Logo-Hochschule-fr-Wirtschaft-und-Gesellschaft-Ludwigshafen

Tsao Tsao

曹操 Cáo Cāo
155 - 220

 

Cáo Cāo war auf der Flucht und saß mit einem Begleiter im Gastzimmer eines Bekannten namens Lǚ Bóshē (吕伯奢). Da vernahm er das Geräusch eines Schleifsteins, an dem ein Messer gewetzt wird.

Cáo Cāo spitzte die Ohren und sprach zu seinem Begleiter: „Dieser Lǚ Bóshē ist kein Blutsverwandter von mir, ich weiß nicht, ob man ihm recht trauen kann.“

So traten sie leise hinaus und horchten nach dem Hof. Da hörten sie eine Stimme: „Erst festbinden und dann abstechen? Wie?“

Cáo Cāo flüsterte seinem Begleiter zu: „‚Also war mein Argwohn doch richtig.“

Sie stürzten in den Hof und machten alles, was sie an Hausinsassen vorfanden nieder. Dann ritten sie eilig davon.

Sie hatten kaum zwei Meilen hinter sich, als sie ihrem heimkehrenden Gastgeber Lǚ Bóshē auf seinem Maulesel begegneten. Quer über dem Sattel hatte er zwei Weinfässchen hängen.

„Wohin denn so eilig, meine Freunde?“ rief er den beiden zu.

„Geächtete haben keine Zeit zum Rasten“, erwiderte Cáo Cāo.

„Aber ich habe meinen Knechten bereits befohlen, Euch zu Ehren ein Schwein zu schlachten. Ich bitte Euch, kehrt mit mir um und bleibt bei mir zu Gast.“

Cáo Cāo hörte nicht darauf und spornte sein Pferd an. Aber dann riss er es herum, zog sein Schwert und jagte auf Lǚ Bóshē zu. Der ahnungslose Gastgeber wandte sich um, da hatte ihm Cao Cao mit einem Schwertstreich auch schon das Haupt abgeschlagen.

Sein Begleiter schrie vor Entsetzen auf.

„Unser Missverständnis von vorhin war schon furchtbar genug. Was hat nun die neue Gewalttat für Sinn?“ fragte er vorwurfsvoll.

„Wenn Lǚ das Unheil gesehen hätte, hätte er das ganze Dorf hinter uns her gehetzt, und wir wären verloren gewesen.‘

‚Aber das heißt doch kaltblütig morden?‘

„Lieber übe ich an anderen Verrat, als dass ich die anderen an mir Verrat üben lasse“, versetzte Cao Cao kalt.

Sein Begleiter schwieg schaudernd.
 
Der Satz wird oft so zitiert: „Besser ich verrate die ganze Welt, als dass die Welt mich verrät.“

寧教我負天下人,休教天下人負我。
Níng jiào wǒ fù tiānxià rén, xiū jiào tiānxià rén fù wǒ.

dy-drei

Cáo Cāo war ein chinesischer General, der in der chinesischen Oper als finstere und verschlagene Gestalt dargestellt wird. Er errang die Herrschaft über ganz China nördlich des Jangtse, übte großen Einfluss auf den Kaiser aus und legte den Grundstein für die Wei-Dynastie (魏 Wèi; 220–265), die von seinem Sohn begründet wurde.

Als sich an seinem Hof Verschwörer gegen ihn zusammentun, erscheint zu dem Treffen auch Cáo Cāo. Daher kommt das oft gebrauchte chinesische Sprichwort:

„Spricht man von Cao Cao, kommt Cao Cao.“
说曹操曹操就到。
Shuō Cáo Cāo, Cáo Cāo jiù dào.
(~ Wenn man den Esel nennt ...)
 

logo

Ostasienlexikon
A - B - C - D - E - F - G - H - I - J - K - L - M - N
- O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z