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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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14. Dezember 2010

Zhelaizhai

者來寨 Zhěláizhài

„Es war einmal eine wissenschaftliche Theorie, der Flügel wuchsen. Sie flog von London nach China, an den Rand der Wüste Gobi. Und mit einem Mal war es, als wären in diesem gottverlassenen Winkel Außerirdische gelandet. Römische Außerirdische in Federhelmen, umstrahlt von der Glorie des Imperiums. Sie schlichen sich in die Lokalregierung, in Tempel und Universitäten. Chinesische Bauern fühlen sich plötzlich ganz als Römer. Und alles nur wegen Homer Hasenpflug Dubs. Im Jahr 1955 hielt der bekannte amerikanische Sinologe Dubs an der China Society in London einen aufsehenerregenden Vortrag. Lange hatten Forscher gerätselt, warum die antiken Großreiche Rom und China erst so spät in Kontakt getreten waren. Chinesischen Chroniken zufolge fand sich erstmals im Jahr 166 nach Christus ein Gesandter beim chinesischen Kaiser ein. Dubs zufolge aber sind die ersten Römer bereits 200 Jahre früher nach China gelangt…

Liqian lag lange ziemlich genau am Ende der Welt. Und so erfuhr auch niemand von den eigentümlichen Kindern, die hier geboren wurden. Die Haut weiß wie Schnee. Augen blau wie der Himmel an einem Sommertag. Blondes, rotes, krauses Haar. Eine ‚Hautkrankheit‘ hieß es, ‚gelbhaarige Fremde‘. Niemand hatte je erklären können, warum die Kinder so aussahen.

Bis zu dem Tag, an dem die Italiener kamen, 1990 war das. Keiner im Dorf konnte sagen, wer sie waren und was genau sie wollten. Tatsache war: Ihre Ankunft war ein Spektakel. Echte Ausländer mit gewaltigen Nasen und Händen groß wie Mistgabeln. Mit riesigen Füßen stapften sie durchs Dorf, jeder Schritt verfolgt aus hundert Bauernaugen. Kurz bevor sie gingen, sagten sie den Satz, der einschlagen sollte wie eine Bombe: ‚Ihr seid die Nachfahren römischer Legionäre.‘ Ganz Liqian versammelte sich in den Gassen, die Bewohner blickten in altbekannte Gesichter, und mit einem Mal war ihnen, als könnten sie Neues darin erkennen. Einen Hauch von Rom. ‚Vielleicht können wir bald ins Ausland reisen‘, flüsterte einer. ‚Womöglich unsere Kinder zum Studium hinschicken‘, ein anderer.“
(Zeit-Online: Chinas Kampf um Rom)

 

Homer Hasenpflug Dubs

In der offiziellen Geschichte der späteren Han-Dynastie (25 - 220) ist Zhěláizhài als Líqián [驪靬] bekannt. Das “lí” [驪] von Líqián [驪靬] bedeutete ‚römische Truppen‘ oder auch ‚Römisches Reich.‘ Manche Historiker nehmen an, dass römische Kriegsgefangene während der früheren Han-Dynastie (206 v. Chr. – 25 n. Chr.) in Líqián festgehalten wurden.

Diese Theorie wurde erstmals 1955 vom Oxforder Sinologieprofessor mit dem schönen Namen Homer Hasenpflug Dubs (chinesischer Name: 德效骞 Dé Xiàoqiān) formuliert. Seine Theorie wurde allerdings nicht viel beachtet, bis vor einigen Jahren bekannt wurde, dass römische Truppen nach der Schlacht von Carrhae (53 v. Chr.) verloren gingen. Diese Soldaten könnten sich den Hunnen angeschlossen haben und mit ihnen nach Osten marschiert sein.

„Zhěláizhài weist viele Bräuche auf, die eine derartige Annahme zu belegen scheinen. Die Dorfbewohner backen Brot, das wie ein Rinderkopf geformt ist. Das Brot wird für Opferzeremonien zum chinesischen Frühlingsfest verwendet. Es gibt Stierkämpfe, d.h. Stiere werden aufeinander gehetzt, wie das auch im Römischen Reich vorkam. Ein weiterer seltsamer Brauch ist die Bestattung der Toten mit dem Kopf nach Westen. …

Professor Liu Guanghua […] nimmt an, dass das Wort Líqián von der zweiten und der dritten Silbe von ‚Alexandria‘ [亚历山大 / 亞歷山大 Yàlìshāndà] stammt [?]. Der Name dieser Stadt wurde im alten China manchmal als Bezeichnung des Römischen Reiches verwendet. Allerdings wurde Alexandria erst im Jahr 30 v. Chr. von römischen Truppen besetzt. Das ‚europäische‘ Aussehen mancher Bewohner könnte nach Prof. Liu darauf zurückzuführen sein, dass die Gegend an der Seidenstraße liegt. Auf solchen alten Handelswegen gab es immer wieder Kontakt zwischen vielen verschiedenen Völkern im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende.‘“
(Zhang Tao: Nachkommen der alten Römer in China?)

(Karte: Wikimedia)

Zhěláizhài ist ein Dorf am Rande der Gobi-Wüste und gehört zur westchinesischen Provinz  Gānsù (甘肅). Von den mehr als 400 Einwohnern haben rund 200 ein europäisches Aussehen.

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