Stunde ans Oberdeck, um Luft zu schnappen.

Eine Redensart im Deutschland lautete deshalb: „Wer Vater und Mutter totgeschlagen, ist noch zu gut, nach Ostindien zu gehen.“

Viele Überlebende veröffentlichten Reiseberichte, wodurch die VOC dermaßen in Verruf geriet, dass die Direktoren allen Bediensteten befahlen, Reisetagebücher nach der Ankunft abzuliefern.

Schon seit der Gründung herrschte innerhalb der Kompanie eine Selbstbedienungsmentalität, die das Mutterhaus einen Großteil der Gewinne gekostet haben dürfte. Die weiten Entfernungen begünstigten diese Entwicklung. Nach Auflösung der einst mächtigsten Handelsgesellschaft der Welt hieß es: V(ergann) O(nder) C(orruptie).

Die VOC wies bereits grundlegenden Charakteristika der modernen Aktiengesellschaft auf. Ihre Aktien gelten als die ältesten Aktien der Welt. Ganz entscheidend für den Erfolg der Kapitalbeschaffung war der Beschluss der Gründer, die Kapitalzeichnung für das breite Publikum zu öffnen und die Anteilseigner als Teilhaber aufzunehmen. Das Gründungskapital wurde außer einigen kleinen Anpassungen nie erhöht.

Noch vor vollständiger Platzierung notierte der Kurs bei 10 bis 15 Prozent über den Ausgabekurs, bereits 1622 lag der Kurs bei 300 Prozent, 1720 bei über 1.200 Prozent. Als 1781 Schwierigkeiten bekannt wurden, sackte der Kurs ab bis auf 25 Prozent. Die Dividende betrug durchschnittlich 18 % pro Jahr. Die Aktionäre erhielten ihre Dividende aber nicht immer in Geld sondern zum Teil auch in Gewürzen.

Ein staatliches Privileg stattete die Gesellschaft mit weitreichenden Rechten aus, wie z. B.: Ausschließlichkeitsrecht zum Handel östlich des Kaps der Guten Hoffnung, Verträge und Bündnisse abzuschließen, Festungen zu errichten, Gouverneure zu ernennen und das Unterhalten einer eigenen Armee. Auf diese Weise wurde die Gesellschaft zu einem „Staat im Staat“.

 

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