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22. Oktober 2012

Tagebuch

22. Oktober 2012

Chinesisch
日记 rìjì (Tag + aufzeichnen)

Japanisch
日記 nikki (Tag + aufzeichnen)

„Was genau machen eigentlich chinesische Beamte den ganzen Tag? Diese Frage ist nun beantwortet, jedenfalls was den Beamten Hán Fēng [韩峰] betrifft. Sein Tagebuch fand den Weg ins Internet. Millionen von Chinesen haben es inzwischen gelesen. Es dokumentiert für den Zeitraum September 2007 bis Januar 2008 vor allem drei Tätigkeiten, die sich fast täglich wiederholten. Han kassierte Schmiergelder. Han schlief mit einer seiner Geliebten. Han soff Unmengen von Alkohol.“
(Henrik Bork in der Süddeutschen Zeitung vom 14. März 2010: Intime Bekenntnisse eines Beamten)

Hán Fēng war Abteilungsleiter des Tabakmonopolbüros (烟草局局长 yāncǎojú júzhǎng) im südwestchinesischen Städtchen Láibīn (来宾, Autonome Region Guǎngxī 广西). Er schrieb in sein Tagebuch:
„16. September, Sonntag, 24 bis 31 Grad Celsius, sonnig. Wang Shucheng lud uns beide zum Lunch im Guijing-Hotel ein. Er gab mir zwei Flaschen Maotai-Schnaps und 50.000 Yuan in bar. Ich brachte 30.000 Yuan zur Bank und nahm 20.000 Yuan mit nach Hause. 18. September, Dienstag. 21 bis 32 Grad Celsius, sonnig. Ging zum Guoda-Hotel und mietete ein Zimmer. Ging zurück ins Büro.“
(Süddeutsche Zeitung vom 14. März 2010: Intime Bekenntnisse eines Beamten)

Die Aufzählung wird, trotz Details schnell langweilig. Pech für Hán Fēng war vor allem, dass er sämtliche Schmiergeldzahlungen dokumentiert hatte. Insgesamt verzeichnet sein Tagebuch über den Zeitraum von fünf Monaten Schmiergelder in Höhe von 162.000 Yuan (etwa 18.000 Euro).

Am 29. Dezember 2007 resümierte der 53-jährige Hán Fēng:
„2007 war ein gutes Jahr. Die Arbeit läuft gut. Das Einkommen beläuft sich auf nicht weniger als 200.000 Yuan. Es war auch ein glückliches Jahr mit Frauen. Ich muss auf meine Gesundheit aufpassen, wenn ich so viele Sexpartner habe."
(Beamter mit Sex-Tagebüchern wird zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt)

Allerdings wurde am Ende nicht das Kassieren von Schmiergeldern (油水 yóushuǐ) zum Verhängnis, sondern der Ehemann einer seiner zahlreichen Geliebten fand das Tagebuch und stellte es ins Internet. Damit war die Regierung zum Handeln gezwungen. Bald hieß es in der Zeitung:
„Han ist von seinen Posten zurückgetreten."

Hán Fēng erhielt für sein Werk 13 Jahre. Das Gericht ließ Milde walten, weil er die Bestechungsgelder freiwillig zurückgab. Der Star-Blogger Hán Hán (韩寒) kommentierten das Ganze zynisch:
„Hán Fēng war ein guter Beamter. Er hat in sechs Monaten doch eine relativ geringe Summe an Schmiergeldern eingesteckt. Wo finden wir heutzutage noch so einen sauberen Beamten wie Hán Fēng?"
 
Blogger vom Tianya Club (天涯社区 Tiānyá Shèqū) erklärten das Tagebuch zu großer Literatur, denn niemals zuvor wurde das tägliche Leben eines chinesischen Beamten so akkurat geschildert.
 

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