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20. Dezember 2012

ein Apfelbäumchen pflanzen

20. Dezember 2012

Japanisch
りんごの木 ringo no ki (Apfel + Genitiv + Baum)

Chinesisch
苹果树 píngguǒshù (Apfel + Frucht + Baum)
 
lutherbaum
Morgen geht ja die Welt unter, da sollten wir doch noch rasch ein Apfelbäumchen pflanzen – auch wenn das im Dezember nicht so einfach ist.

Warum sollten wir gerade heute ein Apfelbäumchen pflanzen, wo uns doch mehr der Sinn danach steht, ein Tannenbäumchen zu fällen?

Es ist eine alte Tradition, die Martin Luther (马丁•路德 Mǎdīng Lùdé bzw. マルティン・ルター Marutin Rutā) schon im 16. Jahrhundert begründete, indem er vor jedem Weltuntergang einen Apfelbaum pflanzte und dabei zu seiner Gemeinde sagte:

„Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Japanisch
「もしも明日世界が終わるなら、私は今日リンゴの木を植えるだろう。」
Moshimo myōnichi sekai ga  owaru nara, watashi wa konnichi ringo no ki o ueru darō.

Chinesisch
「即使明天是世界末日,我今天仍然要种下一棵苹果树。」
Jíshǐ míngtiān shì shìjièmòrì, wǒ jīntiān réngrán yào zhòng xià yīkē píngguǒshù.
 
luther-haus-eisenach
Gedenktafel am Lutherhaus in Eisenach
 
Dieser Spruch war in Varianten in den 1950er Jahren verbreitet. Nachforschungen ergaben, dass er aber gar nicht auf Luther zurückgeführt werden kann. Ein schriftlicher Nachweis stammt aus dem Jahr 1944 – der Endphase des Zweiten Weltkriegs – und findet sich in einem internen maschinenschriftlichen Rundbrief des hessischen Pfarrers Karl Lotz vom 5. Oktober 1944 an Vertrauensleute der Bekennenden Kirche. Darin heißt es am Schluss:

„Lassen Sie sich bitte durch mein Schreiben angesichts der gespannten Lage unseres Volkes nicht verdrießen. Wir müssen und uns wohl nach dem Luther-Wort richten: ‚Und wenn morgen die Welt unterginge, so wollen wir heute unser Apfelbäumchen pflanzen.‘"

Kurz nach Ende des Krieges taucht das angebliche Lutherwort schon auf einer Spruchpostkarte auf. Auch der Dichter Gottfried Benn saß auch diesem Irrtum auf und verewigt ihn in einem 1950 erschienenen Gedicht mit dem Titel „Luther und Der Apfelbaum“:

„Was meinte Luther mit dem Apfelbaum?
Mir ist es gleich - auch Untergang ist Traum –
Ich stehe hier in meinem Apfelgarten
Und kann den Untergang getrost erwarten –
ich bin in Gott, der außerhalb der Welt
Noch manchen Trumpf in seinem Skatblatt hält…“
 
Andere Quellen führen das Zitat auf den pietistischen Theologen Johann Albrecht Bengel zurück. Damals war von einer Sekte für den 18. Juni 1836 ein Weltuntergang angekündigt worden, und der allgemeinen Verzagtheit darüber begegnete der Pastor mit den tröstenden Worten:

 


ditfurth-apfelbaum
Der bekannte Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth schrieb 1985 einen Bestseller, in dem er die zahlreichen Gefahren für die Menschheit schildert und eine Analyse der Überlebenschancen der Menschheit versucht. Er folgert, dass es der Menschheit nicht möglich ist, ihr Verhalten so grundlegend zu ändern, dass ihr Untergang vermieden werden kann.
Konsequent schließt Hoimar von Ditfurth sein Buch ab mit den Worten: So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Es ist soweit.
 
luthers-apfelbaum
„Das vor 50 Jahren aufgetauchte, Luther zugeschriebene Wort vom Apfelbäumchen, gehört zum Bestand deutschen Bewußtseins weit über kirchliche Kreise hinaus. In der letzten Kriegszeit hat es zum Ausharren aufgerufen, in der Nachkriegszeit Trost gespendet, zum Neuanfang ermutigt, strategische Weichenstellungen begleitet, das Wirtschaftswunder gedeutet, Zivilreligion ausgedrückt, die SED-Spitze beunruhigt, Schriftsteller herausgefordert, Ökologen verpflichtet, Kirchentage und Friedensbewegung inspiriert und schließlich auch noch die Wende beschleunigt und interpretiert. In seiner Aufarbeitung eines bunten, umfangreichen Materials voller Erinnerungen und Überraschungen verfolgt der Verfasser die wechselnden Konjunkturen und Funktionen des Diktums. Er klärt die Hypothesen zu seiner Herkunft und stellt sich am Schluß die Frage, ob denn dieses apokryphe Wort Luthers wenigstens gemäß ist.“
(Klappentext zu Martin Schloemanns Buch „Luthers Apfelbäumchen?“ Vandenhoeck & Ruprecht, 1994.  ISBN: 978-3-52501617-6)
 
Ach ja, was machen wir wenn der Weltuntergang vorüber ist? - Einen Christbaum besorgen.
 

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