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Narbenliteratur

伤痕文学 shānghén wénxué (verletzen + Wunde + Literatur + Lehre)

 

„Mama, liebe Mama! Sei beruhigt! Nie wird deine Tochter vergessen, wer die Narben in dein und mein Herz eingegraben hat. Nie werde ich die Güte des Vorsitzenden Huá [Guófēng 华国锋] vergessen, ich werde dem Zentralkomitee der Partei mit dem Genossen Hua an der Spitze die Kraft meines ganzen Lebens opfern.“
 
Namensgeberin für diese literarische Bewegung ist die Erzählung Narben (伤痕 Shānghén), in deren Mittelpunkt das Schicksal eines zu Beginn der Kulturrevolution (文化大革命 wénhuà dà gémìng, 1966 - 1976) sechzehnjährigen Mädchens, namens Xiaohua, steht. Diese wendet sich von ihrer als Verräterin verurteilten Mutter ab und meldet sich zur Arbeit aufs Land. Acht Jahre lang verweigert sie ihrer Mutter jeden Kontakt.

Als sie ankommt, ist die Mutter bereits einem Herzleiden erlegen; dem früheren Freund, den sie am Totenbett ihrer Mutter antrifft, gelobt die junge Frau, die sich um ihre Jugend betrogen fühlt, die Wunden, die ihr die Viererbande (四人帮 Sìrénbāng) geschlagen habe, niemals vergessen zu wollen.

Mit dem Erscheinen dieser Geschichte begann die literarische Verarbeitung der Kulturrevolution. Frühe Werke der Narbenliteratur waren oft gefühlvoll und mit Stereotypen überfrachtet.

„Die schwer erträglichen politischen Willensbekundungen, konstruierten Handlungsabläufe und schablonenhaften Charaktere schränken den Genuss an den Werken erheblich ein. Ausländischen Lesern wird die Aufregung, die diese Erzählungen in China auslösten, kaum verständlich. Mit ihrem Erscheinen setzte eine heftige Debatte über literarische „Enthüllungen“ und die Aufgabe der Literatur bei der Bewältigung gesellschaftlicher Probleme und Mißstände ein.“ ()
 
narbenlit-klassenlehrer narbenlit-ahorn
班主任

Bān zhǔrèn Fēng
Der Klassenlehrer Roter Ahorn
Autor: Liú Xīnwǔ (刘心武) Autor: Zhèng Yì (郑义)
Der Klassenlehrer Zhang will ebenso den straffällig gewordenen Jugendlichen nach Verbüßung seiner Haftstrafe in die Klasse aufnehmen, wie er die linientreue und dadurch engstirnige und engherzige Klassensprecherin für seine Haltung gewinnen will, ganz nach der Devise: „Rettet die von der Viererbande, verdorbene Jugend!
Es stehen sich in den Kämpfen zwischen zwei Rotgardistengruppen zwei Liebende als Feinde gegenüber, für die als einziger Ausweg nur der Tod bleibt. Das Mädchen nimmt sich angesichts der drohenden Niederlage das Leben, und ihr Freund wird später von Angehörigen ihrer Gruppe, die ihm den Tod des Mädchens anlasten, erschossen.