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17. Dezember 2013

Abugida

Japanisch
アブギダ abugida

Chinesisch
元音附标文字 yuányīn fù biāo wénzì (Ursprungslaut, Vokal + hinzufügen + Marke, Zeichen + Schriftzeichen)

Englisch
alphasyllabary

a-bu-gi-da

Das Wort Abugida in äthiopischer Schrift und in Devanagari

In Japan schreibt man - neben den Kanji-Schriftzeichen - zwei Silbenschriften, so ähnlich wie eben in Indien oder Südöstasien. Diesen Irrrtum muss an dieser Stelle einmal entgegengetreten werden.

Um aufzuzeigen, wie unterschiedlich Wörter in verschiedenen Schriftsystemen wiedergegeben werden, sind hier die Übersetzungen eines nordamerikanischen Staates aufgeführt.

Kanada-Geez

In der äthiopischen Schrift stehen drei Zeichen für den Ländernamen „Kanada“, der aus drei Silben besteht. Wollen wir nun „Panama“ – ebenfalls mit drei „a“ – schreiben, kommen wir zu folgendem Ergebnis: „ፓናማ“. Wir sehen sofort, dass nur das mittlere Zeichen „ና“ identisch ist. Handelt es sich hierbei um eine Silbenschrift nach dem Muster „ka-na-da“? Nein, nicht ganz. Dazu aber später mehr.

 

Kanada-arabisch

Die arabische Schrift stehen vier Zeichen für den Ländernamen (كندا), der doch aus sechs Buchstaben oder drei Silben zusammengesetzt ist. Arabisch verwendet eine Konsonantenschrift, die von rechts nach links geschrieben wird. Das heißt, es werden nur die Konsonanten „k“ (ك), „n“ (ن) und „d“ (د) geschrieben, die übrigens noch unterschiedliche Formen annehmen, je nachdem, ob sie am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes stehen. Dass da noch ein Zeichen steht, das Aleph (ا), mag verwirrend sein, doch offensichtlich will man das Auslaut-„a“ irgendwie wiedergeben.

 

Kanada-armenisch

Die armenische Schrift ist eine reine Buchstabenschrift. Das lässt sich nicht nur daran erkennen, dass der Ländername (Կանադա) zufällig auch sechs Buchstaben hat und das umgedrehte „m“ (ա) drei Mal an den Stellen vorkommt, an denen wir es suchen würden (2, 4 und 6). Für den Ländernamen „Panama“ kommen wir auf ein ähnliches Ergebnis: „Պանամա“, ebenfalls mit dem umgedrehten „m“ (ա) an drei Stellen.

 

Kanada-bengali

Bengalisch ist eine indische Sprache, die in Westbengalen und Bangladesch von mehr als 200 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen wird. Das Schriftsystem gehört zum indischen Schriftenkreis, der uns in Mitteleuropa meist nicht sonderlich vertraut ist. Wir sehen in diesem Beispiel nur eine Wäscheleine, an der eine Anzahl von Zeichen aufgehängt sind (কানাডা). Es gibt für uns keinen Hinweis, wo ein Buchstabe anfängt oder aufhört. Aber diese Schrift ist nicht die Einzige, die nach diesem System funktioniert.

 

Kanada-gujarati Gujarati war die Muttesprache Mahatma Gandhis und wird heute von 45 Millionen Menschen im Westen Indiens gesprochen. Die „Wäscheleine“ der bengalischen Schrift fehlt hier und wir können deutlich mehrere Zeichen unterscheiden, sind uns aber nicht sicher, ob es drei oder vier sind (કેનેડા).
Kanada-hindi

Devanagari ist das Schriftsystem, mit dem Hindi, eine Anzahl weiterer Sprachen und Sanskrit geschrieben wird. Das große Ähnlichkeiten mit der bengalischen Schrift bestehen, sehen wir sofort, wenn wir „কানাডা“ und „कनाडा“ vergleichen: „কা“ entspricht „क“, „না“ entspricht „ना“ und „ডা“ entspricht „डा“.
Ähnlichkeiten bestehen aber auch zur Gujarati-Schrift: „કે“ entspricht „क“, „ને“ entspricht „ना“ und „ડા“ entspricht „डा“. Wir folgern daraus, dass alle drei Schriftsysteme drei Zeichen für die sechs Buchstaben des Originals verwenden (कनाडा). Der Vergleich mit der Schreibweise von „Panama“ (पनामा) bestätigt unsere Vermutung: Auch dort kommt das „ना“ in der Mitte des Namens vor. Etwas irritiertend sind die Senkrechtstriche, aus denen wir nicht ganz schlau werden.

 

Kanada-inuktitut

Die Inuit im Norden Kanadas verwenden als Zeichen ihrer Identität ein ganz ausgefallenes Schriftsystem für ihre Sprache namens Inuktitut (Sprache der Menschen). Drei Zeichen brauchen sie, um den Namen ihres Staates (ᑲᓇᑕ) zu schreiben, was wiederum auf eine Silbenschrift verweisen könnte.

 

Kanada-katakana

Eine richtige Silbenschrift ist aber die japanische Katakana-Schrift. Die drei Zeichen stehen hier für drei Silben (カナダ). Wollte man „Kinidi“ oder „Kunudu“ schreiben, müsste man völlig andere Zeichen verwenden, nämlich „キニヂ“ oder „クヌヅ“. Wir sehen: Der Anlaut „k“ wird zum Beispiel in keinem der drei Fälle mit einem nur halbwegs ähnlichen Zeichen geschrieben (カ ka, キ ki, ク ku).

 

 

Abugida ist keine richtige Silbenschrift, sondern ein bestimmter Typus der Silbenschrift, der eine Zwischenstufe zwischen echter Silbenschrift und Alphabet darstellt. Dieses Schriftsystem ist charakteristisch für die indischen Schriften und die äthiopische Schrift.

Der Name „Abugida“ leitet sich von den vier Anfangslauten der für das Amharische verwendeten Schrift ab: አቡጊዳ (a-bu-gi-da). Der Begriff  wurde vom US-amerikanischen Sprachwissenschaftler Peter T. Daniels geprägt und steht im Gegensatz zu dem Begriff „Abdschad", einem Schriftsystem ohne Vokalzeichen, mt dem zum Beispiel das Arabische und das Hebräische geschrieben werden.

Bei einer Abugida hat jeder Konsonant einen Vokal (meistens das „a") eingebaut, der durch Vokalzeichen neben, über oder unter dem Konsonanten abgewandelt werden kann. So steht in der indischen Devanagari-Schrift das Zeichen „क" für die Silbe „ka".Durch Hinzufügung eines Vokalzeichens wird daraus die Silbe „के ke". Die weiteren Vokale werden durch entsprechende Zeichen angedeutet:

Aus der Grundsilbe ल la wird durch die Vokalzeichen „ला lā, लि li, ली lĪ, लु lu, लू lū, ले le, लै lai, लो lo und लौ lau".

Liste von Abugidas

Die folgenden Schriftsysteme sind mehr oder weniger typische Abugidas:

Äthiopische Schrift ግዕዝ
Bengalische Schrift  বাংলা লিপি
Birmanische Schrift  
Devanagari देवनागरी
Gujarati-Schrift ગુજરાતી
Gurmukhi-Schrift ਗੁਰਮੁਖੀ
Kanadische Silbenschrift  
Kannada-Schrift ಕನ್ನಡ ಲಿಪಿ
Khmer-Schrift អក្សរខ្មែរ
Laotische Schrift  
Oriya-Schrift ଉତ୍କଳ ଲିପି
Sinhala-Schrift  
Tamilische Schrift தமிழ் அரிச்சுவடி
Telugu-Schrift  
Thaana-Schrift ތާނަ
Thailändische Schrift อักษรไทย
Tibetische Schrift     


Am weitesten verbreitet ist das lateinische Alphabet (grau). Es folgen das kyrillische Alphabet und das arabische Abdschad. Abugidas finden sich hauptsächlich in Südasien und Südostasien.
(Karte: Wikimedia)

 

Die Silbe „ma" bzw. mo" in verschiedenen Abugida-Schriften

Beim aufmerksamen Vergleichen wird uns eine Schlaufe unten links (oder auch in der Mitte) auffallen. Sie lässt die Verwandschaft der „indischen" Schriften untereinander erkennen, wie weit auch immer sie sein mag.

ma-bengali ma-birmanisch ma-gujarati ma-kannada ma-thai
 Bengali
(West-Bengalen,
Bangladesch)
Birmanisch
(Myanmar)
Gujarati
(Gujarat,
Indien)
 Telugu
(Andhra Pradesh,
Indien)
 Thai
(Thailand)
ma-malayalam ma-nagari ma-oriya ma2 ma-4
Malayalam
(Kerala,
Indien)
 Devanagari
(Nordindien,
Nepal)
 Oriya
(Odisha,
Indien)
 Sinhala
(Sri Lanka)
Gurmukhi
(Punjab,
Indien)
 ma-5 ma-7  ma-8   ma-cree ma-amharisch 
 Tibetisch
(Tibet,
Bhutan)
Tamil
(Tamil Nadu,
Indien)
 Khmer
(Kambodscha)
 kanadische
Eingeborenen-
schrift
 äthiopische
Schrift
(Amharisch)

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