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02. Mai 2013

Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“

Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“


Schon längere Zeit ist der Wechselkurs des Landes offiziell festgeschrieben: Demnach kann ein US-Dollar in 300 Yen umgetauscht werden, wenn denn tatsächlich jemand das wollte. Der Preis der Währung wurde jedoch administrativ festgelegt, genauso wie die Preise vieler anderer Güter auch. Bereits seit einigen Monaten sind umfangreiche Kapitalverkehrskontrollen in Kraft gesetzt. Die Menschen dürfen nur noch bestimmte Höchstbeträge von ihren Konten abheben. Sparkonten und Depots sind eingefroren. Der Überweisungsverkehr mit dem Ausland ist für Privatpersonen völlig ausgesetzt. Für eine Reihe von Gütern des täglichen Bedarfs und für Mieten gelten gesetzliche Preisobergrenzen. Einige Produkte sind knapp in den Läden und werden für ein Vielfaches des offiziellen Preises auf Schwarzmärkten gehandelt. Die Verkündung einer Sonderabgabe in Höhe von mindestens 50% auf alle Vermögen in der letzten Woche hat hier und da zu Unruhen geführt, die aber dank der Leidensfähigkeit und Disziplin der japanischen Bevölkerung bisher nicht ausufern.

Dabei hatte alles hatte so gut angefangen. 

Im April 2013 verkündete die Bank of Japan eine drastische Lockerung der Geldpolitik. Durch eine massive Ausweitung der Geldbasis mittels Ankauf von Staatsanleihen sollten die deflatorischen Tendenzen ein für alle Mal überwunden werden. Durch die Durchbrechung der Deflationspsychologie sollte das Fundament für einen neuen Wachstumsschub gelegt werden. In Antizipation dieses Schrittes hatte sich die Währung bereits seit Beginn 2013 abgeschwächt und erreichte bald das Niveau von 100 Yen für den US-Dollar. Die Unternehmen der exportorientierten Branchen wie Auto, Elektronik und Maschinenbau konnten dadurch kurzfristig ihre Gewinne steigern. Der Aktienindex Nikkei erreichte die Marke von 14.000.

Abwartend blieben jedoch die inländischen Konsumenten. Umfragen ergaben, dass die meisten Menschen das Ziel der Zentralbank, 2% Inflation zu erreichen, unterstützten. Sie wollten jedoch zunächst eine Erhöhung ihrer Einkommen verspüren, bevor sie ihren Konsum verstärkten. Die Unternehmen auf der anderen Seite sahen sich nicht veranlasst, in großem Stile zu investieren und Lohn- und Gehaltssteigerungen zu akzeptieren, bevor nicht auch der inländische Konsum anzog.

Einen entscheidenden Einschnitt markierte die Wahl zum Oberhaus im Juli 2013, mit der die LDP unter der Führung von Premierminister Abe, auf einer Welle der Popularität durch die frühen Erfolge der expansiven Geldpolitik schwimmend, die Mehrheit im Oberhaus zurückeroberte. Nun verfügte sie über komfortable Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments. Die LDP hätte diese Position für ein ehrgeiziges wirtschaftspolitisches Reformprogramm nutzen können. Das System der staatlichen Renten- und Krankenversicherung hätte den demographischen Gegebenheiten angepasst werden können, um Kostensteigerungen in engen und gut kalkulierbaren Grenzen halten zu können. Gleichzeitig bot sich eine Reform des Steuersystems an, um strukturell höhere Einnahmen zu generieren. PM Abe hatte jedoch andere Prioritäten. Er wollte die Verfassung des Landes reformieren, die nach dem 2. Weltkrieg von den amerikanischen Besatzern durchgesetzt worden war. PM Abe unterschätzte allerdings den Widerstand, den insbesondere sein Plan, dem Kaiser wieder politische Funktionen zuzuweisen, hervorrief. Für eine Änderung der Verfassung wären zunächst Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern des Parlaments erforderlich gewesen. Es erschien nicht unmöglich, aber das politische Geschachere, das im Rahmen dieses Projektes einsetzte, zog sich über viele Monate hin und ließ keinen Raum für wirtschaftspolitische Vorhaben. Am Ende waren die Parteien untereinander und intern wieder so zerstritten, dass an schmerzhafte gesetzliche Regelungen zur Haushaltssanierung nicht mehr zu denken war.

Keine nachhaltig positive Entwicklung zeichnete sich längerfristig trotz der Yen-Schwäche im Export ab. Einbrüche gab es im chinesischen Markt, da die geplanten Verfassungsänderungen in Japan zu Protestwellen in China und einem Boykott vieler japanischer Waren führte. In Europa brach die Eurokrise wieder auf, die diesmal auch die Konjunktur und damit Importe aus Japan nachhaltig mit in Mitleidenschaft zog. In Anbetracht dieser Situation blieb auch der inländische Konsum in Japan verhalten.

All das brachte die Bank of Japan in eine unangenehme Lage. Plangemäß wurde die Geldbasis durch den Kauf der Staatsanleihen immer weiter ausgedehnt. 2015 zeichnete sich aber noch immer kein Anstieg der Inflationsrate auf 2% ab. Noch stärker wurde die Glaubwürdigkeit der Notenbank von anderer Seite untergaben. Stets hatte die BoJ betont, dass Staatsanleihen nur zu geldpolitischen Zwecken, d.h. zur Ausweitung der Geldbasis, aufgekauft würden. Keinesfalls diene dies der Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Nachdem jedoch wirtschaftspolitische Reformen ausblieben, das Haushaltsdefizit damit nur weiter wachsen konnte, machte sich zunehmende Skepsis breit. Würde die BoJ je aus dem Programm aussteigen können, egal wie sich der Geldwert entwickelte?

Das Jahr 2016 war durch weitere negative Entwicklungen gekennzeichnet. BoJ-Gouverneur Kuroda hatte stets die Rolle der Erwartungen betont. Nur wenn die Menschen erwarten würden, dass das einst ausgegebene Inflationsziel auch erreicht würde, könnte es geschehen. Inzwischen erwartete aber niemand mehr eine ruhige und positive Entwicklung. Regelmäßig erschienen nun Bücher, die vor den Gefahren einer Hyperinflation warnten. Ein Buch mit dem Titel „Deutschland 1923 – Das Ende des Geldes“ eroberte die Bestsellerlisten. Mehr und mehr erwarteten die Menschen, dass bald entweder eine drastische Kehrtwende in der Geldpolitik mit verheerenden Konsequenzen für die Realwirtschaft erfolgen werde, oder dass eine massive Geldentwertung unvermeidlich ist.

2017 schließlich sah eine verstärkte Flucht in die Sachwerte. Insbesondere die Immobilienpreise stiegen stetig weiter an. Die lang ersehnte Inflation hatte eingesetzt, blieb aber nicht auf dem Niveau von 2% stehen, sondern überschritt in schnellem Tempo die Marke von 10%. Die Preise in Geschäftsverträgen wurden indexiert, sobald der Erfüllungshorizont einen Monat überschritt. Der – bis dahin noch freie – Wechselkurs erreichte 300 Yen für den US-Dollar, aber da die meisten Länder Einfuhrkontingente für japanische Waren eingeführt hatten, ergab das keine positiven Impulse mehr für den Export.

In einer dramatischen Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der BoJ wurde noch einmal jede Option unter die Lupe genommen. Eine Hyperinflation wollte man nicht zulassen. Unabhängig von den Auswirkungen auf die Realwirtschaft zeigte sich jedoch, dass eine Reduktion der Geldbasis schon aus bilanztechnischen Gründen nicht zu bewerkstelligen wäre. Inzwischen lagen die Renditen für Staatsanleihen bei weit über 10%; die Anleihen in der Bilanz der Zentralbank hätten daher nur unter großen Verlusten im Markt verkauft werden können. Das Eigenkapital der BoJ wäre dadurch aufgezehrt worden, und niemand hatte ein Konzept, um mit diesem Problem umzugehen. Also blieb alles beim Alten.

Am Ende gab es keinen Ausweg mehr. Ohne besondere Maßnahmen würde es einen Staatsbankrott geben, oder die galoppierende Inflation würde sich zur Hyperinflation entwickeln. In dieser Situation entschloss sich die neue Regierung – die LDP war seit 2016 wieder in der Opposition - für die Einführung umfangreicher Kapitalverkehrskontrollen.

2. Mai 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

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