Japanische Schrift

日本の表記体系 Nihon no hyōki taikei (Japan + Genitiv + Schrift + System)

 

„Japanisch-Lesen ist so überaus schwierig, daß selbst die Japaner auf Vereinfachung sannen. Deshalb fügten sie den Zehntausenden chinesischer Schriftzeichen (die sie seit alters auch für ihre Sprache verwenden) zwei Systeme einfacherer Silbenschriften bei, die ‚Kana‘ [仮名] heißen. Sie sind eine Art Stenographie und wirklich nicht schwer zu erlernen. Das Malheur ist nur, daß diese beiden Kana-Schriften die chinesischen Zeichen zwar ergänzen, aber nicht ersetzen. Und das Ergebnis ist, daß die vielgeplagten japanischen Schulkinder die beiden Kanas noch zu den sechstausend Chinesen-Zeichen hinzulernen müssen, die in den Schulplan gehören.

In dem unübersehbaren Heer chinesischer ‚Charaktere‘ nun liegt die große Versuchung für den Fremden.

Sie wirken so ungemein bildhaft, daß sie neugierig machen, und die Auflösung ihrer Zusammensetzungen hat viel vom Reiz des Rätselratens an sich. Es ist fesselnd, sich mit ihnen zu beschäftigen, und amüsant, auch nur mit ihnen zu spielen.

Man lernt zum Beispiel das Zeichen ‚Wagen’
[車] kennen, und freut sich, daß es tatsächlich wie ein zweirädriger Wagen aussieht, den man von oben betrachtet.

Oder man sieht, daß das torähnliche Zeichen
[門] auch richtig ‚Tor’ bedeutet, und das kleine Viereck [口] ‚Mund’.

Wie hübsch, dann zu erfahren, daß ein Mund im Tor
[問]  – ‚sich erkundigen’ bedeutet.
Ein in vier Felder geteiltes Rechteck
[田]  heißt ‚Reisfeld’... Kraft [力]  und Reisfeld [田]  zusammengesetzt bedeutet ‚Mann’ [男]. Stimmt: ist es doch der Mann, der mit seiner Kraft das Feld bestellt.
(Richard Katz: Funkelnder Ferner Osten. Erlebtes in China - Korea – Japan. 1930)
 
„Die japanische Schrift besteht eigentlich aus drei verschiedenen, in sich geschlossenen und gänzlich irrationalen Schriftsystemen: Hiragana (‚die verschnörkelten Buchstaben’), Katakana (‚die kantigen Buchstaben’) und Kanji (‚etwa 4 Millionen Inkarnationen Deiner schlimmsten Alpträume’).

Hiragana dienen dazu, japanische Wörter Silbe für Silbe aufzuschreiben. Das Hiragana-Alphabet besteht aus vielen Buchstaben, die alle völlig anders aussehen und absolut keinen Bezug zueinander oder überhaupt zu irgend etwas haben. Die Hiragana wurden entwickelt, indem man ein paar taubblinde japanische Vollidioten dazu brachte, auf Papier herumzukritzeln, ohne daß sie die leiseste Ahnung davon hatten, warum sie das tun sollten. Die dabei entstandenen Muster nannte man dann ‚Hiragana’. Der Prinz, der diesen glorreichen Einfall hatte, Yorimushi (‚stinkender Affen-Busch-Esel’), wurde auch prompt niedergeknüppelt."
(Dan Barrett in www.enemieslist.net/nyr; übersetzt von Thomas Golnik in http://www.thomas-golnik.de/japan/04.html)
ひらがな カタカナ
Hiragana wurde zuerst von adligen Frauen verwendet, da für Frauen sowohl das Studium der chinesischen Sprache als auch das Erlernen der Kanji als unangemessen galten. Bei Hiragana handelt es sich um abgeschliffene Kursivformen. Japanische Kinder lesen und schreiben alles zuerst in Hiragana, bevor sie zum Lernen der Kanji übergehen. Katakana wurde von buddhistischen Mönchen, entwickelt und dienten zunächst als Lesehilfe für chinesische religiöse Texte. Sie bestehen zumeist aus „Bruchstücken“ von Kanji und fallen als besonders einfach geformt und eckig auf.  Heute wird Katakana meistens für importierte Wörter aus Fremdsprachen verwendet.
漢字 ローマ字
Kanji (bedeutet Han-Zeichen, wobei Han für China steht. Sie haben eine eigenständige Bedeutung und zwei oder noch mehr unterschiedliche Aussprache-Arten. Bei Rōmaji handelt es sich um das lateinische Alphabet (rōma – römisch / lateinisch, ji - Schriftzeichen). Sie dienen als Eingabe-Methode auf Computern (die in Japan fast immer englischsprachige Tastaturen haben).
 
Im 19. Jahrhundert gab es Überlegungen, die japanische Schrift abzuschaffen. Dies scheiterte bisher an wichtigen Faktoren:
Die umfangreiche Schriftkultur wäre nur noch wenigen Gelehrten zugänglich und anders als in der Türkei, wo Analphabetismus der Normalfall war, konnten sehr viele Japaner lesen und schreiben.

Die japanische Sprache hat ungewöhnlich viele Homonyme, die sich nicht mehr unterscheiden ließen. Mit rund 100 Silben ist das Japanische sehr arm an Lauten. In Gesprächen kommt es deshalb vor, dass bei einem fraglichen Wort das richtige Schriftzeichen (漢字 Kanji) mit dem Finger auf die Handfläche gemalt wird.
 
Der Name Akira in den vier verschiedenen Schriften
Rōmaji Hiragana Katakana Kanji
Akira あきら アキラ 明, 光, 旭, 玲, 日明, 彰,
晶, 彬, 明朗, 晄, 徴, 亜喜良
 

japanische Sprache und Schrift

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