Besuch des Bundespräsidenten Johannes Rau


28. März 2000: Bundespräsident Rau besucht das Ostasieninstitut

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Professor Englert empfängt Johannes Rau Johannes Rau (und Kurt Beck) zusammen mit Studierenden des Instituts

"Es ist schon sehr bemerkenswert, daß innerhalb von nur gut zwei Jahren das Ostasieninstitut zweimal den Besuch von Bundespräsidenten erhält".

So hieß es in einem Zeitungskommentar am Tage nach dem denkwürdigen Ereignis. Ohne unbescheiden sein zu wollen, möchten wir uns dieser Einschätzung anschließen. Es war ein Grund zur Freude, daß wir erneut den höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik bei uns willkommen heißen konnten und daß Studierende unseres Instituts wiederum Gelegenheit hatten, sich selbst und ihren Studiengang vorzustellen. Der vorige Bundespräsident, Professor Roman Herzog, war der Einladung des Institutsleiters, Professor Siegfried Englert, im November 1997 gefolgt, wenige Monate nach dem Einzug in das neue Institutsgebäude am Ludwigshafener Rheinufer.

Bundespräsident Johannes Rau besuchte das Ostasieninstitut am 28. März 2000 im Rahmen seiner Antrittsvisite in Rheinland-Pfalz, die ihn von der Landeshauptstadt Mainz auch nach Koblenz und nach Ludwigshafen führte, in die zweitgrößte und wirtschaftlich so bedeutende Kommune des Landes.

Der Bundespräsident, der vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, von dessen Stellvertreter, Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage, und von Wissenschaftsminister Professor Jürgen Zöllner begleitet wurde, fand sehr lobende Worte über das Ostasieninstitut. Er sprach von einer hervorragenden Einrichtung. Hier sei eine Idee mit großer Zukunft verwirklicht worden, die weit über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hin ausstrahle.

Den Auftakt hatten die Präsentationen von sechs Studentinnen und Studenten gemacht, die sich für diesen nicht alltäglichen Auftritt freiwillig gemeldet hatten.

Der Institutsleiter, Professor Dr. Siegfried Englert, hatte die Gäste bei der Ankunft begrüßt , so daß, als der Bundespräsident und seine Begleitung unter sehr freundlichem Applaus den Saal betreten hatten, als erste Redner Jan Kritzer, Student im 4. Semester des Schwerpunkts China, und Felicitas Metschl, Studentin im 4. Semester des Schwerpunkts Japan, das Wort ergreifen konnten.

"Kurz, aber lebendig", wie es lobend in der Presse hieß, wurden dem Auditorium - darunter neben den Mitarbeitern des Instituts und Studierenden aller Semester zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Kultur und Medien - der Studiengang und seine Besonderheiten aus der Perspektive der Studierenden vorgestellt - darunter die hohe Arbeitslast, die guten Berufsaussichten und der unerläßliche Auslandsaufenthalt, der je nach dem gewählten Studienschwerpunkt in der Volksrepublik China oder in Japan verbracht und von den Studierenden aus eigener Initiative nicht selten beträchtlich ausgedehnt wird.

Während die beiden Studierenden des gerade begonnenen 4. Semesters das Auslandssemester noch vor sich haben, sprachen die folgenden Redner aus frischer Erfahrung. Susan Simons, 6. Semester China, berichtete von unvergeßlichen Eindrücken, die durch keinen Unterricht dieser Welt zu ersetzen seien, und fügte unter dem beifälligen Schmunzeln der Zuhörer hinzu: "Wir lernen, uns in fremden Kulturen zu bewegen wie bei unseren zukünftigen Schwiegereltern." Ihr Kommilitone Felix Kempf resümierte seine Eindrücke mit den Worten: "Die Sprache öffnet die Herzen der Chinesen". Er zeigte sich von der Freundlichkeit und der Geduld der Chinesen sehr beeindruckt: "Es kam uns vor, als wäre jeder auf der Straße unser persönlicher Chinesischlehrer".

Der Studienschwerpunkt Japan war gleichfalls durch zwei Heimkehrerinnen vertreten, die Studentinnen Nicole Bösing und Valeska Gerhardt, 6. Semester.

Ohne die Schwierigkeiten des Lebens in einer fremden Kultur zu beschönigen, hoben sie die ermutigenden kleinen Erfolgserlebnisse hervor, die der Eingewöhnungs- und Lernprozeß beinahe täglich bescherte, und betonten, daß sie durch ihre Ludwigshafener Dozenten, die entweder selber aus Japan stammen oder über langjährige Japan-Erfahrung verfügen, gut vorbereitet worden waren.

Der Kulturschock habe sich nicht im Fernen Osten eingestellt, sondern erst bei der Heimkehr - was in der Tat ein Indiz für einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt ist.

Nach den Studierenden, die mit ihren Vorträgen als alleinige Repräsentanten des Ostasieninstituts auftraten und für ihre "gekonnte Selbstdarstellung" (so ein Pressebericht) kräftigen Beifall ernteten, ergriff der Oberbürgermeister der Stadt Ludwigshafen, Dr. Wolfgang Schulte, das Wort. An historischer Stelle stehend - das Ostasieninstut befindet sich unweit des Brückenkopfs "Rheinschanze", der Keimzelle des 1859 zur Stadt erhobenen Ludwigshafen -, konnte er den Gästen nicht nur einen instruktiven Überblick über die Geschichte der Stadt geben, sondern auch die Konversionsvorhaben erläutern, die auf einer ca. 20 Hektar großen Industriebrache am "Rheinufer Süd", in unmittelbarer Nähe des Instituts, realisiert werden sollen.

Trotz aller mit dem Strukturwandel verbundenen Probleme, so lautete sein Fazit, sei Ludwigshafen eine Stadt, die ihre Zukunft noch vor sich hat.

Der Bundespräsident bedankte sich mit einer kurzen Ansprache, in der er die Arbeit des Ostasieninstituts würdigte und sodann mit Reminiszenzen an frühere Aufenthalte in China und in Japan zum Ausdruck brachte, wie gern er seine für den Herbst geplante offizielle Asien-Reise unternehmen wird. Die Fachhochschulen insgesamt nannte er ein Juwel in der deutschen Bildungslandschaft, da sie es vermocht hätten, den alten, oft so künstlichen und schädlichen Gegensatz zwischen Theorie und Praxis zu überwinden. Ihre Gründung sei "einer der entscheidendsten Schritte in der Bildungspolitik der Nachkriegszeit" gewesen. Als junger Bildungspolitiker habe er zusammen mit dem damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn an diesem Prozeß Anteil gehabt.

Der Stadt Ludwigshafen wünschte er Erfolg bei ihren Bemühungen, sich auch eine starke mittelständische Basis zu geben. Zu dem früheren Oberbürgermeister, Dr. Werner Ludwig, gewandt, bemerkte er zum Schluß scherzhaft: "Werner, ich habe immer geglaubt, daß Ludwigshafen nach Dir benannt ist."

Nach der Entgegennahme des Gastgeschenks und der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt sowie in die Gästebücher der Fachhochschule und des Ostasieninstituts wechselte der Bundespräsident noch einige Worte mit den anwesenden Gästen und Studenten, bevor er sich mit dem Sonderbus der Ludwigshafener Verkehrsbetriebe wieder zum Landeplatz des Bundesgrenzschutz-Hubschraubers begab.

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Ministerpräsident Beck, Bundespräsident Rau und Oberbürgermeister Schulte