Presseberichte

Fachhochschule. Marketing Ostasien

 
(Siegfried Englert im IHK-Magazin, August 1989)
 
„Bislang einzigartig in der Bundesrepublik ist der Studiengang Marketing Ostasien, der jetzt an der Fachhochschule Ludwigshafen anläuft. Die politischen Ereignisse in der Volksrepublik China sind zugleich aktueller wie erschreckender Hintergrund, um die Ziele und Inhalte dieses Studienschwerpunktes mit Modellcharakter vorzustellen. ...

Verunsicherung nach politischen Unruhen
„Die schrecklichen Ereignisse der letzten Wochen in der VR China haben in der deutschen Öffentlichkeit eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit ausgelöst. Bei allem gebotenen Respekt vor dem Entsetzen muß jedoch in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, daß dieselbe Öffentlichkeit in den letzten zehn Jahren ein romantisches China-Bild aufgebaut hat, das nur wenig Ähnlichkeit mit der Realität besaß. Erschießungen, Massenhinrichtungen gab es immer wieder während der letzten zehn Jahre, sie wurden allerdings nur von der Fachwelt registriert. …
In einem Jahr werden unsere ersten Studenten nach ihrem Vordiplom ihr Praktikum in China antreten, mit guten sprachlichen und landeskundlichen Kenntnissen, ohne die Euphorie der letzten Jahre, aber auch ohne den Groll, der derzeit die Medien beherrscht. Wenn die alte Garde das wichtigste Gebot der konfuzianischen Handlungsethik verletzt, nämlich Maß und Mitte walten zu lassen, sollten die Studenten es ihr nicht gleichtun.

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Modellstudiengang Ostasien eingeweiht

 
(Mannheimer Morgen, 25, Mai 1990)
 
„Im Beisein zweier Mainzer Ministerialräte, einiger Firmenvertreter und des Beigeordneten Wilhelm Zeiser wurde der Modellstudiengang Marketing Ostasien an der Fachhochschule des Landes eingeweiht. Wegen der druckenden Raumnot an der Ernst-Boehe-Straße wurden Räume in der Albert-Schweitzer-Schule bezogen. Abteilungsdekan Prof. K. D. Kern lobte, die achtsemestrige anwendungsorientierte Vermittlung von Betriebswirtschaft und Chinesisch. Denn Ostasien sei die aussichtsreichste Wachstumszone der Welt. Deshalb steigere das Unterrichtsangebot auch die Attraktivität der Fachhochschule. Die Kosten für den Studiengang, an dem derzeit 70 Fachhochschüler teilnehmen, teilen sich je zur Hälfte Land und Bund. Prof. Werner Bienert, Dekan des Fachbereichs, äußerte die Hoffnung auf ein anregendes Umfeld. Er wies auch auf die sehr hohe Zahl von 36 Semesterwochen hin. Dafür, so stimmten sie Experten überein, brauchten sich die Absolventen aber keine Sorge um einen späteren Arbeitsplatz zu machen.“


Acht Monate langes Praktikum in China inbegriffen

 
(Die Rheinpfalz - Frankenthaler Ausgabe - vom 27. Juni 1990)
 
Bundesweite Premiere an der Ludwigshafener Fachhochschul-Abteilung: Modellstudiengang "Marketing Ostasien“

„In dem auf vier Jahre angelegten Modellstudiengang wird erstmalig in der Bundesrepublik zweierlei miteinander kombiniert: nämlich ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) mit dem ‚Büffeln' der chinesischen Sprache. mit Politik, Landeskunde und Geschichte Chinas. …
Den Studenten, sie kommen aus allen Teilen Deutschland, zumeist aber aus der Pfalz, macht es bisher viel Spaß. Sie haben Marketing Ostasien noch als Studienschwerpunkt gewählt, nicht als eigenem Studiengang. ‚Wir wollen uns von den anderen BWL-Studenten differenzieren, sehen nach dem Studium größere Chancen‘. sagte Roger Schwaninger aus Ludwigshafen, auf die Gründe für seine Studienwahl angesprochen. ‚Natürlich ist das Studium arbeitsintensiver, aber das wußten wir ja vorher‘, meinte Barbara Maurer aus Grünstadt. ...
Professor Englert: „Vor einiger Zeit wäre ich noch etwas unsicher gewesen. Jetzt bin ich aber recht zuversichtlich, daß wir nicht scheitern werden.“

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Drachenperle paukt chinesisch


(Rheinpfalz Koblenz, 3. 5. 1991)
 
Studiengang Ostasien-Marketing in Ludwigshafen ausgebucht - Japanisch-Kurs folgt

„Frühmorgens begrüßen sie sich mit „Nin hao", ihre Lehrerin heißt - ins Deutsche übersetzt – ‚Drachenperle im Sommer‘, und die rätselhafte Schrift mit den 50.000 Zeichen hat für sie den Großteil ihres Schreckens verloren. In Ludwigshafen, gut versteckt im Nebengebäude einer Grundschule, studieren 80 angehende Ökonomen, die weit mehr können als Statistiken und Bilanzen interpretieren.
Neben ihren 22 Stunden Betriebswirtschaftslehre lernen sie Woche für Woche 14 Stunden Chinesisch. Etwa die Hälfte der 40 Studienanfänger pro Jahr schafft das Vordiplom, nach einem Semester an der chinesischen Universität Xiamen und drei Semestern Hauptstudium werden ‚etwa zehn bis 15‘ ihr Examen ablegen. Nächsten Sommer verläßt der erste Jahrgang des bundesweiten Modellstudienganges Ostasien-Marketing die Fachhochschule Ludwigshafen mit hervorragenden Berufsaussichten.
‚Ist doch kein Wunder‘, sagt Professor Siegfried Englert, der den Studiengang zum Wintersemester 88/89 ins Leben gerufen hat, ‚schließlich beträgt allein die bundesdeutsche Entwicklungshilfe für China schon wieder fünf Milliarden Mark im Jahr‘. ‚Und wer soll die Projekte in China sinnvoll umsetzen? Welcher Betriebswirt kann schon Chinesisch, und Sinologen haben meist keine Ahnung von Betriebswirtschaft.‘ ... Im Auftrag des Bonner Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit hat er 1987 ein umfassendes Entwicklungshilfeprogramm für die chinesische Provinz Shandong erarbeitet. Als das 100 Millionen Mark teure Programm stand, herrschte in Bonn Ratlosigkeit: Ein qualifizierter Betreuer war weit und breit nicht zu finden, obwohl gleichzeitig etwa 7.000 Sinologen einen Job suchten. …
Professor Englert will im Wintersemester einen zweiten Studiengang starten: Dann sollen Betriebswirte ausgebildet werden, die ‚nebenbei‘ Japanisch sprechen.“

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Thema am Samstag: Studiengang Marketing Ostasien - China

 
(Die Rheinpfalz vom 11. Juni 1994)
 
Hohe Belastung für Fachhochschüler - Nicht einmal die Hälfte hält durch

„Die Qualität des 1988 gegründeten Studiengangs Marketing Ostasien, Schwerpunkt China, hat sich herumgesprochen. Manche der Studenten lassen sich an der Fachhochschule in Ludwigshafen ausbilden, weil sie mit der Struktur einer Universität nicht zurechtkommen, andere haben bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung als Bank- oder Industriekaufmann hinter sich und suchen nach praxisnaher Weiterbildung. …
Wer sich auf den Studiengang einläßt, sollte wissen, was auf ihn zukommt, sind sich die Studenten einig. Das Lernpensum ist gewaltig. ... Bei denen, die es schaffen, herrscht trotz des Stresses große Zufriedenheit. Sie loben den Zusammenhalt untereinander, den guten Kontakt zu den Professoren und den abwechslungsreichen Unterricht, der viel Platz für Diskussionen läßt.“

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Ostasien-Institut - Ein Bonbon


(Die Rheinpfalz vom11. April 1995)
 
„Die Mixtur am Rheinufer Süd ist jetzt schon vielversprechend. Neben dem Großkino wäre das geplante Ostasien-Institut ein weiterer Farbklecks in der grauen Industrie-Landschaft an der Walzmühle. Was der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft vorschwebt, wird ein echtes Highlight - wenn alle Beteiligten mitspielen.
Die beiden Fachbereiche China und Japan des Studiengangs Marketing Ostasien brauchen dringend neue Räume. Mit ihren weit verstreuten Behelfsunterkünften wird die Fachhochschule in Ludwigshafen deutlich unter ihrem Wert verkauft. Auch die Erweiterung der vorhandenen Räumlichkeiten wäre keine gute Lösung. Entschieden mehr Sinn macht ein großes Gebäude auf dem Walzmühl-Gelände, wo Fachbibliothek, Unterrichtsräume und Beratungsstelle unter einem Dach vereint werden können.
Auch die Ludwigshafener profitieren von diesem Projekt, das die Stadt weiter beleben wird. Umtrieb bringen nicht nur die Studenten, sondern auch das geplante Cafè samt Restaurant. Außerdem werden wichtige kulturelle Akzente gesetzt. 1996 locken dann Kinofilme und ostasiatische Kunstgegenstände ans Rheinufer. Neustadts Emil Helfferich-Sammlung, die im Institut ausgestellt werden soll, ist ein Bonbon für Besucher aus der ganzen Pfalz.“

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Wer immer strebend sich bemüht


(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. April 1996)

„Rheinufer-Süd": Ein Ludwigshafener Sanierungsprojekt
 
„In den Köpfen der Ludwigshafener Stadtväter spukte wohl das Vorbild der Londoner Docklands. Mitte der achtziger Jahre begannen sie, sich den ‚wirtschaftlichen und städtebaulichen Aufbruch Ludwigshafens für das nächste Jahrtausend‘ in den grellsten Farben auszumahlen: Sie entwarfen eine idyllische Rheinpromenade, elegante Lofts in der gründerzeitlichen Industriearchitektur der Walzmühle, Künstlerateliers in den Hallen des Straßenbahndepots und sie bauten am Luftschloß des neuen Regionalbahnhofs vis à vis der Walzmühle. Kurz: Sie schwelgten in einem Traum vom pulsierenden Leben, der jedes Problembewußtsein erstickte. …
Nun will man ‚die Dinge im Kleinen regeln‘. Einzelhandel, Gastronomie und viergeschossige Blockbebauung mit Wohnungen sollen am Rheinufer entstehen. Konkret geworden ist bisher lediglich ein einziges Projekt: Das kürzlich begonnene Ostasienzentrum der Fachhochschule Ludwigshafen (Architekt Weber, Heidelberg). Die 9,5 Millionen Mark Baukosten finanzieren die Stadt und das Land Rheinland-Pfalz gemeinsam.“

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Beobachtungen beim Blitzbesuch des Bundespräsidenten


(Die Rheinpfalz vom 5. November 1997)
 
„… Bevor er sich mit lädierter rechter Hand eintrug (die Hände anderer schüttelte er mit links), lobte Herzog die cleveren Studenten für deren anschaulichen (aber auch recht langen) Präsentationen, die letztlich den Zeitplan im Ostasieninstitut umwarfen. Denn der Rundgang in dem Neubau entfiel aus Zeitgründen. Von vornherein waren nur eineinhalb Stunden für den Besuch in LU reserviert worden. …
Mit hoher Aufmerksamkeit, aus der eine Reihe kritisch-direkter Fragen resultierten, hatte Herzog die Schilderungen über Studieninhalte und Aufenthalte in China und Japan verfolgt. So wollte er etwa wissen, ob die Studenten angesichts der riesigen Dimensionen Chinas denn tatsächlich Land und Leute kennenlernen können. Sein Vergleich: Wenn man in Irland war, kann man nicht sagen, daß man Europa kennt oder weiß, wie es in Sizilien ist. Insgesamt imponierte Herzog die Leistungsbereitschaft der jungen Leute. Und da kam auch schon gleich wieder ein Schlenker, allerdings kein ironischer sondern ein fürsorglicher: ‚überdrehen‘ sollen sich die angehenden Ostasien-Betriebswirtschaftler nun auch wieder nicht...“

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Das Ostasieninstitut ist ein Aushängeschild.“ - Es darf aber nicht zum Elfenbeinturm werden.


(Die Rheinpfalz vom 6. November 1997
 
„Der Besuch des Bundespräsidenten brachte es in aller Deutlichkeit an den Tag: Das neue Ostasieninstitut am Rheinufer poliert den Ruf Ludwigshafens mächtig auf Wissenschaftler und Studenten tragen den Namen der Stadt in alle Welt. Ludwigshafen als Studienstandort mit internationalem Touch - das klingt gut, modern und zukunftsträchtig. Doch zu einer Art Elfenbeinturm für Betriebswirtschaftler sollte die Einrichtung nicht werden. Gestern jedenfalls blieben bei der Präsentation für den hohen Besuch kritische Töne - etwa über politische und gesellschaftliche Probleme in China - außen vor…“

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„Standing Ovations"   für „Bruder Johannes


Bundespräsident gestern zu Gast in Ludwigshafen -  Empfang im Ostasieninstitut  

(Die Rheinpfalz vom 29. März 2000)
 
„Dienstagnachmittag. Noch nicht 15 Uhr, doch am Ostasieninstitut drücken sich Studenten schon die Nasen platt. Sie halten Ausschau nach Deutschlands höchstem Repräsentanten, der bei ihnen in wenigen Minuten zu Gast sein wird. Bundespräsident Johannes Rau macht auf seiner Rheinland-Pfalz-Tour nach Mainz und Koblenz Station in Ludwigshafen. 50 Minuten soll und wird die Visite dauern.
Ein Polizei-Kleinbus parkt am Rheinufer, daneben ein wohl für die Schnittchen zuständiger Frisch-Menue-Lieferant. Auf dem Rhein tuckert ein Polizeischiff: Sicherheitskräfte mit Handys, Journalisten, Fotografen und Kameraleute, haben sich auf der Eingangstreppe des Ostasieninstituts postiert  ein für Ludwigshafener Verhältnisse großes Aufgebot. Institutschef Professor Siegfried Englert, der Hausherr, gibt um 15.12 Uhr erste Interviews. Drei Minuten später überfliegt ein Hubschrauber das ehemalige Halberg-Gelände. ‚Da ist er drin‘, sind sich die Umherstehenden sicher. Und staunen nicht schlecht, als ‚er‘ um 15.23 Uhr vorfährt. Im Sonderbus der Verkehrsbetriebe Ludwigshafen. Mit Ministerpräsident Kurt Beck, den Landes-Ministern Zöllner und Bauckhage und Oberbürgermeister Wolfgang Schulte. …
‚Standing Ovations‘ der über 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kirchen und Verbänden. Dazu Studenten und Dozenten des Ostasieninstituts. Blitzlichtgewitter beim Platznehmen. Die Studenten Jan Kritzer, Felicitas Metschl, Susan Simons, Felix Kempf, Valeska Gerhardt und Nicole Bösing stellen, zum Teil auf Chinesisch und Japanisch, ihr Institut vor, das von 259 Studierenden besucht wird, 45 Prozent davon sind weiblich. Die jungen Leute rücken die Betriebswirtschaft und die beiden Schwerpunkt-Sprachen ins rechte Licht, berichten von Erfahrungen, die sie bei mehrmonati¬gen Studienaufenthalten und Firmen-Praktika in China („Die Chinesen wissen mehr über Deutschland als der durchschnittliche Deutsche über China") und in Japan (‚Die Japaner essen nun mal keinen Käse.‘) auch gemacht haben. Hat sich gelohnt, dass sie am Vormittag geprobt haben. Mit Englert. Der „spielte" Rau. …
‚Großen Eindruck‘ auf ihn hätte das Was und Wie der Vorträge der Studenten gemacht, lobt Rau, berichtet ein wenig augenzwinkernd von eigenen Erfahrungen in beiden fernöstlichen Ländern, in die ihn auch der Leiter des Ostasieninstituts bereits begleitete. Rau erinnert an Zeiten, in denen er selbst Hochschulpolitik gemacht habe, bezeichnet die Fachhochschulen als ‚Juwel in unserer Bildungslandschaft‘. Studenten und Lehrenden wünscht er ‚allen Erfolg, auch über Rheinland Pfalz hinaus‘, wo er gestern freundlich aufgenommen worden sei. …“

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Berufsreport Betriebswirte. China-Experte


(Managermagazin 7/2002, Seite 154)
 
„Nur“ ein BWL-Studium - das war Stefan Seifermann (33) zu wenig. Er belegte deshalb an der Fachhochschule Ludwigshafen neben Betriebswirtschaftslehre das Fach ‚Marketing Ostasien‘, um parallel Chinas Wirtschaft und Sprache zu studieren. Als Seifermann im Frühjahr 1996 fertig war, bewarb er sich – logisch – bei Unternehmen, die im China-Geschäft tätig sind. Bei einem Hoechst-Joint-Venture in Schanghai wurde er Assistent des deutschen Geschäftsführers. ‚Meine Zusatzqualifikation war die Eintrittskarte in die Berufswelt‘, sagt Seifermann heute.
Keine Frage: Ein Kombi-Studium erhöht die Berufschancen. Inzwischen bieten viele Hochschulen während des Studiums oder im Anschluss daran Zusatzausbildungen der unterschiedlichsten Art.
Die Website www.hochschulkompass.de gibt eine umfassende Übersicht, was heutzutage an deutschen Hochschulen neben dem reinen BWL-Studium alles möglich ist. Die Angebotspalette reicht von der Spezialisierung auf kleine und mittlere Unternehmen über Gesundheitsmanagement bis zu einem Regionalstudiengang – wie ihn zum Beispiel Stefan Seifermann absolviert hat. Drei Jahre war er in China, dann schloss Hoechst das Joint Venture. Eine erfahrungsreiche Zeit: ‚Die drei Jahre haben mir so viel gebracht wie sechs Jahre in Deutschland.‘ Als Assistent musste er alles machen. Er kam zurück als Generalist. Die Jobsuche danach war für ihn kein Problem: ‚Nach China und der Erfahrung war es wesentlich einfacher.‘ Er ging zur Heidelberger Druckmaschinen AG in den Bereich Marketing Monitoring & Controlling, wo seine Internationalität gefragt ist.“

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Ein großer Schritt nach vorn. Karriere im Ausland


(Managermagazin 2/2005)
 
Wer den harten chinesischen Alltag meistert, hat auch in der Heimat gute Chancen. Ein Report über wagemutige Deutsche im Wirtschaftswunderland
„… Mehr und mehr Firmen gehen dazu über, ihre Expats mit geringeren Bezügen zu entsenden oder stattdessen Ausländer vor Ort zu akquirieren. Wie zum Beispiel Andreas Hube.
„Starbucks“, Shanghai.
Andreas Hube (32) schlürft einen für chinesische Verhältnisse teuren Macchiato. Er kann es sich leisten. Er arbeitet als  Marketingchef für SAP China, bezieht aber kein Expat-Gehalt, da er einen lokalen Anstellungsvertrag hat. ‚Ich zahle hier brav meine Steuern‘, sagt er. Um etwas Steuern zu sparen, hat er sich eine Wohnung gekauft - in einem der vielen Wohnsilos Shanghais, mitten unter Chinesen.
Sein Handy klingelt. Er blickt auf das Display und nimmt ab. Der norddeutsche Jung aus Bremervörde schnackt plötzlich Chinesisch. ‚Das war mein wirklicher Chef, meine Frau‘, entschuldigt er sich. Hube ist mit einer Shanghaierin verheiratet. Über die sagt er: ‚Vor der Hochzeit schnurren sie wie ein Kätzchen, danach sind sie ein Tiger.‘ Das Geld, das er verdient, krallt sie, er bekommt ein Taschengeld. …
Hube ist einer der inzwischen vielen jungen Deutschen, die – gut  ausgebildet, hoch motiviert und extrem belastbar – in  China Karriere machen. Für permanenten Nachschub an solchen Jungmanagern sorgen deutsche Hochschulen, die Kombi-Studiengänge, also Fachstudium plus Chinesisch, anbieten. Bremen, Duisburg, Konstanz, Ludwigshafen und Tübingen sind die bekanntesten.
Hube hat an der Fachhochschule Ludwigshafen BWL und Marketing Ostasien studiert. Es war kein leichtes Studium. Viele Scheine, wenig Freizeit. Rektor Siegfried Englert sagt im fernen Ludwigshafen: ‚Wer diesen Studiengang überlebt, ist belastbar.‘“

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Karriere. Job zum Dessert

 
(Der Spiegel 12/2005)
 
„Sinologie galt unter Studenten einst als Orchideenfach. Doch seit dem großen China-Boom steigen die Berufschancen der früher belächelten Absolventen enorm. …
Auch Sarah Müller, 22, hat sich für eine Kombination entschieden. An der Fachhochschule Ludwigshafen paukt sie mit rund 300 anderen Studenten Betriebswirtschaft, Chinesisch und Landeskunde. Mit Chinesisch als Fremdsprache hebe sich ihre Bewerbung von den Unterlagen der meisten anderen BWL-Studenten ab. ‚Das punktet bei Arbeitgebern‘, sagt sie.
Der Bedarf an jungen China-Experten ist bei kleineren Firmen am größten. Sie haben selten Erfahrung, wie man in fernöstliche Märkte einsteigt und dort wachsen kann. ‚Wer mit unserer Qualifikation bei einem Mittelständler seinen Job bekommt, ist da schnell die Frau oder der Mann fürs China-Geschäft‘, meint Müller. Großunternehmen schicken dagegen meist ein paar ihrer deutschen Topmanager als sogenannte Expatriates ins Ausland, häufig ohne lokale Sprachkenntnisse und ungenügend vorbereitet.
‚Anfang vierzig, frisch geschieden, braucht das Geld. So sieht leider bei einigen Firmen immer noch der typische China-Manager aus‘, beobachtet Professor Siegfried Englert, Leiter des Ostasieninstituts der FH Ludwigshafen. ‚Wer gerade verfügbar ist, wird losgeschickt.‘ Die Reihen vor Ort werden dann mit billigeren chinesischen Arbeitskräften gefüllt.
Lokales Personal sei zwar unverzichtbar, nur so könne sich eine Firma örtlichen Netzwerken anschließen, ohne die Vertragsabschlüsse in China undenkbar seien. ‚Doch wegen dieser notwendigen Verflechtungen sind chinesische Mitarbeiter ihren ausländischen Arbeitgebern gegenüber auch nicht immer hundertprozentig loyal‘, warnt der Fachmann…“