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29. April 2013

Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“

Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“


Vor 5 Jahren leitete die Bank of Japan einen radikalen Kurswechsel ein. Durch eine drastische Erhöhung der Geldbasis mittels Ankauf von Staatsanleihen sollten die deflatorischen Tendenzen ein für alle Mal überwunden werden, um das Fundament für einen neuen Wachstumsschub zu legen. Der riskante Schritt hat sich gelohnt: Der Aktienindex Nikkei hat gerade die Marke von 25.000 übersprungen. Der Unternehmenswert von Sony nähert sich wieder dem von Apple und Samsung an. Exportorientierte Unternehmen verdienen prächtig bei einem Wechselkurs von 120 Yen für den US-Dollar. Auch die inländische Konjunktur ist gut in Fahrt, denn ein reales Wachstum von knapp 3%, ein gutes Klima auf dem Arbeitsmarkt und Lohnsteigerungen, die leicht über der Inflationsrate von 2,3% liegen, sorgen für stete Kauflaune bei den Konsumenten. Die Staatsverschuldung liegt mit einer Quote (dem Verhältnis von absoluter Verschuldung zum Bruttoinlandsprodukt) von 190% noch immer sehr hoch, aber die Trendwende ist eingeleitet. Hohe Steuereinnahmen machen einen Primärüberschuss im Staatshaushalt möglich, d.h. Zins und Tilgung von Staatsschulden werden heute wieder wesentlich aus Überschüssen finanziert. Die BoJ hat inzwischen den Ankauf neuer Staatsanleihen und den Handel mit diesen eingestellt. Die noch hohen Bestände in der Zentralbankbilanz werden nach und nach dadurch abgebaut, dass der Staat die Anleihen bei Fälligkeit zurückzahlt. So konzentriert sich die BoJ heute wieder auf die Kontrolle der Inflation mit traditionellen geldpolitischen Instrumenten.

Der Einstieg in diese günstige Entwicklung gelang mit der geldpolitischen Wende im April 2013. Die Ankündigung einer drastischen Erhöhung der Geldbasis sollte die Menschen davon überzeugen, dass die BoJ die deflatorischen Tendenzen um jeden Preis brechen wollte. Natürlich war der massive Eingriff in den Markt für Staatsanleihen sehr riskant. Japan war mit dem über Zweifachen seines BIP verschuldet, Anleihen im Wert von 950 Bio. Yen, die weitgehend von Finanzinstitutionen wie Banken und Versicherungen gehalten wurden, standen also vor einer potentiellen Umverteilung.  Erhöhten sich die Kurse der Anleihen aufgrund der BoJ-Käufe, würden gleichzeitig die Renditen fallen. Lebensversicherer und Banken könnten dann schnell vor der Situation stehen, ihren Kunden höhere Zinsen bieten zu müssen, als sie selbst erwirtschaften. Bei den Summen im Spiel könnte dies im ungünstigen Fall gar die Stabilität des Finanzsystems belasten. Würden die Finanzinstitutionen, diese Gefahr vor Augen, Anleihen im großen Stil für alternative Anlagen verkaufen, könnte das umkehrt deren Kurse nachhaltig drücken; die Renditen würden steigen und der Staat würde künftig höhere Zinsen zahlen müssen. Ein Staatsbankrott könnte damit in den Bereich des Möglichen rücken. Tatsächlich schwankten die Kurse der Staatsanleihen im Verlauf der kommenden Jahre nicht unbeträchtlich. Die japanischen Wirtschaftspolitiker hatten jedoch noch eine Trumpfkarte in der Hand: Die Post. Postbank und Postversicherung zusammen sind die größte Kapitalsammelstelle im Lande und hielten 2013 etwa 25% aller Staatsanleihen. Als öffentliche Institution konnte die Post veranlasst werden, ihren Handel mit Staatsanleihen so zu steuern, dass dieser größeren Kursschwankungen entgegenwirkte. Dass die Kunden der Post, insbesondere die Millionen Sparer, trotz der Manipulationen bei diesem Institut stillhielten und keine Einlagen im großen Stil abzogen, erwies sich dabei als kritisch.

Den entscheidenden Beitrag zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung und dafür, dass die neue Geldpolitik Früchte trug, leistete die Wirtschaftspolitik ab August 2013. Im Monat zuvor hatte die LDP unter der Führung von Premierminister Abe, auf einer Welle der Popularität durch die frühen Erfolge der expansiven Geldpolitik schwimmend, die Mehrheit im Oberhaus zurückerobert. Nun verfügte sie über komfortable Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments. Die LDP nutzte diese Position für ein ehrgeiziges Reformprogramm. Das System der staatlichen Renten- und Krankenversicherung wurde den demographischen Gegebenheiten angepasst; Kostensteigerungen konnten damit in engen und gut kalkulierbaren Grenzen gehalten werden. Gleichzeitig wurde das Steuersystem reformiert. Zahlreiche Schlupflöcher bei der Einkommenssteuer wurden geschlossen und die Mehrwertsteuer wurde bis 2017 in mehreren Schritten von 5% bis auf 15% erhöht. All das führte zu erheblichen politischen Auseinandersetzungen. PM Abe hielt jedoch Kurs, und da der positive wirtschaftliche Trend immer offenbarer wurde, konnte er die Widerstände erfolgreich überwinden. Die Grundlagen für die langsame aber stete Sanierung des Staatshaushaltes waren damit geschaffen.

Die außenwirtschaftliche Front entwickelte sich ebenfalls zu Japans Gunsten. Seit Anfang 2013 verlor der Yen zur Freude der exportorientierten Industrie schnell an Wert. Zunächst pendelte er sich auf den Kurs von 100 Yen später von 120 Yen für den US-Dollar ein. Die ausländischen Handelspartner, die selbst einen moderaten Wirtschaftsaufschwung erlebten, ließen es gewähren. Überdies wurde Japan 2016 Mitglied der Trans-Pacific Partnership (TPP), einem multilateralen Freihandelsabkommen pazifischer Anrainerstaaten unter Führung der USA. Dies senkte weiter das Risiko von Handelskonflikten.

Selbsttragend wurde der Aufschwung ab 2016. Binnen- und Exportnachfrage veranlasste die Unternehmen zu mehr Investitionen. Kredite dafür standen ausreichend zur Verfügung, da diese den Banken höhere Zinsen boten, als schwach rentierliche Staatsanleihen, die man lieber an die BoJ weitergab. Qualifizierte Arbeitskräfte wurden knapper. In Antizipation dessen stiegen Löhne und Gehälter bereits 2014 wieder an; 2016 erreichten die Steigerungen im Durchschnitt 2,5% mit entsprechenden Rückimpulsen auf den Konsum.

Ebenfalls 2016 begann die Bank of Japan, ihre expansive Geldpolitik wieder vorsichtig zurückzufahren. Die Inflationsrate lag offenbar nachhaltig bei leicht über 2%. Bei der Neuausgabe von Staatsanleihen musste daher auch der Staat inzwischen Renditen von über 2% hinnehmen, aber die guten Steuereinnahmen erlaubten dies auch. Die BoJ kündigte zunächst an, sich wieder an der „Banknotenregel“ orientieren zu wollen, gemäß der der Wert von ihr gehaltener Staatsanleihen nicht höher sein soll, als der Wert des umlaufenden Bargelds. Einige Staatsanleihen wurden von der BoJ wieder verkauft, wenn auch unter Verlusten. Der Ausstieg aus der hyperexpansiven Geldpolitik wurde jedoch einfach dadurch eingeleitet, dass der An- und Verkauf von Staatsanleihen drastisch eingeschränkt wurde mit der Absicht, die Papiere bis zur Fälligkeit in der Bilanz zu halten.

29. April 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

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