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Interview Richard Biastoch

„Wenn man sich mal zwingt,  seine Komfortzone zu verlassen, dann ergeben sich unglaublich viele Chancen.“

Richard Biastoch
Externer Berater für die Deutsche Gesellschaft für Internationale ZusammenarbeitBiastoch

Richard, Du lebst und arbeitest gerade in der Mongolei. Wie bist Du nach deinem Abschluss dort gelandet?

Meine letzte Prüfung hatte ich im Juli 2014 und bin danach ziemlich direkt in die Mongolei geflogen um ein Praktikum bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zu absolvieren. Ich wollte meine Bachelorarbeit im Themengebiet Geldpolitik schreiben. Da es in diesem Bereich aber bereits viele Quellen zu China und Japan gibt, aber weniger zu Schwellenländern wie der Mongolei, bewarb ich mich dort auf ein Praktikum.

Während meines Praktikums war ich unter anderem in die Organisation einer internationalen Konferenz involviert, welche Teil eines Programms zur Förderung von Transparenz im Bergbau ist. Dieses Programm lief zwischen den G7 Staaten und ressourcenabhängigen Partnerländern, in diesem Fall der Mongolei und Deutschland. Mit Abschluss meines Praktikums bat man mir dann die Weiterführung dieses Programms als Berater an.

Wie hat man sich Deine Tätigkeiten im Speziellen vorzustellen?

Die GIZ ist in der Mongolei in verschiedenen Bereichen tätig, ich selbst bin im Bergbauprojekt platziert. Die Mongolei ist eines von etwa 60 Ländern welches stark von der Entwicklung der natürlichen Bodenschätze abhängt, hier etwa verantwortlich für ca. 90 Prozent der Exporte.  Ziel des Projektes ist die Entwicklung des Landes mit Hilfe der Einkünfte aus endlichen Bodenschätzen, hin zur nachhaltigen, breitenwirksamen Entwicklung anderer Sektoren und der breiten Bevölkerung.

Meinen Einsatz selbst könnte man zusammenfassend dem Projektmanagement und der Beratung zuordnen. Ich unterstütze hier vor Ort die sog. Extractive Industries Transparency Initiative (EITI), einen internationalen Transparenz Standard, welcher das Ziel hat der Bevölkerung den Zugang zu Zahlungsströmen und anderen relevanten Informationen zu ermöglichen. Ich selbst beschäftige mich in der Mongolei vor allem damit wie solche Daten genutzt werden können, um der Zivilgesellschaft zu ermöglichen Industrie und Regierung zur Rechenschaft zu ziehen.

Ich habe ein sehr breites Arbeitsfeld und habe im Laufe meiner Tätigkeit zunehmend Verantwortung übertragen bekommen. Seit Anfang des Jahres arbeite ich beispielsweise mit einem der renommiertesten Magazine zusammen um existierende Daten besser verständlich zu machen für die lokale Bevölkerung. Danach werde ich ein Training in Bangkok implementieren, an dem verschiedene internationale Stakeholder aus Industrie, Ministerien und Zivilgesellschaft teilnehmen werden. Inzwischen kann ich bei solchen Veranstaltungen auch selbst Beiträge leisten und muss mich nicht mehr ausschließlich auf andere Berater verlassen.

Wie groß ist die Sprachbarriere bei Deiner Tätigkeit, in einem Land wie der Mongolei?

Ich habe viele Geschäftspartner in der Mongolei, mit denen ich zusammenarbeite aber eben auch welche in südostasiatischen Ländern wie Myanmar, Kambodscha, Vietnam und Laos. Insofern läuft beruflich fast alles immer auf Englisch ab. In der Mongolei brauche ich im Privatleben bis zu einem gewissen Grad Mongolisch. Ich bin zwar schon seit eineinhalb Jahren hier, aber meine Sprachkenntnisse könnten besser sein. Da ich beruflich sehr eingespannt bin, komme ich nicht mehr oft dazu Mongolisch zu lernen.

Wie hat Dich das Ostasieninstitut auf Deine jetzige Tätigkeit vorbereitet?

In einem Land wie der Mongolei, wo die Infrastruktur noch nicht so ausgebaut ist und der Entwicklungsstandard etwas niedriger ist, ist der Arbeitsbereich, in dem man Aufgaben übernimmt, vielfältiger.

Ich denke, dass mich das Studium am Ostasieninstitut insofern sehr gut vorbereitet hat, da wir nach dem Studium Thematisch sehr breit aufgestellt sind, zudem ist das Studium sehr praktisch ausgerichtet. Wir bekommen interkulturelle Kompetenz vermittelt, verstehen internationale Entwicklungen, und haben Wissen auf Mikro- als auch auf Makroebene. Ich glaube dieser weite Blickwinkel hilft mir sehr bei meiner Arbeit und ich habe das Gefühl, dass meine Tätigkeit sehr nahe an dem ist, was ich am Ostasieninstitut gelernt habe.

Wie stellst Du Dir Deinen weiteren Werdegang vor?

Ich betrachte die Mongolei als eine Chance um in vielen interessanten Bereichen zu lernen und mein Profil zu schärfen. Da ich weiß, dass das Projekt Ende des Jahres ausläuft, muss ich mir bis dahin etwas Neues suchen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Berufseinstig und sehe es so, dass ich die Lernkurve bis Ende 2016 gut ausgeschöpft habe und dann bereit bin weiterzuziehen, um mich weiterzuentwickeln. Wenn ich eine weitere interessante Anstellung in diesem Bereich erhielte, würde ich gerne fortfahren. Ansonsten ist der Master natürlich immer eine Option.

Welche Ratschläge kannst Du den heutigen Studenten rückblickend geben?

Bei der Wahl der Bachelorarbeit sollte man ein Thema nehmen, welches einen auch wirklich interessiert. Mein Thema war für mich damals sehr interessant. Wenn man dann noch einen Dozenten wählt, der auf dem Gebiet sehr bewandert ist, erleichtert es den Prozess doch ungemein. Darüber hinaus möchte ich noch hervorheben, dass wenn man in Deutschland ist, man etwas den Blick dafür verliert welche Möglichkeiten es für einen da draußen gibt und die man wahrnehmen kann. Wenn man sich mal zwingt seine Komfortzone zu verlassen, dann ergeben sich unglaublich viele Chancen. Ich glaube zum Beispiel, dass mein Potential in der Mongolei einen größeren Unterschied machen kann als in Deutschland und ich so mehr Verantwortung übernehmen konnte. Dadurch habe ich mich persönlich, wie auch beruflich sehr weiterentwickelt.

Die Komfortzone verlassen um sich weiterzuentwickeln. Etwas, das sich unsere Studenten auf jeden Fall durch den Kopf gehen lassen sollten. Danke für das aufschlussreiche Interview und alles Gute für die Zukunft!

(Das Interview führte Paul Gebel.) 

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