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09. April 2013

Der Bildungsweg in Japan - Schule und Studium in Japan

OAI-Vortragsreihe

Der Bildungsweg in Japan - Schule und Studium in Japan

(19. März 2013)

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KOBAYASHI Toshiaki (小林敏明)

„Die Japaner haben in bislang allen PISA-Vergleichstests eindrucksvoll belegen können, dass ihr Bildungssystem zusammen mit dem von Finnland zu den leistungsfähigsten der Welt zählt. Aber wie sieht dieses System eigentlich genau aus? Ist es wirklich so effektiv wie sein Ruf? Welche Ursachen hat das straffe Leistungsdenken? Und in welchem Zusammenhang steht dies mit negativen Begleiterscheinungen wie psychosomatischen Erkrankungen und Depressionen bei Jugendlichen?“

Mit dieser Ankündigung wurde auf die erste Veranstaltung der OAI-Vortragsreihe 2013 eingestimmt, zu dem das Ostasieninstitut den Leipziger Philosophie-Professor KOBAYASHI Toshiaki (小林敏明) eingeladen hatte.
Kobayashi schloss bereits 1974 sein Philosophiestudium in Nagoya ab, promovierte 1996 an der FU Berlin und habilitierte sich vier Jahre später in Leipzig.

Zu Beginn seines Vortrags stellte Kobayashi heraus, dass in Japan 50 Prozent eines Jahrgangs studieren, während es in Deutschland lediglich 26 Prozent sind. Doch beide Länder bleiben weit hinter Südkorea zurück, wo rund 90 Prozent eines Jahrgangs eine Hochschule besuchen.

Charakteristisch für das japanische Bildungssystem ist das Ranking, bei dem Hochschulen, die weiter vom Zentrum (= Tōkyō) entfernt sind, oft über eine geringere Reputation verfügen. Renommierte Firmen bevorzugen Absolventen von renommierten Universitäten.

Während in Deutschland die Abiturnote entscheidend ist, gilt es in Japan,  landesweit Eintrittsexamina zu bestehen. Doch nicht genug damit – die meisten Universitäten verlangen von den Bewerbern weitere Zusatzprüfungen, für die sie zudem noch Geld verlangen. Da diese Prüfungen über die Zukunft entscheiden, hat sich eine regelrechte Vorbereitungs-Industrie gebildet:

  • 予備校 yobikō: Vorbereitungsschule
  • 学習塾 gakushū juku: Nachhilfeschule

Die Vorbereitung für die Universität beginnt praktisch in der Grundschule, denn nur wer eine renommierte Oberschule besucht, hat gute Aussichten, weiterzukommen. Verschärft wird dieses System durch den Konkurrenzkampf der Eltern und dem kollektivistischen Zwang. Wenn die Studenten es dann bis zur Hochschule geschafft haben, ist ihre Energie häufig erschöpft. Das nennt sich dann Maikrankheit (五月病 gogatsubyō), denn im Mai ist gerade ein Monat des Studienjahres vorüber.


Kobayashi führt folgende Begleiterscheinungen des japanischen Bildungssystems auf:

  1. 受験地獄 juken jigoku: Prüfungshölle
  2. 落ちこぼれ ochikobore: Schüler, der dem Tempo des Unterrichts nicht folgen kann
  3. 引きこもり hikikomori: Rückzug aus der Gesellschaft
  4. いじめ ijime: Mobbing
  5. 登校拒否 tōkō kyohi: Schulverweigerung
  6. 校内暴力 kōnai bōryoku: Gewalt in der Schule
  7. 自殺 jisatsu: Selbstmord

Damit zusammen hängen nach der Auffassung von Kobayashi folgende sozialen Probleme:

  • Prekariat (プレカリアート purekariāto): Personen mit unsicheren (prekären) Arbeitsverhältnissen
  • NEET (ニートnīto): Jugendlicher, die weder in Ausbildung sind noch Vollzeit arbeiten (englisch: Not in Education, Employment, or Training)
  • Freeter (フリーター furītā): vom englischen „free“ und dem deutschen „Arbeiter“; bedeutet Teilzeitarbeit
  • Parasite Singles (パラサイト・シングル parasaito shinguru): parasitäre Singles, junge Leute, die trotz finanzieller Unabhängigkeit bei ihren Eltern wohnen und ihnen auf der Tasche liegen
  • Beziehung gegen Unterstützung (援助交際 enjo kōsai): Beziehung zwischen Oberschülerinnen und Männern im mittleren Alter gegen finanzielle Zuwendungen

Kobayashi kommt zu folgendem Fazit: Japan ist eine hierarchische Gesellschaft, die auf den schulischen Werdegang großen Wert legt (学歴社会 gakureki shakai). Berufsaussichten und sogar Heiratsaussichten können abhängig von der besuchten Universität sein. Da weiter hauptsächlich entscheidend ist, wo, nicht aber wie man studiert hat, sinkt das Niveau an den Universitäten. Diese Aspekte des japanischen Bildungssystems sollten uns eine Warnung sein.

 

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