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laowai

老外 lǎowài (alt + draußen)
 
laowai
 
„Sānlǐtún [三里屯, Kneipenstraße in Peking] ist der wichtigste Tummelplatz für alle Arten von Bettlern, für chinesische Neureiche und vor allem für die lǎowàis, die Ausländer. Schwer zu übersetzen, dieses lǎowài, und je nachdem, wer es in welchem Tonfall und mit welchem Gesichtsausdruck ausspricht, kann lǎowài völlig unschuldig und wertfrei gemeint sein, als Frotzelei oder gar als Beleidigung. In der chinesischen Umgangssprache bzw. derem kleinen Fundus an Vertraulichkeiten nennt man lǎo - alt, älter jene Leute, die - hm, raten Sie mal ... ! älter sind als man selbst, und xiao - klein, jünger - diejenigen, die in der Altershierarchie unter einem selbst stehen. …

Ich persönlich mag dieses lǎowài nicht besonders, ziehe es aber als Typenbezeichnung dem offiziell immer noch gängigen ‚ausländische Freunde’
[外国朋友 wàiguó péngyou] vor, das aus einer Zeit stammt, als tatsächlich jeder Ausländer, den man in China traf, ein ausländischer Freund war, denn sonst wäre er gar nicht hereingelassen worden. Ein Freund der Partei, versteht sich, nicht notwendigerweise ein Freund der Menschen. Lǎowài klingt für meine Ohren dann auch wieder sehr viel besser als yángguǐzi [洋鬼子], fremde Teufel, oder dàbízǐ [大鼻子] – Langnase.

„Laowais begrüßt man in China stets mit ‚Hello‘, was zum Glück in den Städten mittlerweile etwas seltener geworden ist. Sie können sich nicht vorstellen, wie entnervend es sein kann, alle paar Meter von irgendeinem originellen Spaßvogel oder einem glucksenden Schulkind ‚angehellot‘ zu werden.“

(Gert Anhalt: Chinas nackte Fallschirmspringer. 1999. ISBN 978-3785284445)