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22. Juli 2015

Als Premierminister während der Fukushima-Krise

Nato Kan

Naoto Kan

Als Premierminister während der Fukushima-Krise

Aus dem Japanischen von Frank Rövekamp

München: Iudicium, 2015

165 Seiten

ISBN: 978-3-86205-426-8

Klappentext

„Nach dem Erdbeben begab ich mich unmittelbar in das Krisenzentrum im Untergeschoss des Premierministeramtes. Inmitten der Mobilisierung aller Kräfte für die Rettungsaktionen erreichte mich die Nachricht: ‚Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist die Kühlung ausgefallen‘. Anschließend gab es nur eine Richtung: Der Unfall weitete sich immer weiter aus. Wenn nichts geschah, würde das zum Zusammenbruch des Landes führen. Würden alle Reaktoren außer Kontrolle geraten, müsste ganz Ost-Japan einschließlich des Hauptstadtgebietes, müssten 50 Millionen Menschen evakuiert werden …

Was hat der Premierminister unter einem Rechtssystem, das auf einen Atomnotstand nicht eingerichtet ist, und in einer Situation, wo gleich mehrere strukturelle Schwächen Japans an die Oberfläche traten, wie entschieden? In diesem historischen Rechenschaftsbericht gibt der höchste Verantwortliche selbst Zeugnis über seine Qualen und Entschlüsse.“

Naoto Kan (菅直人 Kan Naoto)
4. Juni 2010 – 2. September 2011
Premierminister von Japan

Kan Naoto BuchtitelVorwort zur Originalausgabe 2012

『東電福島原発事故 総理大臣として考えたこと』
(Tōden Fukushima·Genpatsu jiko sōri daijin to shite kangae tako to)

„Meine Amtszeit als Premierminister erstreckte sich vom 8. Juni 2010 bis zum 2. September 2011 und dauerte damit 452 Tage. Natürlich waren die größten Ereignisse in dieser Zeit das Tōhoku-Erdbeben und der dadurch verursachte TEPCO-Fukushima Atomunfall. Nach meinem Rücktritt bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich, als der Premierminister, der mit diesem Atomunglück konfrontiert worden war, dazu in irgendeiner Form meine Erinnerungen dokumentieren muss.

Seit meinem Rücktritt als Premierminister ist über ein Jahr vergangen. Inzwischen sind verschiedene Untersuchungsberichte zum Unfall, wie etwa der der Regierungskommission, erschienen. Ich habe daher zur Feder gegriffen, bevor die Erinnerung verblasst.

Es ist meine Absicht, die mir bekannten Fakten so genau wie möglich darzulegen. Aber ich möchte nicht nur einfach die Fakten nachzeichnen; ich möchte auch unter Erinnerung der Geschehnisse darüber berichten, was ich als Premierminister während des Atomunglücks gedacht habe, wie ich zu Entscheidungen gelangt bin und von welchen Gefühlen meine Handlungen begleitet wurden.

Die Aktionen und die Arbeit eines Politikers zu beurteilen, ist nicht die Sache des Politikers selbst. Ich habe unter völliger Aufgabe meiner selbst gehandelt, aber es ist mir nicht gegeben, das selbst zu bewerten. Die Bewertung der Taten eines Politikers muss letztendlich der Geschichte überlassen werden.“

Naoto Kan

Vorwort zur deutschen Ausgabe 2015

„Seit dem Atomunfall von Fukushima sind vier Jahre vergangen. Ich bin seither Einladungen aus aller Welt gefolgt, um über dieses Ereignis zu berichten. Eine davon war im Rahmen einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit des Deutschen Bundestages 2014. Dort hatte ich die Gelegenheit, über den Fukushima Atomunfall und seine Konsequenzen aus der Sicht des an vorderster Front stehenden damaligen Premierministers auszusagen.

Ich freue mich sehr darüber, dass mein Buch zu diesem Thema nun in deutscher Übersetzung vorliegt und die deutschsprachige Leserschaft damit die Möglichkeit erhält, die ganze Wahrheit über den Fukushima Atomunfall zu erfahren, wie ich ihn als Premierminister erlebt habe. ...

Nach dem Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 haben wir von der deutschen Bevölkerung vielfältige Hilfe und Unterstützung erfahren; als damaliger Premierminister Japans möchte ich dafür erneut meinen Dank aussprechen.

Es ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben, dass Deutschland das erste Land gewesen ist, das den gleichzeitig mit der Erdbebenkatastrophe aufgetretenen Fukushima-Atomunfall zum Anlass genommen hat, die Atomkraft erneut auf den Prüfstand zu stellen. Unmittelbar nach dem Unfall wurde auf Initiative von Bundeskanzlerin Merkel eine Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung eingesetzt. Ich war erstaunt darüber, dass die Regierung Merkel dann nach kurzer Zeit entschieden hat, bis zum Jahr 2022 vollständig aus der Kernenergie auszusteigen. Wie war es möglich, eine solche Entscheidung so kurzfristig herbeizuführen? Experten haben mich darüber aufgeklärt, dass dies reflektiert, wie ernst die Tatsache genommen wurde, dass sich ein schwerer Atomunfall in einem technisch fortgeschrittenen Land wie Japan ereignet hatte. Die schnelle Entscheidung war weiter darauf zurückzuführen, dass in Deutschland schon seit dem Unfall von Tschernobyl eine entsprechende Diskussion geführt wurde.

Ich habe mit Bundeskanzlerin Merkel an einigen internationalen Konferenzen teilgenommen und dabei den Eindruck gewonnen, dass sie als Politikerin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund sowohl eine rationale als auch eine ethische Sicht auf die Dinge hat. Wie eingangs gesagt, hatte ich auch Physik studiert, und bis heute ist meine Denkweise von der Tatsache geprägt, dass Wissenschaft und Technik zum Glück der Menschen beitragen können, aber auch das Potential haben, Unglück für diese herbeizuführen. Symbolisch für das Letztere sind die Erfahrungen meines Landes mit den Tragödien von Hiroshima und Nagasaki.“

Prolog

„Auf alles gefasst

Auch wenn seit dem großen Erdbeben und dem Atomunfall bereits eineinhalb Jahre vergangen sind, sind mir die Bilder der ernsten Lage der ersten Woche sehr präsent. Die ganze Woche nach dem Erdbeben am 11. März 2011 habe ich im Premierministeramt übernachtet. Wenn ich allein war, habe ich in voller Notfallkleidung das Sofa meines Empfangszimmers für einen kurzen Schlaf genutzt. „Schlaf“ heißt dabei allerdings, dass ich mich lediglich etwas zum Ausruhen hingelegt habe. Der Kopf war hellwach. Wie bekämpfen wir die Folgen von Erdbeben und Tsunami? Welche Ausmaße wird der Atomunfall annehmen, und wie kann man ihn stoppen? Darüber habe ich mir unablässig das Hirn zermartert. Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur einmal fest geschlafen zu haben.

Vor Schlimmerem bewahrt

„Eigentlich sei Naoto Kan an der Atomkatastrophe von Fukushima schuld, hat der bekannte Japanologe Jeff Kingston einmal die Anschuldigungen der Medien und vieler konservativer Politiker gegen den ehemaligen Premier zusammengefasst. Doch Kingston, Direktor des Asien-Instituts an der Temple Universität, der selbst eine Studie über Fukushima verfasst hat, ist überzeugt: Kan habe Japan vor einer viel größeren Katastrophe bewahrt. Wie er das tat, lässt sich jetzt in Kans Buch ‚Als Premierminister während der Fukushima-Krise‘ nachlesen, das nun auf Deutsch erschienen ist. Am Mittwoch stellte der 69-Jährige es vor der Ostasiengesellschaft in Tokio vor. …

Kan sagt von sich, bis Fukushima habe er nicht an der Sicherheit der japanischen Kernkraftwerke gezweifelt. Er kannte die Untersuchungsberichte von Tschernobyl und war überzeugt, dergleichen sei in Japan nicht möglich. Heute hält er Fukushima für die größere Katastrophe als Tschernobyl. Die Tage unmittelbar nach dem Unglück, in denen fast alles falsch lief, was falsch laufen konnte, haben ihn, wie er in seinem Buch beschreibt, zum Kernkraft-Gegner werden lassen. … Sein tagebuchartiger Rückblick liest sich als Beinahe-Untergang Japans. TEPCO hatte sich nie auf eine Atomkatastrophe vorbereitet, man hatte sie ja schließlich für unmöglich erklärt.“
(Christoph Neidhart in der Süddeutschen Zeitung vom 16. September 2015: Vor Schlimmerem bewahrt)

Rezension

„Durch die Ausmaße der geballten Katastrophe von Erdbeben und Tsunami, vor allem aber auch dadurch, dass ein Atomunfall für absolut unmöglich gehalten wird, wird Kan vollkommen überrumpelt. Experten, die ihm beratend zur Hilfe stehen. fehlen, denn beispielsweise der Leiter der Atomaufsichtsbehörde ist überhaupt kein Atomexperte, sondern hat den Posten aus anderen Gründen bekommen. …
Durch seinen kurzzeitigen Aufenthalt im Zentrum der Macht hat Kan einen Einblick darin erhalten, wie die japanische Atomlobby, das ‚Atomdorf‘, tatsächlich arbeitet und ist damit zum entschiedenen Atomkraftgegner geworden.“ (Amazon-Rezension)

Siehe auch

Frank Rövekamp: Der Premierminister und der Atomunfall

StEAM: Ein Beben - Elf Perspektiven

Wieland Wagner im Spiegel-Online: Ex-Premier Kan über Fukushima-Katastrophe: "Die Frage war, ob Japan untergeht"

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