Interview Tobias Gries

„Meine Arbeit ist im Prinzip exakt das, was wir am Ostasieninstitut so ausführlich gelernt und praktiziert haben.“

Tobias Gries, Absolvent des Jahrgangs 2011
Projektmanager bei Feintool System Parts (Asia) 

 

TobiasGries

Tobias, stell dich zunächst bitte vor und erzähle uns, wohin es dich nach deinem Abschluss verschlagen hat.

Mein Name ist Tobias Gries und ich habe meinen Abschluss 2011 am Ostasieninstitut mit der Fachrichtung Japan gemacht. Kurz darauf bin ich wieder nach Tokyo gegangen um dort für Bosch ein Praktikum im Bereich Marketing zu absolvieren. Während der ersten Monate in Japan habe ich im Vorfeld des Praktikums noch meine Bachelorarbeit zu Ende geschrieben und diesbezüglich auch etwas Marktforschung vor Ort betrieben.

 

Welches Thema hatte deine Bachelorarbeit?

Die Bachelorarbeit habe ich über eine kleine deutsche Brauerei geschrieben. Im Wesentlichen ging es darum, ob man das Biermixgetränk „Radler“ auf dem japanischen Markt etablieren könnte. Als dann mein Praktikum zu Ende ging, wollte ich noch länger in Japan bleiben da es mir dort sehr gut gefallen hat. Insbesondere auch, da viele meiner Auslandsjahr Freunde aus Akita in Tokyo anfingen zu arbeiten.
Ich habe mich daraufhin nach interessanten Jobs und Firmen umgesehen und mich bei einigen Unternehmen, die ansprechend klangen, selbst initiativ beworben.
Darunter war dann ein Schweizer Zulieferer mit dem Namen Feintool. Ich bin relativ schnell mit dem zuständigen Leiter in Japan in Kontakt gekommen und nach zwei erfolgreichen Bewerbungsgesprächen, konnte ich dann dort anfangen.

Wie kann man sich deine jetzige Tätigkeit vorstellen?

Ich bin jetzt seit ziemlich genau vier Jahren bei der Feintool System Parts (Asia) und eigentlich im japanischen Werk in Atsugi angestellt, was ungefähr 50 Kilometer südlich von Tokyo liegt. Das Unternehmen hat nun aber auch seit etwa drei Jahren eine Produktionsstätte nördlich von Shanghai und so bin ich jeden Monat zwei bis drei Wochen in China um unsere Kollegen im Projektmanagement zu unterstützen. In Shanghai werden Stahlteile feingeschnitten (präzises Stanzen), welche dann beispielsweise in Autositze oder Getriebe verbaut werden.

Du bist dann aber nicht der Mann, der die Presse bedient?

Meine Arbeit ist im Prinzip exakt das, was wir am Ostasieninstitut so ausführlich gelernt und praktiziert haben. Strukturiertes Arbeiten, Präsentationen für Kunden erstellen und unter Zeitdruck Abläufe managen. Mein Aufgabengebiet hängt auch eng mit dem Sales-Bereich zusammen: Ich stelle Kunden unsere Firma in Präsentationen vor, kümmere mich um den ersten Kontakt und bin, wenn es dann zu einem Vertragsabschluss kommt, so etwas wie das Fenster zwischen dem Kunden und Feintool über das die gesamte Kommunikation läuft. Das beginnt beim Entwurf von Werkzeugen für die Maschinen, wobei ich viel mit technischen Zeichnungen arbeite. Verläuft weiter über alles, was beim Prozess notwendig ist und reicht bis hin zum Produktionsstart, dass die fertigen Teile hergestellt werden können.

Du bist praktisch die internationale Schnittstelle der Firma.

Genau, da wir ebenso deutsche Kunden haben, muss ich auch oft auf Geschäftsreisen nach Deutschland, in die Schweiz und eben nach China. Unsere Zweigstelle in China ist noch sehr jung und daher ist viel Unterstützung von unseren erfahrenen Ingenieuren aus Japan oder der Schweiz notwendig. Diese sprechen allerdings kaum Englisch und somit muss ich auch als interne Schnittstelle zwischen unseren Teams in China, Japan und Europa agieren. Darüber hinaus kommuniziere ich dann natürlich auch die internen Ergebnisse und Fragestellungen zum Kunden. Das ist sehr interessant, da ich so mit sehr vielen verschiedenen Kulturen zusammen arbeiten kann. Als „Rückhalt“ habe ich das Glück, mit zwei meiner engsten OAI-Kommilitonen in Shanghai zusammen wohnen zu können. Überhaupt haben wir mittlerweile ein sehr gutes OAI-Alumni-Netzwerk in Asien.

Entspricht deine heutige Arbeit deinem damaligen Ziel als Student?

Mein eigentliches Ziel war es, dass ich nach dem Studium mein Praktikum bei Bosch abschließe und dann einen Master dranhängen wollte. Sagen wir mal so: Jetzt bin ich schon über vier Jahre in Japan aber ich hätte niemals gedacht, dass ich hier mal so lange arbeiten oder gar in Shanghai landen würde. Allerdings es hat für mich eine sehr gute Wende genommen. Aus dem Blickwinkel meiner Firma betrachtet ist der chinesische Markt um Einiges offener und spannender.

Welche Ratschläge kannst Du unseren Studenten heute geben?

Ich erinnere mich noch sehr gut an die ganzen Gruppen- und Projektarbeiten, die wir als Studenten machen mussten. Damals hat das allen etwas zugesetzt. Im Nachhinein bin ich aber den Dozenten sehr dankbar dafür, ich profitiere heute immer noch davon. Ob es um das schnelle Erstellen von Präsentationen geht oder ob man neue Texte fix durcharbeiten kann und einfach auch der Umgang mit der Arbeit in einer Gruppe. Was man da unbewusst aufgenommen hat, ist heute ein großer Vorteil für mich. Das merke ich im jetzigen Berufsleben immer wieder.
Ich habe sehr viele nette Kollegen und wenn wir dann zusammen an einem Projekt sitzen, muss ich oft schmunzeln und denke mir: „Das ist ja fast wie früher am Ostasieninstitut“. Wir arbeiten etwas aus und haben trotzdem Spaß an der Sache. Diese Praxisnähe ist, denke ich, auch ein großer Vorteil des Ostasieninstitutes.

Zum Abschluss noch: wo geht die Reise für dich hin?

Ich bin mittlerweile mit meiner japanischen Partnerin, die ich über Umwege durch mein Auslandsjahr in Akita kennengelernt habe, verlobt und wir wollen mittelfristig sicher noch in Asien bleiben. Langfristig, wenn man dann so langsam Kinder plant, würden wir sie doch gerne das deutsche Schulsystem genießen lassen wollen und weniger das japanische.

Dann wünscht das Ostasieninstitut dir und deiner Verlobten alles Gute für die Zukunft und wir bedanken uns für das sehr interessante Gespräch.

(Das Interview führte Paul Gebel.) 

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