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Fenstergucker

窓際族 madogiwazoku (Fenster + Kante, Seite + Rasse, Familie)
 

„Um ihre zehntausende ‚Madogiwa-Zoku‘ (‚Fenster-Hocker‘) aus den Firmen zu ekeln, gehen Nippons Bosse diskreter vor: Wer bei Bürobeginn einen Kreidekreis um seinen Stuhl findet, weiß: Ich werde hier nicht mehr gebraucht. Auch wer plötzlich das Telefon auf dem Schreibtisch vermisst, kann einpacken.“
(Wieland Wagner: Der Spiegel vom 25. Oktober 1999)

„Häufig sitzt er [der Abteilungsdirektor, 課長 kachō] so, dass er aus dem Fenster sehen kann: Ein Privileg, zugleich aber auch eine doppeldeutige Position, denn ‚am Fenster sitzen’ auch jene Mitarbeiter, die man zwar nicht entlassen kann (Lebenszeitbeschäftigung), die aber keine sinnvolle Arbeit mehr wahrnehmen.“
(Kleines Japanlexikon)

Fenstergucker nennt man in Japan Mitarbeiter, die nicht mehr benötigt werden, die man aber nicht entlassen kann, da sie als Stammarbeitnehmer Kündigungsschutz genießen.

Wichtig ist, dass man zwischen Faulheit und Boreout (krank vor Langeweile) unterscheidet: Wer faul ist, möchte nicht arbeiten. Wer vom Boreout betroffen ist, kann oder darf nicht arbeiten. Ein Gefühl der Nutzlosigkeit geht oft damit einher. Als Folge tendieren viele Betroffene dazu, sich Verhaltensmuster anzueignen, um es für die Kollegen nach Arbeit aussehen zu lassen. Dazu zählen das ständig wiederholte Sortieren von Akten oder das Spitzen gespitzter Bleistifte. Teilweise suchen die Betroffenen so dringend nach einer sinnvollen Aufgabe, dass sie abends ausgelaugt sind.

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Ostasienlexikon
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