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Prof. Dr. Frank Rövekamp

Stellvertr. Leitung / Studienberatung
Christine Liew, M.Litt.
0621-5203-423

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Conny Scheurer
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17. September 2012

Boykott

17. September 2012

Chinesisch
抵制 dǐzhì (Widerstand leisten + System)
杯葛 bēigě (englisch: boycott)
不买运动 bùmǎi yùndòng (nicht + kaufen + Bewegung)

Japanisch
非買同盟 hibai dōmei (nicht + kaufen + dasselbe + Bündnis)
非買 fubai (nicht + kaufen)
ボイコット boikotto (englisch: boycott)
 
japan-boykott

抵制日货!
Dǐzhì Rìhuò!
Boykottiert japanische Waren!
(Quelle: Big5)

Im Internet zeigen viele Chinesen ihre Abneigung gegen Japaner, die ihnen die Diaoyutai-Inseln (钓鱼台群岛 Diàoyútái Qúndǎo) nicht geben wollen. Auslöser der Proteste ist der geplante Kauf der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung von einem privaten Besitzer, was in China als Affront betrachtet wurde. Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, aufgegeben worden waren. Im Mikroblog (微博 wēibó) Téngxùn (騰訊) sind zahlreiche nationalistische Äußerungen zu finden. Beispielsweise postete ein Nutzer, dass er als erster in die Schlacht ziehen werde, wenn ein Krieg gegen Japan ausbreche. Ein anderer erklärte, dass seiner Meinung nach ein Krieg nötig sei. Wieder ein anderer Nutzer äußerte sogar den Wunsch, alle Japaner zu töten.
 
Am Dienstag, dem Jahrestag des so genannten Mukden-Zwischenfalls (九一八事変 Jiǔyībā Shìbiàn, 18.-September-Zwischenfall) von 1931, der die Besatzung der Mandschurei (满洲  Mănzhōu) durch Japan auslöste, drohen weitere Proteste.
Damals verübten zwei japanische Offiziere bei der Stadt Mukden (heute: Shěnyáng 沈阳) einen Sprengstoff-Anschlag auf die Südmandschurische Eisenbahn. Für den Anschlag wurden die Chinesen verantwortlich gemacht und er diente als Vorwand für die weitere Entsendung japanischer Truppen in die Mandschurei.

In dieser angespannten Lage ist der Boykott japanischer Waren fast eine Vorschrift. Ein Nutzer forderte gar dazu auf, bereits gekaufte japanische Produkte selbst zu zerstören. Sprüche wie der folgende geistern durch das Internet:

「抵制日货!打倒小日本!還我釣魚台!」
Dǐzhì Rìhuò! Dǎdǎo Rìběn! Huán wǒ Diàoyútái!
Boykottiert japanische Waren! Nieder mit Japan. Gebt uns die Fischerterrasse (Diaoyutai) zurück!
 
japan-boykott-babberl

抵制日货是每个中国公民的神圣职责。
Dǐzhì Rìhuò shì měige Zhōngguó gōngmín de shénshèng zhí​zé.
Japanische Waren zu boykottieren ist die heilige Pflicht eines jeden chinesischen Bürgers.
(„Heilige Pflicht“ – Ihr habt sie wohl nicht mehr alle!)
Durchgestrichen sind die Schriftzeichen 日货 (Rìhuò = japanische Waren)
(Quelle: SouFun 搜房 Sōufáng)
 
Im Internet sind zahlreiche Fotos zerstörter japanischer Autos zu finden. Der  ängstliche Besitzer eines Toyotas (丰田 Fēngtián bzw. トヨタ Toyoda) in der Provinz Sìchuān (四川) hängte aus Furcht vor Vandalismus (毁坏 huǐhuài) an sein Auto eine Fahne, auf der steht: „Das Auto habe ich vor dem Konflikt mit Japan gekauft und ab jetzt werde ich keine japanischen Waren mehr kaufen". Außerdem hat er das Toyota Symbol verklebt.
 
japan-boykott-sichuan
抵制日本商品 搞垮日本经济。
Dǐzhì Rìběn shāngpǐn, gǎo kuǎ Rìběn jīngjì.
Boykottiert japanische Waren, macht die japanische Wirtschaft kaputt!

本人买车在前,日本犯贼在后。从今往后抵制日货。
Běnrén mǎi chē zàiqián, Rìběn fǎnzéi zàihòu. Cóngjīn wǎnghòu dǐzhì Rìhuò.
Ich habe mein Auto vor dem japanischen Verbrechen gekauft.
Von heute an werde ich japanische Güter boykottieren.
 
Das Schriftzeichen 川 (Chuān) auf dem blauen Nummernschild ist das Kfz-Kennzeichen für die südwestchinesische Binnenprovinz Sìchuān (四川), die ja vermutlich von dem Inselstreit besonders betroffen ist.
 
(Quelle: bbs.tiexue.net)
 
toyota
 
Die japanische Botschaft warnte in dieser idiotischen Atmosphäre auf ihrer Webseite ihre Landsleute davor, in der Öffentlichkeit laut Japanisch zu sprechen oder alleine ein Taxi zu benutzen. Am Wochenende belagerten Demonstranten die japanische Botschaft und forderten eine Kriegserklärung gegen Japan. Die Polizei hielt sich weitgehend im Hintergrund. Wegen der massiven Proteste haben außerdem mehrere japanische Elektronikhersteller (beispielsweise Panasonic und Canon) ihre Fabriken in China stillgelegt.
 
Was ist da eigentlich los?

Es gibt die These auf, dass die chinesische Regierung den Hass gegen Japan absichtlich geschürt habe, um die Aufmerksamkeit von aktuellen politischen Problemen abzulenken. Während in China Demonstrationen sonst rasch aufgelöst werden, wurden die Proteste von der Polizei begleitet und es gibt Zweifel, dass die Proteste spontan waren.
 
bo-xilai
Der abgesägte Spitzenpolitiker Bó Xīlái (薄熙来)
(Foto: Wikimedia)

Die Kommunistischen Partei Chinas (中国共产党 Zhōngguó Gòngchǎndǎng) hat zur Zeit schwer mit dem Skandal um den Spitzenpolitiker Bó Xīlái (薄熙来) zu kämpfen. Der Mordprozess um seine Ehefrau Gǔ Kāilái (谷开来) erregte weltweit Aufmerksamkeit. Möglicherweise geht der Skandal um Bó Xīlái noch viel weiter. Es wird gemunkelt, dass er und seine Gefolgsleute im Organraub und Leichenhandel verwickelt seien.

Um die Aufmerksamkeit davon abzulenken, könnte die Kommunistische Partei den Volkszorn auf den Konflikt um die unbewohnten Inseln dirigiert haben, denn die Stabilität der chinesischen Regierung könnte durch den Aufbau eines Feindbildes erhöht werden. Und wir sehen: Es funktioniert offensichtlich. Leider.
 

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