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11. März 2013

Atom-Scheidung

Japanisch
原発離婚 genpatsu rikon (Atom, nuklear + Scheidung)
震災離婚  shinsai rikon (Erdbeben + Scheidung)

genpatsu-rikon

放射能で溝 「原発離婚」
Hōshanō de mizo "genpatsu rikon"
Risse wegen Radioaktivität: Atom-Scheidung

„Die Männer haben meist gute Jobs in Fukushima [福島] und wollen bleiben. Durch den Wiederaufbau der vom Tsunami [津波] zerstörten Gebiete boomt die Bauindustrie. Für Frauen sei es viel schwieriger, eine Arbeit zu finden. Viele ihrer Freundinnen überlegten, nach Tōkyō [東京] oder Ōsaka [大阪] zu ziehen, wollten weit weg. ‚Das hat aber mehr mit der Sorge vor der Radioaktivität als mit den Jobs zu tun‘, sagt Hiromi [宏美]. Die Männer verstünden das nicht. Sie verlangten, dass ihre Freundinnen trotzdem blieben. …

Doch auch das Zusammenbleiben bereitet Probleme. Seit Monaten steigt in Fukushima die Zahl der Scheidungen. Oft trennen sich Familien, in denen die Frauen mit kleineren Kindern fortzogen, die Männer wegen ihrer Arbeit aber blieben. ‚Genpatsu rikon‘ nennen die Japaner dieses Phänomen, ‚Atom-Scheidung‘. …

Unmittelbar nach der Katastrophe in den Atomreaktoren ist die 29 Jahre alte Frau mit ihrer dreijährigen Tochter geflohen und bei Verwandten in Tōkyō untergekommen. Sechs Wochen später nagte das schlechte Gewissen an ihr. War es richtig, die Familie zu trennen? Schweren Herzens ging Miki [美希] zurück zu ihrem Mann nach Fukushima. ... Sie achtete beim Einkauf darauf, Produkte aus anderen Regionen zu kaufen. Und mit niemandem konnte sie sprechen. Ihr Mann meinte nur: Es sei schon sicher.

Eines Tages traf das Paar bei einem Spaziergang zufällig den Vorgesetzten ihres Mannes. Bald machten sich die Männer lautstark lustig über all diese Frauen, die aus Angst vor Radioaktivität [放射能 hōshanō]‚völlig übertriebene Sorgen‘ hätten und weggehen wollten. Ihr Mann und sein Chef amüsierten sich. Lächerlich, meinten sie. Miki stand neben ihnen und schwieg. ‚Kann ich mit so einem Mann eine Familie haben?‘, fragte sie sich im Stillen. ‚Das Leben seines Kindes könnte bedroht sein, und er macht darüber Witze?‘ Wenige Tage später blutete die Tochter aus der Nase. Wieder wuchs bei Miki die Angst, die radioaktive Belastung könne der Grund dafür sein. Und wieder lachte ihr Mann sie aus. ‚Stell Dich nicht so an.‘ Am nächsten Tag saß Miki mit ihrer Tochter im Flugzeug nach Sapporo [札幌], der Hauptstadt der nördlichen Insel Hokkaidō [北海道]. ‚Das war’s‘, sagte sie. Kurz darauf reichte sie die Scheidung ein.“
(Carsten Germis in der FAZ vom 10. März 2013: Zwei Jahre nach Fukushima - Die Liebe im Schatten des Atoms)

In vielen Fällen, in denen Mütter mit ihren Kindern in entfernte Regionen zogen, stellten die Ehemänner die Zahlungen ein. Staatliche Hilfen bekommen die Frauen nur dann schnell bewilligt, wenn sie alleinerziehend sind.

Die Stigmatisierung der Menschen aus Fukushima ist ein Problem, über das nicht gerne gesprochen wird. Viele Menschen wollten lieber nichts mit Menschen von dort zu tun haben.

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