Ae Hee Lee – Memory

Ausstellung „Ae Hee Lee – Memory” in der Helfferich-Sammlung des Ostasieninstituts, 11. 11. - 16. 12. 2016

Aus Anlass der Eröffnung seines neuen Studienschwerpunktes Korea präsentierte das Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen am Rhein ausgewählte Stücke der diesjährigen Zonta-Kunstpreisträgerin Ae Hee Lee in ihrer Helfferich-Sammlung.Ae Hee-Lee

Die in Berlin lebende Koreanerin Ae Hee Lee wurde 1982 in Seoul geboren und studierte dort Plastik und Skulptur bevor sie 2007 nach Braunschweig ging, um ihr Studium fortzusetzen. Seit 2011 lebt die Künstlerin in Berlin.  Sie spürt mit ihren aktuellen Arbeiten der schwierigen Frage nach dem Ich nach. Ihr Ziel: das Unbewusste in Traum oder Erinnerung fühlbar werden zu lassen.

Den Tag der Vernissage stellten die Studierenden des neuen Schwerpunktes ganz unter das Thema „Korea“. Nach der Lehrveranstaltung Koreanisch am Vormittag lud Dozentin Soon Sim Jo ihre Erstsemester zum gemeinsamen Kochen ein. Um 16 Uhr fand ein Gespräch mit der Künstlerin statt, zu den Erstsemestern Korea kamen Studierende aus den Schwerpunkten Japan und China hinzu. Mehr als 20 Studierende befragten Ae Hee Lee zu ihren Träumen und kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und Korea. Sie erklärte ihr Vorgehen beim Aufzeichnen ihrer Träume, ihre Beweggründe und Hoffnungen, die sie in ihr Projekt „Dream Records“ legt. Besonders spannend fanden die Studenten, dass Ae Hee Lee trotz ihrer internationalen Erfahrungen und den vielen Jahren in Deutschland weiterhin an Gewohnheiten ihrer Heimat Korea festhält. So isst die Künstlerin beinahe täglich Reis. Ohne eine Portion Reis am Tag würde sie sich nicht wohl fühlen. Und das würde unseren Studenten mit Brot so ergehen, wenn sie ihr Auslandsjahr in Asien verbrächten, prophezeit ihnen die junge Koreanerin. Man sehne sich dann oft nach dem Essen der Kindheit, diese Art Heimweh würde nie vergehen. Die leichte Wehmut in ihren Erklärungen verging aber wieder schnell, als Ae Hee Lee erzählte, dass sie es mit dem Nägelschneiden weiterhin wie alle Koreaner halten würde: Nie nach 18 Uhr! Das bringt Unglück und wer will das schon riskieren?

Ae-Hee-Lee Figuren Ae-Hee-Lee Figuren4  

Die Vernissage am Abend wurde mit 60 interessierten Besuchern eine sehr gelungene Veranstaltung. Christine Liew, stellvertretende Leiterin des Ostasieninstituts,  übernahm die Begrüßung für Prof. Rövekamp, den eine Grippe ans Bett fesselte. Sie zog Parallelen  zwischen Emil Helfferich, dessen rund 300 Exponate die Sammlung am Institut ausmachen, die er in seinem 30jährigen Aufenthalt in Asien zusammen getragen hatte, und Ae Hee Lee, die ihre Erinnerungen und Träume in kleine expressive Figuren und Gemälde manifestiert. Sie forderte insbesondere die Studierenden auf, sich die auffällig roten Figuren zu betrachten, die für einige Wochen ihren Platz auf kostbar geschnitzten chinesischen Stühlen, neben fragilen Vasen und mächtigen Folianten gefunden haben. Die zarten Skulpturen könnten auch Symbole unserer Studenten im Ausland sein. Auffällig einsam finden sie sich dort umgeben vom Unbekannten und oftmals Unverständlichen wieder. Werden sie ein Teil ihrer neuen Umgebung oder bleiben sie für die gesamte Zeit ihres Aufenthaltes ein Fremdkörper? Wie erging es wohl Emil Helfferich zu seiner Zeit in Asien, wie ergeht es heute Ae Hee Lee in Deutschland und wie wird es in der nahen Zukunft unseren Studenten in China, Japan oder Korea ergehen?

Die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Lida von Mengden griff das Thema in ihrer Erläuterung der Werke Ae Hee Lees ebenfalls auf:
„Ae Hee Lee inszeniert ihre Traumwelten und die bunten Spiel(zeug)welten der figürlichen Szenarien, um die sensible Grenze zwischen Wirklichkeit und der anderen, inneren Wirklichkeit – das Unbewusste, der Traum oder die Erinnerung – spürbar werden zu lassen. Sie erfindet für die schwierige Frage nach dem Ich, sei es nun hier in Deutschland oder in Korea, eine leichtfüßige Sprache, um das psychologische Spannungsverhältnis von innerer und äußerer Wirklichkeit und Imagination sichtbar zu machen. Sie fordert vom Betrachter eine besondere Aufmerksamkeit und Sensibilität, da sie diese Ich-Forschungen in stark verkleinerten Maßstab vorstellt.“

Ae-Hee-Lee Figuren2

Bevor die Gäste bei einem Glas Sekt mit der Künstlerin in entspannter Atmosphäre diskutierten, überreichten die Erstsemester des Studienschwerpunkts Korea Ae Hee Lee einige koreanische Leckereien, die sie am Mittag mit ihrer Dozentin Frau Jo zubereitet hatten. Die Künstlerin bedankte sich vor allem bei den Studierenden am Ostasieninstitut, deren Neugierde und Begeisterung für Korea sie besonders gefreut hatte.

Die Ausstellung wird bis zum 16. Dezember 2016 stattfinden. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag 10.00 bis 17.00 Uhr oder nach  Vereinbarung (Tel.: 0621-5203-410). Der Eintritt ist kostenlos.

Die Vernissage fand am Freitag, 11. November 2016 in der Helfferich-Sammlung des Ostasieninstituts statt. Zur Einführung in die Ausstellung sprach Kuratorin Dr. Lida von Mengden. Christine Liew, stellvertretende Leiterin des Instituts, begrüßte die Gäste.

Ae-Hee-Lee Dreamwords

Ausstellungskatalog

이애히

Lee Ae Hee
(I Ae Hi)

Gruppenbild Vernisage

Gruppenbild mit der Künstlerin (1. Reihe, 3. von rechts)

Fachkontakt:

Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Christine Liew
Stellvertretende Direktorin Ostasieninstitut (OAI)
Tel. 0621/5203-423
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.oai.de

 

Weblinks

Welt der roten Figuren - Ausstellung der südkoreanischen Künstlerin Ae Hee Lee im Kunstverein Ludwigshafen

HBK-Absolventin Ae Hee Lee wird am 7. Juli 2016 der ZONTA Kunstpreis 2016 verliehen