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Sonnenaufgang

5. Februar 2014

Chinesisch
日出 rìchū (Sonne + herausgehen)

Japanisch
日出 nisshutsu (Sonne + herausgehen)


Virtueller Sonnenaufgang am Platz des Himmlischen Friedens
(Foto: www.secretchina.com)


Sonnenaufgang 2.0

„Wenn die echte Sonne nicht zu sehen ist, dann zeigen wir den Leuten einfach eine virtuelle, denkt sich in diesen Tagen wohl die chinesische Führung. Den dichten Smog [烟雾 yānwù] auf den Straßen Pekings durchdringt ein gigantischer LED-Schirm [LED屏幕; LED píngmù] auf dem Tiananmen-Platz [天安门广场 Tiān'ānmén Guǎngchǎng]. Die Wand zeigt einen künstlichen Sonnenaufgang. Normalerweise werben Bildschirme wie dieser für touristische Sehenswürdigkeiten.

Die ohnehin hohe Luftverschmutzung [空气污染 kōngqì wūrǎn] in China steigt im Winter noch drastisch an, weil die Kraftwerke auf Hochtouren laufen und viele Haushalte mit Kohle heizen. ... Die Luftverschmutzung gilt auch als einer der Gründe für den Einbruch im Tourismus in Peking im vergangenen Jahr. 2013 kamen nach Angaben der Tourismusbehörde etwa zehn Prozent weniger Besucher als 2012.“
(Sächsische Zeitung vom 21. Januar 2014: Sonnenaufgang 2.0)

Sunrise for Beijing

Die Luftverschmutzung in Peking ist in der Tat katastrophal. China ist zum Beispiel der größte Produzent von Solarzellen, aber sie liefern in Peking  keinen Strom, weil nicht genügend Sonnenlicht ankommt. Aber man kann das Ganze auch ganz anders betrachten. So schreibt Katja Cullmann, eine unserer Absolventinnen:

„Da ist der Tiananmen-Platz in Peking: düster verhangen, irre unterbelichtet, fast erdrückt von einem graubraunen Himmel. Ein paar Fußgänger sind zu sehen, auf den ersten Blick wirken sie winterlich vermummt, auf den zweiten erkennt man Atemschutzmasken. Im Zentrum des Fotos: ein riesiger LED-Bildschirm, der mitten auf dem Platz steht und auf dem ein virtueller Sonnenaufgang rötlich leuchtet. Westliche Medien behaupteten sogleich, dass hier ein Naturerlebnis auf Staatskosten ausgestrahlt werde, um die  Stimmungslage der von Luftverschmutzung gebeutelten Chinesen zu heben. Die real existierende Sonne ist bis auf Weiteres im Großraum Peking nämlich leider nicht zu sehen. Asiatische Medien konterten: Alles Quatsch! Der Sonnenaufgang sei immer nur für maximal zehn Sekunden auf dem Schirm aufgeflackert, als Teil einer Werbekampagne für die Tourismus-Region Shandong.“
(Katja Cullmann in „Der Freitag“ vom 31. Januar 2013: The sunrise will be televised)