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12. Oktober 2012

Hanfu

汉服 Hànfú (Han-Chinesen + Kleidung)
漢服 Hànfú (Han-Chinesen + Kleidung - traditionelle Langzeichen)

汉服
Hànfú

„Wenn Qín Yàwén [秦亚文] über das Campusgelände der Suzhou University [苏州大学  Sūzhōu Dàxué] geht, zieht sie alle Blicke auf sich. Denn die 22-jährige Kunststudentin scheint in einer anderen Zeit zu leben: Während andere Studentinnen Jeans [牛崽裤 niúzǎikù] und T-Shirts [T恤 T xù] tragen, besteht ihre Alltagskleidung aus Hanfu, der traditionellen Kleidung der Hàn [汉]. Die Han-Ethnie stellt in China die grösste, dominierende Ethnie dar. …

Als kleines Mädchen sah Qín Yàwén am liebsten TV-Serien
[电视影集 diànshì yǐngjí], die in Form von Kostümschinken in einer fernen, manchmal auch fantastischen Vergangenheit Chinas angesiedelt sind. Schon damals faszinierte sie die Kleidung, die in diesen Serien getragen wurde. Gerne hätte sie schon vor dem Abitur solche Hànfú getragen, doch die Kleiderregeln der Schulen waren jeweils zu restriktiv. Erst an der Universität konnte sie ihr Hobby in vollen Zügen ausleben. …

Während viele keinen grossen Wert auf Details legen, ist ihr die Authentizität und Korrektheit der Kleidung wichtig, aber auch das ganze Drumherum. Zither
[古琴 gǔqín] und chinesisches Schach [象棋 xiàngqí] spielen, Kalligraphie [書法 shūfǎ], Gedichte [詩歌 shīgē] und Tee [茶 chá] nennt sie denn auch ihre anderen Hobbies [爱好 àihào].

Ihre Leidenschaft ist zudem ansteckend. War sie zu Beginn ihres Studiums noch die einzige, sind es bereits über 20 Mädchen, die an der Universität ihrem Beispiel folgen. In ihrer Freizeit organisiert Qín zudem zahlreiche Events, die sich um Hanfu drehen, etwa Shows oder Vorträge, in denen sie ihr Wissen weitergibt. Trotzdem ist es ein teures Hobby, wie Qín sagt, und es sei schwierig, an gute Kleidung zu kommen. Ein traditionelles Gewand, das präzis nach historischem Vorbild geschaffen wurde, kostet gut und gerne 600 RMB (73 Euro), aus Seide rasch einmal 1000 RMB (121 Euro). …

Nichtsdestotrotz scheint
Qín Yàwéns Leidenschaft und Stolz auf die Han-Kultur doch Grenzen zu kennen: Ihre Füße, soweit ersichtlich, bindet sie noch nicht.“
(Asienspiegel vom 11. Oktober 2012: Der andere Trend)

Die Han-Chinesische Kleidung wird auch als Hànzhuāng (漢裝) oder Huáfú (華服) und manchmal als Chinesische Seidenrobe bezeichnet. Sie war die traditionelle Kleidung der Han-Chinesen während eines großen Teils ihrer Geschichte, bis sie von den Fremdherrschern der mandschurischen Qing-Dynastie (清朝 Qīngcháo; 1644 - 1911) verboten wurde. Selbstverständlich existierte über den langen Zeitraum kein einheitlicher Kleiderstil.

Bei Qín Yàwéns Ausführungen, die auch als Hanfu-Mädchen (汉服姑娘 Hànfú gūniang) tituliert wird, schwingt eine Mischung aus Traditionsbewusstsein und Nationalismus mit. Ein Bewusstsein, das von der Hanfu-Wiederbelebungsbewegung (漢服復興運動 bzw. 汉服复兴运动 Hànfú fùxīng yùndòng) im Zuge eines verstärkten chinesischen Nationalismus angefacht wird. Diese Bewegung begann 2003 als ein Mann namens Wáng Lè​tiān (王乐天) in der nordchinesischen Provinzhauptstadt Zhèngzhōu (郑州)  anfing, in der Öffentlichkeit einen Hànfú zu tragen:
 
„Als Wáng Lè​tiān, ein Mann aus der Provinz Zhèngzhōu [die Provinz heißt Hénán 河南], im Jahr 2003 seinen Anzug gegen Hanfu-Kleidung tauschte und damit in die Öffentlichkeit spazierte, sorgte er bei seinen Landsleuten für solche Begeisterung, dass sich in kürzester Zeit Fans der alten Bekleidung im Internet zusammenschlossen und eine Hanfu-Bewegung ins Rollen brachten. Immer mehr Chinesen im In- und Ausland interessieren sich nun für die Wiederbelebung des Kulturgutes ‚Hànfú'. Als Hochzeits- und Feiertagskleidung wird die traditionelle Mode wieder populär, einige Hardliner erproben sogar alltagstaugliche T-Shirt-Varianten.“
(Fu Haosi in der Epoch Times vom 2. Februar 2010: Hanfu: Eine Mode voll geistigem Tiefgang)


Wáng Lè​tiān (王乐天) in seinem Hànfú
(Man beachte das Schuhwerk.)

Kleidungsstücke
Cheongsam 長衫 - Deel дээл - Hanfu 漢服 - Hanbok 한복 - Kimono 着物 - Mao-Anzug 中山裝 - Schuluniform 学らん - Tang-Kappe 탕건, 唐冠

 

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