Love Hotel

ラブホテル rabu hoteru (rabu = love + hoteru = hotel)
ラブホ rabuho (love + hotel – Kurzform)

Hotel Chapel Christmas
(Foto: Wikimedia)

„Wie man sich denken kann, ist ein Danchi-Apato nicht gerade für ein ungezwungenes Liebesleben geeignet, und auch ein größeres Haus im traditionellen Stil erlaubt kaum Zurückgezogenheit und Privatsphäre. Junge und ältere Paare, die gern einmal allein sein möchten, flüchten daher ins Hotel, genauer gesagt in einen speziellen Typ Hotel - das Rabu-Hoteru (Love-Hotel). Japanische Ehepaare finden es absolut nicht genierlich, ein solches Etablissement aufzusuchen, das schon von weitem als solches erkennbar ist, hat es doch die Gestalt eines Schlosses Neuschwanstein oder eines Ozeandampfers. Den baulichen Verirrungen sind keine Grenzen gesetzt, sie werden mit dem Schlagwort ‚Romantik‘ bemäntelt.“
(Barbara Lange: Walter Reiseführer Japan. 1984. ISBN: 3-530502503)

Die Zimmer können durch eine diskrete unterirdische Garage erreicht werden. Man schiebt das Geld einem Kassierer zu, der hinter einem Vorhang sitzt und den Schlüssel aushändigt. Die Zimmer sind mit allen Schikanen eingerichtet. Man kann sich auf einem Wasserbett verlustieren, in einer Dschungellaube oder in einem mit Plüsch ausgelegten autoähnlichen Bettgestell.
 
„Um es gleich vorweg zu nehmen: In einem japanischen Love Hotel gibt es so viel zu entdecken, dass man kaum zu dem eigentlichen Zweck des Besuchs kommt. Alles ist hier eine Nummer größer als gewohnt. Das Bett ist breiter und die Decke manchmal noch verspiegelt. Bunte Lichter und leise Hintergrundmusik sorgen auch mitten am Tag für Abendstimmung, ein riesiger Fernseher bietet Gott weiß was für Filme und im Kleiderschrank hängen Schwesternuniform und Schulmädchenkleidung. Und dann erst das Badezimmer! Ein Whirlpool mit Lichteffekten ist beinahe schon Standard, gleich daneben die großzügige Duschkabine mit Haltegriffen. Erlesene Seifen und Shampoos, Cremes und Gels reihen sich entlang dem Waschbecken, flauschige Handtücher und Bademäntel warten angewärmt auf nackte Körper. Über der tiefen Badewanne klebt der Hinweis, beim Wasserspiegel bitte die Körpergröße des Partners zu beachten. …

Es sind fast immer die Frauen, die das Hotel wählen und beurteilen, ob sich ein zweiter Besuch lohnt oder eben nicht – Werbung für die Hotels findet sich eher in Modezeitschriften als in einschlägigen Herrenmagazinen. Die Hotels wetteifern mit kleinen Aufmerksamkeiten, wie kostenloser Eiscreme, einem Hello-Kitty-Wecker zum Mitnehmen und anderen niedlichen Dreingaben, um die Damen an sich zu binden. In der Luxusklasse sind überdimensionale Fernseher und digitales Karaoke eine Selbstverständlichkeit sogar eine Playstation ist inzwischen ein absolutes Muss. Müssen Japaner die Dame ihres Herzens erst ansingen, um sie rumzukriegen? Oder gar das oberste Level als Gamer erreichen? Sollten japanische Balzriten so anders sein?“
(Christine Liew: Schattenläufer und Perlenmädchen. Abenteuer Alltag in Japan. Oldenburg: Dryas, 2010. ISBN: 978-3-940855-22-0)

automatische Tür mit Tigerkopf
(Foto: Wikimedia)