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Chiang Ching-kuo

蔣經國 Jiǎng Jīngguó (Familienname Chiang bzw. Jiǎng)

1910 - 1988

„‚Der übermächtige Gangsterboss Dù Yuèshēng (杜月笙), und Shanghais Bürgermeister Chiang Ching-kuo saßen 1939 bei einem Bankett im berühmten Peace Hotel [和平饭店Hépíng Fàndiàn] nebeneinander‘, rezitiert der Vorleser von Seite zwölf mit verschwörerischem Tonfall und deutet in der Mitte des Pavillons die Sitzordnung von Gangsterboss und Bürgermeister an. Die Altherrenriege zu seiner Seite hört ohne Räuspern und Füße scharren zu.

‚Du willst die Korruption in der Stadt bekämpfen, fragte der Gangsterboss den Bürgermeister, doch räumst Du auch in der eigenen Familie auf? Es war Stadt bekannt, dass der Bürgermeister in den reichen Soong-Clan
[宋家姐妹 Sòngjiā] eingeheiratet hatte. Ich verschone meine eigene Familie nicht, behauptete der Bürgermeister mit fester Stimme." An dieser Stelle macht der Vorleser eine dramaturgische Pause. Das Publikum soll den Unterschied zwischen Wort und Tat begreifen. Er faltet den letzten Absatz der Zeitungsseite und lässt den Streifen in einem Lederbeutel verschwinden. … Noch ein letztes Mal hebt er für heute den Zeigefinger, bevor er den Pavillon verlässt: ‚Wir wissen, dass Chiang Ching-kuo vor seiner eigenen Familie gekuscht hat.‘“
(Tilman Wörtz im Stern vom 24. August 2005)
 
Chiang Ching-kuo, der Sohn war Nachfolger seines Vaters Chiang Kai-shek (蔣介石 Jiǎng Jièshí) als Präsident der Republik China auf Taiwan.
 
Er wurde im Alter von 16 Jahren zum Studium nach Moskau geschickt. Als sein Vater 1927 das Bündnis der Kuomintang (國民黨 Guómíndǎng) mit der Kommunistischen Partei Chinas aufkündigte, wurde Chiang Ching-kuo an seiner Rückkehr nach China gehindert.
 
Er musste in einer sibirischen Goldmine arbeiten, wurde jedoch bald als Techniker in eine Stahlfabrik versetzt. Hier lernte er die Russin Faina Ipatjewna Wachrewa (Фаина Ипатьевна Вахрева, 蔣方良 Jiǎng Fāngliáng) kennen, die er 1935 heiratete. Sie blieb stets im Hintergrund, da es nicht klug war, die Anwesenheit einer Russin inmitten der streng antikommunistischen Atmosphäre zu unterstreichen.
 

Chiang Ching-kuo (links) mit seinem Papa Chiang Kai-shek im Jahr 1948
(Foto: Wikimedia)
Faina Chiang im Jahr 1944
(Foto: Wikimedia)

1936 wurde er gezwungen, seiner Mutter zu schreiben, dass er Kommunist geworden sei und nicht mehr nach China zurückkehren wolle. Dieser Brief wurde in China dann auch prompt veröffentlicht. 1937 durfte er allerdings nach zwölfjähriger Abwesenheit heimkehren, weil Stalin die Kuomintang im Chinesisch-Japanischen Krieg unterstützen wollte.

1971 trat Chiang das Amt des Ministerpräsidenten an und 1975, nach dem Tod seines Vaters, wählte ihn die Kuomintang zu ihrem Vorsitzenden. 1978 wurde er dann zum Präsidenten der Republik China gewählt. Er beendete den Personenkult seines Vaters und hob das Kriegsrecht auf, das fast vierzig Jahre lang „für die Zeit des kommunistischen Aufstandes“ gegolten hatte.

chinesische Politiker
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