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Mikado

帝 mikado

mikado

„‚Sollte man es für möglich halten’, beklagte sich ein Tourist, ‚daß die Japaner nicht einmal wissen, was ‚Mikado’ bedeutet?’

Nun, literarisch gebildete Japaner werden es wohl wissen, denn ‚Mikado’ ist eine jener Umschreibungen für ‚Kaiser’, die in lyrischen Gedichten vorkommen. Im Allgemeinen freilich heißt ‚Kaiser’ nicht ‚Mikado“, sondern ‚Heika’ [陛下].“
(Richard Katz: Funkelnder Ferner Osten. Erlebtes in China - Korea – Japan. 1930)

„In Japan nennt man sie Pocky [ポッキー Pokkī], in Deutschland, der Schweiz und Österreich sind sie besser bekannt als Mikado. Es ist sind die mit Schokolade umhüllten Keks-Stäbchen, die es in Japan in allen verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Erfunden hat dieses Süßwarengebäck das japanische Unternehmen Ezaki Glico [江崎グリコ Ezaki Guriko].“

(Jan Knüsel im Asienspiegel vom 10. September 2013: Mit Pocky die Welt erobern)

mikadospiel

Seinen Namen hat das Spiel von dem Stab mit dem höchsten Wert: Er ist blau gestreift und heißt Mikado. Die buddhistische Wahrsagemethode Chien Tung (簽筒 qiāntóng), aus der das Spiel entwickelt wurde, enthält ebenfalls  einen Stab namens Mikado.

mikado

(Bild: Wikimedia)

Arthur Sullivans Operette „Der Mikado“ aus den 1880er Jahren lebt von ihren zahlreichen satirischen Elementen und spielt um 1450 in Titipu in Japan, wo der Kaiser, der Mikado, das Flirten bei Todesstrafe verboten hat. Dieses Gesetz fordert so viele Opfer, dass die Stadtregierung beschließt, einfach den nächsten, der hingerichtet werden solle, zum Oberhofscharfrichter zu machen, denn da die Reihenfolge der Todesurteile eingehalten werden muss, ist sichergestellt, dass es keine weitere Hinrichtung mehr geben kann.

„Daß die damalige Aktualität der Stücke auch heute noch zum großen Teil gegeben ist, und das gewiß nicht nur für England, zeigt eine Beschreibung des Schriftstellers Gilbert Keith Chesterton, der 1907, als eine Aufführung von The Mikado verboten wurde, in einem Artikel beschrieb, wie wenig das Stück mit Japan und wie viel es mit den eigenen gesellschaftlichen Mißständen zu tun hat. Über die Figur des Pooh-Bah, des „Ministers für alle sonstigen Angelegenheiten“ heißt es: „Für England ist Pooh-Bah mehr als eine Satire, er ist die Wahrheit. Es ist nun einmal wahr, daß wir in der britischen Politik (möglicherweise nicht in der japanischen) dem gleichen Mann zwanzig Mal in zwanzig verschiedenen Funktionen begegnen.“
(Arthur Sullivan: Sein Leben, seine Zeit)

In Japan wurde die Operette schon früh zu einem Problem, wegen seiner – der Meinung vieler Japaner nach – oberflächlichen Darstellung Japans und Karikierung des Kaisers. Ab 1899 wurden in Japan keine Aufführungen mehr erlaubt.
Man glaubt, dass Titipu die Stadt Chichibu (秩父 in der Präfektur Saitama) – Titibu nach älterer Umschrift – meint und Gilbert und Sullivan von dieser durch den Chichibu-Zwischenfall, einem Bauernaufstand von 1884, gehört hatten. Eine andere Möglichkeit ist, dass beide von der Chichibu-Seide gehört hatten. 2000 wurde ein Bürgerkomitee in Chichibu gegründet mit dem Ziel, die Operette in Japanisch aufzuführen. Die erste Aufführung fand im März 2001 statt.

China und Japan auf der europäischen Opernbühne
Land des Lächelns 微笑之國 - Madame Butterfly 蝶々婦人 - Mikado 帝 - Turandot 图兰朵

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