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Frühling und Herbst

春秋 Chūnqiū (Frühling + Herbst)

春秋時代 Chūnqiū shídài (Frühling + Herbst + Epoche)
722 - 481

 

„Die Welt war verrottet, und der rechte Weg wurde vergessen; üble Lehren und Gewalttätigkeit herrschten; ja es kam vor, daß Minister ihren Fürsten oder Söhne ihren Vater ermordeten. Konfuzius war darüber in Sorge und verfaßte das Chūnqiū. Dieses handelt von den Angelegenheiten der Herrscher.“
(Menzius, zitiert nach Hubert Schleichert: Klassische Chinesische Philosophie. Klostermann: Frankfurt, 1980. ISBN 3-465-02259-9)

 

Die Frühlings- und Herbstperiode war eine Epoche der chinesischen Geschichte. Der Name kommt von einer, von Konfuzius herausgegebenen Chronik seines Heimatstaates, die diese Periode behandelt. 

„Es ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, heute das Entsetzen zu verstehen, das die Geschichte Meister Kungs in den Herzen schlechter Herrscher, treuloser Söhne, rebellischer und verräterischer Beamter erweckte.“
(Carl Crow: Konfuzius. Staatsmann – Heiliger – Wanderer. 1939)

„Der Text an sich ist für den Uneingeweihten ein Rätsel, obwohl er einfach ist und ziemlich leicht verstanden werden kann, sobald man einmal die Methode erfaßt hat. Diese Art der Geschichtsschreibung folgt dem Stil der Zeit, in der die Berufshistoriker, die an jedem kleinen Hof oder Familiensitz angestellt waren, nackte Tatsachen in chronologischer Reihenfolge anführten und mit gleicher Kürze über die Heimsuchung durch Heuschrecken, über das Auftauchen eines Kometen, über die Ermordung eines Herzogs oder über den Besuch diplomatischer Sendboten aus einem anderen Feudalstaat berichteten.“
(Dennis Bloodworth: Chinesenspiegel. 3000 Jahre Reich der Mitte. 1968)

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Das Volk der Xiǎnyǔn (獫狁) war weitläufig verwandt mit den Xiōngnú (匈奴). Die Qiāng (羌) waren verwandt mit den Tibetern. Viet ist die vietnamesische Aussprache des Volksnamens Yuè (越).
(Karte: Wikimedia)

 

Wenn von den Hundert Schulen (諸子百家 zhūzǐ bǎijiā) die Rede ist, ist die Vielfalt der philosophischen Richtungen der Philosophie dieser Zeit gemeint. Da dies zu umfangreich ist, hat man sich gelegentlich auf eine Auswahl von zehn Schulen (十家 shíjiā) beschränkt.

Staaten der Frühlings- und Herbstperiode

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Cài
Nachdem Zhōu-König Wu (周武王) die Yin-Dynastie (殷) zerstört hatte, gab er seinem jüngeren Bruder das Land Cài als Lehen. Invasionen von Chǔ zwangen Cài mehrfach zur Verlegung seines Territoriums und zur Umbenennung: Neues Cài (新蔡 Xīncài), Unteres Cài (下蔡 Xiàcài) und Hohes Cài (高蔡 Gāocài). 447 wurde Cài vom Staat Chǔ erobert.
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Cáo
Der erste Herrscher von Cáo war der Sohn von König Wen von Zhou (周文王), im 11. Jahrhundert v. u. Z. Durch den Sieg des Staats Song 487 über Cáo verschwand der Staat aus der Geschichte. Aufgrund seiner Machtlosigkeit finden sich in den Geschichtsbüchern nur wenige Berichte über diesen Staat. Nachkommen übernahmen den Landesnamen als Familiennamen Cáo, der heute noch gebräuchlich ist.
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Chén
Chén lag in der heutigen Provinz Henan. Die Herrscherfamilie von Chén behauptete, vom Kaiser Shun (舜) abzustammen. Chén wurde ein Satellitenstaat von Chu und kämpfte als sein Verbündeter. 479 wurde Chén schließlich von Chǔ annektiert.
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Chǔ
Chǔ war einer der mächtigsten Staaten. Chǔ war ursprünglich als Jing (荆) und als Jingchu (荆楚) bekannt. Die größte Ausdehnung umfasste die heutigen Provinzen Hunan, Hubei, Chongqing, Henan, und Teile von Jiangsu.
Der Legende zufolge stammte die Herrscherfamilie vom Gelben Kaiser (黃帝 Huángdì) ab.
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Jìn
Jìn existierte vom 11. Jahrhundert bis 453/403. Sein Territorium befand sich auf dem Gebiet der heutigen Provinz Shanxi. Er war einer der mächtigsten Staaten. Am Ende wurde Jin in drei Staaten aufgeteilt, in die Staaten Han 韩, Wei 魏 und Zhao 赵. Diese Teilung wird als das am Anfang stehende Ereignis der Zeit der Streitenden Reiche betrachtet.
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Jǔ war geschwächt von den Kriegen mit den mächtigen Nachbarstaaten Qí und Chǔ. Letztlich wurde es von Qí erobert und als Stadt Jǔ eingegliedert. Das auf Taiwan gern gebrauchte Sprichwort "Vergesst Jǔ nicht!" (毋忘在莒) erinnert an Qís erfolgreichen Gegenangriff gegen Yān in aussichtsloser Lage von der Stadt Jǔ aus.
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Lǔ entstand im 10. Jahrhundert und ging 256 unter. Es grenzte an die beiden mächtigen Staaten Qí im Norden und Chǔ im Süden. Lǔ war die Heimat von Konfuzius und ist heute noch die Kurzbezeichnung für die Provinz Shandong.
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Qí war ein relativ mächtiger Staat und konnte mehrmals größere Gegner wie Chǔ oder Qin besiegen. 288 wurde der Herrscher Qís zum Kaiser des Ostens erklärt, während der Herrscher Qins der Kaiser des Westens wurde. 221 wurde Qí als letzter Staat vor der Reichseinigung von Qín erobert.
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Qín
Qín verfolgte eine expansive Politik, die dazu führte, dass es ganz China zum ersten Mal vereinte und zur Gründung der Qin-Dynastie führte. Sein Aufstieg begann mit der Ernennung des Qin-Oberhauptes zum Herzog durch den Zhou-König (das nominelle Oberhaupt Chinas), da dieser 771 vor einer Barbarenarmee fliehen musste. Der Qin-Herrscher gewährte dem König Schutz und gewann so die Dankbarkeit der Zhou.
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Sòng
Sòng war ein kleiner Staat in der Zentralregion Nordchinas. Er wurde im 11. Jahrhundert gegründet und 286 von Qin annektiert. Aus Sòng stammt der Dichterphilosoph Zhuangzi.
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Wèi
Wèi war zu Anfang der Zhou-Dynastie ein Lehen des Königs Wu (武王) an seinen Bruder Kang Shu (康叔). Der Staat befand sich im Nordosten der heutigen Provinz Henan und wurde 254 von Wèi (魏) annektiert.
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Wú war ein mächtiger, halbbarbarischer Staat an der Küste in der Gegend des unteren Jangtsekiangs, nördlich des Staates Yuè.
Wú ist heute noch eine Bezeichnung für die Region um Shanghai und die Sprache ihrer Bewohner.
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Xǔ war eine kleiner Vasallenstaat des Königreichs Zhōu, dessen Name Xǔróng (徐戎, Xǔ-Barbaren) erkennen lässt, dass es von den Chinesen als Fremdstaat betrachtet wurde. Xǔ assimilierte sich und hörte nach Angriffen von Wú und Chǔ im Jahr 512 auf zu existieren.
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Yān
Yān hatte seine Hauptstadt Jì (薊; heute Peking, auch bekannt als 燕京 Yānjīng,  Hauptstadt von Yan). Der Staat lag auf dem Gebiet der heutigen Provinz Hebei und von Peking. Weil er der nördlichste chinesische Staat war, hatte er zahlreiche Invasionen aus dem Norden zu erleiden. Im Reich waren die Staaten Qin und Zhao seine Hauptgegner.
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Yuè
Yuè, auch Yuyue (於越) war einer der mächtigsten Staaten. Er lag in etwa im Gebiet der heutigen Provinz Zhejiang.
Das Schriftzeichen für Yuè (越) findet sich heute im chinesischen Namen des Staates Vietnam, der auf Chinesisch "Südliches Yuè" (越南 Yuè​nán) heißt.
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Zhèng
Zhèng war ein Stadtstaat auf einem Gebiet, das heute zur Provinz Henan gehört. Der 806 gegründet Staat war zu Beginn der Frühlings- und Herbstzeit einer der mächtigen Staaten und war der erste Staat, der einen anderen annektierte. Zhèng profitierte von seiner zentralen Lage und hatte mehr Kaufleute als alle anderen chinesischen Staaten und nutzte seinen Reichtum für politische Bestechungen.
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Zhōng-
shān
Zhōngshān (= mittlere Berge), das auch als Xiānyú (鮮虞) bezeichnet wird, wurde von den Chinesen als Barbarenstaat betrachtet.
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Zhōu
In der Zeit der Östlichen Zhōu-Dynastie wurden die königlichen Rechte von den großen Lehnsherren beansprucht, die sich gegenseitig befehdeten. Der Zhou-König wollte die königliche Autorität wieder herstellen, wurde aber 707 geschlagen. Danach nahmen große Lehnsherren ebenfalls den Königstitel (王 wáng) an.
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Zōu
Die Herrscherfamilie Cáo (曹) änderte ihren Familiennamen in Zōu (鄒) nachdem sie vom König Wu der Zhōu-Dynastie mit diesem Kleinstaat belehnt wurde. 

 

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