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Helden und Schurken

Der Roman „Die Geschichte der Drei Reiche“ (三国演义 Sān'guó yǎnyì) von Luó Guànzhōng (羅貫中, 1330 - 1400) ist der Roman der chinesischen Heldenzeit, doch er gefällt nicht jedem/r:

„Ich las ‚Romance of the Three Kingdoms’, ein Roman über das Ende der Han-Dynastie ([漢朝 Hàncháo] so um 200 nach), ... Sagen wir mal so: Das mit den Namen ist schlimmer als bei Dostojewski, soll heißen, es kommen noch mehr Personen vor, die alle jeder für sich noch mehr Namen haben. Aber nach 300 Seiten waren mir einige der Hauptakteure in etwa vertraut. Einer davon, Guān Yǔ [关羽], wird heute als Gott verehrt. Ein anderer ist Cáo Cāo [曹操], ein General machiavellistischer Art.

Die Geschichte geht im Wesentlichen so: Der Han-Kaiser ist ein Weakling (auch Englisch kann einem immer wieder Freude machen) und so streiten sich alle und führen Jahrzehnte in unterschiedlichen Konstellationen Krieg gegeneinander. Für mehr Macht, mehr Ruhm, mehr Geld. Nominell ein Kaiserreich, ist China in grob drei Fraktionen geteilt, die alle finden, zur Regierung berechtigt zu sein. Der eine, weil er den Kaiser in seiner Gewalt hat, der andere, weil er mit dem Kaiserhaus verwandt ist und der dritte, weil er sich einfach besser findet. Die Han-Dynastie endete 220 nach, dann folgten 45 Jahre der Dreiteilung in die Staaten Wèi [魏], Shǔ [蜀] und Wú [吴]. Es ist ein ‚Männerbuch’ langweiligster Sorte. Mit dieser Einschätzung liege ich natürlich im eklatanten Widerspruch zu allem was man literaturhistorisch über dieses Buch lesen kann. Aber ich rede ja nur von meinem persönlichen Lesevergnügen, bzw. -missvergnügen. Einer erschlägt einen gegnerischen Truppenführer und wird als Held gefeiert. Dann erschlägt der Gegner einen eigenen Truppenführer und da ist die Empörung groß! Welch Fiesling! Na, und hin und her und hin und her. Ehre ist immens wichtig. Und da wird mein Verdacht bestärkt. Der Verdacht nämlich, dass Ehre lediglich das krankhafte Wichtignehmen der Meinung anderer über sich selbst ist.“
(Ilka Schneider: „Zwischen Geistern und Gigabytes“ Abenteuer Alltag in Taiwan. 2010. ISBN: 978-3-9811327-3-1)


Wenn man vom Teufel spricht…
Gleiches Bett, verschiedene Träume
Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Ringsum ertönen Chu-Lieder.
Wir sitzen alle im gleichen Boot.
Die Karte ist aufgerollt und der Dolch wird sichtbar.
Eine Gottesanbeterin will den Streitwagen aufhalten.

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