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22. April 2013

Die neue Geldpolitik der Bank of Japan

Die neue Geldpolitik der Bank of Japan

Am 4. April hat die Bank of Japan (BoJ) eine – wie sie es selbst bezeichnet – drastische neue Geldpolitik verkündet, die seitdem auch international hohe Wellen schlägt. In der Wirtschaftspresse wird allerdings oft ungenau und unvollständig davon berichtet. Was genau wurde also beschlossen, wie soll es wirken, und welche Risiken sind damit verbunden?

Die BoJ spricht von einer neuen Phase der quantitativen und qualitativen geldpolitischen Lockerung mit dem Ziel, die seit 15 Jahren vorherrschenden deflatorischen Tendenzen zu überwinden, und innerhalb von zwei Jahren eine nachhaltige jährliche Inflationsrate von 2% zu erreichen. 
Quantitative Lockerung bedeutet eine massive jährliche Ausweitung der Geldbasis von 60-70 Bio. Yen. Ende 2014 soll diese 270 Bio. Yen (über 2 Bio. €) und damit etwa 60% des BIP erreichen, so hoch wie in keinem anderen Industrieland. Dies soll insbesondere durch den Ankauf von Staatsanleihen erreicht werden. Dafür wird die seit 2001 geltende Beschränkung aufgehoben, dass der Wert der von der BoJ aufgekauften Staatsanleihen nicht höher sein darf als der des umlaufenden Bargeldes im Lande.

Die Geldbasis (B) ist nicht zu verwechseln mit der Geldmenge (M). Die Geldbasis umfasst das umlaufende Bargeld und die Einlagen auf den Konten, die Geschäftsbanken bei der Bank of Japan unterhalten. Die Geldmenge umfasst das umlaufende Bargeld und die Einlagen die Nicht-Finanzinstitutionen (insbesondere Unternehmen) und Individuen bei Geschäftsbanken unterhalten. Es ist die Geldmenge, die nachfragewirksam ist und sich damit auf das reale Wirtschaftsgeschehen und die Preise auswirkt. Es bestehen Zusammenhänge zwischen der Geldbasis und der um ein Vielfaches höheren Geldmenge, die jedoch vom Verhalten der Wirtschaftssubjekte abhängen und nur sehr eingeschränkt von der Zentralbank beeinflusst werden können. Noch weniger direkt ist daher der Einfluss der Zentralbank auf die Inflationsrate.

BoJ-Gouverneur Kuroda betonte, dass mindestens so wichtig wie die quantitative die qualitative Lockerung der Geldpolitik sei. Die Zentralbank reguliert die Geldbasis durch Wertpapiergeschäfte. So erhöht sie die Geldbasis, indem sie Geschäftsbanken Wertpapiere abkauft und ihnen den Gegenwert auf dem Zentralbankkonto gutschreibt. Traditionell beschränkt sie sich dabei auf erstklassige Wertpapiere mit geringem Ausfallrisiko, die geringen Wertschwankungen unterliegen und nur kurz – bis zu drei Monate - im Portfolio der Bank verbleiben. Dieses Prinzip wurde schon vor Jahren durchbrochen, seit damit begonnen wurde, Staatsanleihen mit verbleibenden Laufzeiten von bis zu drei Jahren aufzukaufen. Qualitative Lockerung heißt also, dass die BoJ nicht nur die Geldbasis erhöht, sondern dies auch durch den Ankauf von Wertpapieren tut, die im Wert stark schwanken und ein höheres Ausfallrisiko haben können. Die neue Geldpolitik geht noch massiv darüber hinaus. Künftig werden auch Staatsanleihen mit bis zu 40 Jahren Laufzeit akzeptiert. Im Durchschnitt soll die Fälligkeit der sich im BoJ-Portfolio befindlichen Anleihen von drei auf sieben Jahre erhöht werden. Die BoJ erhofft damit, nicht nur kurzfristige sondern auch langfristige Zinsen niedrig halten zu können.  
Schließlich kauft die Zentralbank nicht nur Staatsanleihen sondern auch Wertpapiere an, deren Wert mit der Änderung der Aktienpreise (sog. Exchange Traded Funds) und der Immobilienpreise (sog. J-REITs) schwanken. Aktien- und Grundstückpreise sollen damit höher tendieren und entsprechende Finanzprodukte für mehr Investoren attraktiv werden.

So klar wie das Ziel der neuen Geldpolitik – 2% Inflation in zwei Jahren – formuliert ist, und so drastisch und transparent die dafür eingeleiteten Maßnahmen zur Ausweitung der Geldbasis auch sind, so dünn und abstrakt bleiben die Erläuterungen der Bank of Japan jedoch zur Begründung des Ziels, zur Wirkweise der Maßnahmen und zu möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Gar nicht erläutert wird, warum gerade genau 2% Inflation erreicht werden sollen.

Die beabsichtigten Wirkungen der Geldbasisausweitung werden nur sehr abstrakt formuliert: Bisherige Halter von Staatsanleihen sollen ihr Portfolio umschichten und dadurch niedrigere Zinsen herbeiführen. Die sollen Unternehmen zu mehr Investitionen anreizen. Gouverneur Kuroda betont weiterhin die Rolle der Erwartungen: Durch die drastischen Maßnahmen sollen die Menschen nachhaltig davon überzeugt werden, dass die BoJ es diesmal ernst meint mit dem Inflationsziel. Dies fördert die Ausweitung des Konsums.

Auf mögliche Risiken hingewiesen hat die Zentralbank durch eine Rede am 18. April 2013 von Ryuzo Miyao, der Mitglied des geldpolitischen Ausschusses ist. Miyao spricht von instabilen Finanzmärkten aufgrund vielleicht überschießender Risikoneigung, von „Bilanzrisiken“ bei der BoJ selbst und davon, dass es keinen einfachen Weg geben wird, die quantitative und qualitative Lockerung wieder einzuschränken oder den Kurs ganz zu wechseln.

Die diffuse Ausdrucksweise der BoJ hat sicherlich Methode. Die Komplexität der Zusammenhänge und damit auch das Risikopotential sind so hoch, dass deren genauere Diskussion die Stimmung verderben könnte. Diese scheint zwei Wochen nach den Beschlüssen zunächst euphorisch. Der Aktienindex Nikkei ist weiter angestiegen und liegt jetzt deutlich über der Marke von 13.000. Der Yen hat den Abwertungstrend fortgesetzt, was die Erwartung für eine boomende Exportwirtschaft nährt, zumal die G-20 Staaten am letzten Wochenende den Vorwurf des „Währungskrieges“ nicht in den Vordergrund gespielt haben.

22. April 2013, Frank Rövekamp

 

Wirtschaftspolitik in Asien

 2. 5. Japan im April 2018, Szenario „Pechmarie“
29. 4. Japan im April 2018, Szenario „Goldmarie“
22. 4. Die neue Geldpolitik der Bank of Japan
16. 4. Wie unabhängig ist die Bank of Japan?
16. 4. Japan im Währungskrieg?

 

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