Interview: Lan und Norman Venus

Lan und Norman Venus haben sich am Ostasieninstitut kennen gelernt als sie im ersten Semester und er im dritten Semester studierte. Heute sind sie miteinander verheiratet und leben in Tokyo.

Erzählt doch bitte wie es für Euch nach eurem jeweiligen Abschluss am Ostasieninstitut weiterging.

Norman:
Ich habe am 30. August 2010 meine Bachelorarbeit abgegeben.
Während meines Auslandsjahres in Japan habe ich ein halbes Jahr lang als Praktikant bei Bosch gearbeitet. Hierbei konnte ich erste Kontakte zum Unternehmen knüpfen. Kurze Zeit nach meinem Abschluss am Ostasieninstitut fragte ich bei Bosch an, ob das Unternehmen eine Stelle für mich im Controlling frei hätte. Wie der Zufall so wollte, suchte man bei Bosch gerade jemanden für das Controlling. Nach zwei Bewerbungsinterviews habe ich die Stelle bekommen und wurde Business Unit Controller bei Bosch.

Und für Bosch ging es dann später nach Tokyo.

Norman:
Als ich meine Stelle bei Bosch angetreten habe, habe ich direkt von Anfang an signalisiert, dass ich Interesse daran hätte, ins Ausland zu gehen. Dies wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ich trat dann nach zehn Monaten eine Stelle zur Vorbereitung an um  als Experte ins Ausland zu gehen. Weitere zehn Monate später wurde eine Stelle in Tokyo frei. Weil ich Japanisch sprechen konnte und Bereitschaft gezeigt hatte ins Ausland zu gehen, bekam ich die Stelle als Product Group Controller in Tokyo. Wir zogen dann zusammen in eine von Bosch bereitgestellte schöne Wohnung mitten in Tokyo.

Lan, wie war dein Werdegang vom Moment deines Abschlusses bis zum Umzug nach Tokyo?

Lan:
Ich habe 2011 als Werkstudentin bei der SAP SE meine Bachelorthesis geschrieben. Nach meinem Abschluss bin ich auf eine sehr interessante chinesische Firma gestoßen: China First Heavy Industries. Es handelt sich hierbei um ein chinesisches Staatsunternehmen in Nordchina. Das Unternehmen hatte eine Vertriebsstelle in Ludwigshafen und ich wurde dort als International Marketing Manager eingestellt.

Wie hat man sich die Arbeit eines International Marketing Managers vorzustellen?

Lan:
China First Heavy Industries stellt Maschinen und Anlagen her mit denen Stahlfirmen aus aller Welt ihre Produkte produzieren.
Ich war eineinhalb Jahre bei China First Heavy Industries und meine Arbeit dort war sehr vielfältig, da die Vertriebsstelle in Ludwigshafen noch sehr neu war. Zu Beginn musste ich sogar ein Firmenschild organisieren und gestalten. Der Hauptbestandteil meiner Arbeit war die Akquise neuer Kunden für das Unternehmen. Ich war viel unterwegs, konnte beruflich oft nach China reisen und musste meine Sprachkenntnisse häufig anwenden.  

Dort bist du dann geblieben, bis Norman die Stelle in Japan angeboten bekommen hat?

Lan:
Ja genau. Ich habe zunächst überlegt ob ich noch einige Zeit weiter arbeiten soll aber mich dann doch dafür entschieden, gleich mit nach Tokyo zu kommen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt zwar noch kein Japanisch, habe es aber als eine gute Gelegenheit gesehen, eine neue Kultur kennenzulernen. Darüber hinaus war Bosch sehr gut zu uns. Das Unternehmen hat sich praktisch darum gekümmert, dass mir als Normans Partnerin eine Stelle angeboten wurde, die zu meiner Qualifikation passt. Zurzeit bin ich bei Bosch in Tokyo im Aftersales tätig und betreue Kunden aus China, Europa und Südostasien. Das Unternehmen stellt mir zusätzlich ein Budget für Japanisch-Kurse zur Verfügung, damit ich meine Sprachkenntnisse weiter ausbauen kann, und mir das tägliche Leben in Japan einfacher fällt.

Viele unserer Studenten die in einer Beziehung sind, werden möglicherweise durch das Auslandsjahr eine lange Zeit getrennt von ihrem Partner leben müssen. Ihr musstet dies sogar zwei Jahre lang, da ihr aus verschiedenen Semestern wart. Wie habt ihr diese Zeit überstanden?

Lan:
Als sich das zwischen uns angebahnt hat, wussten wir, dass wir zwei Jahre in unterschiedlichen Ländern leben würden. Wir haben uns dann mental darauf vorbereitet, dass man in diesen zwei Jahren physisch getrennt von seinem Partner leben wird. Zusätzlich haben wir ein wenig vorgeplant, wie und wann wir uns über den Zeitraum besuchen können und diese Besuche möglichst gut aufzuteilen versucht.

Norman:
Wir haben mehrmals die Woche miteinander über Skype oder ähnliches telefoniert. Mann muss da aber auch die richtige Balance finden. Es ist eben so, dass derjenige, der im Ausland ist es ein wenig einfacher hat. Man erlebt sehr viel Neues, macht interessante Erfahrungen und hat viel Abwechslung. Da sollte gegenseitiges Verständnis aufgebracht werden. Die Person im Ausland muss verstehen, dass der Partner zuhause dies nicht hat und es ihm schwerer fällt, allein zu sein. Dennoch muss die Person zuhause akzeptieren, dass es demjenigen im Ausland vielleicht nicht möglich ist, jeden Tag um Punkt acht für zwei Stunden zu telefonieren, da man auch möglichst viel aus dem Auslandsjahr mitnehmen möchte.

Beide Seiten müssen also Verständnis zeigen und Rücksicht nehmen.
Lan, du warst im Fachbereich China und Norman war im Fachbereich Japan.
Welche Rolle hat die Kulturausrichtung des anderen in dieser Zeit gespielt?

Lan:
Wir haben beide die Kultur der Studienrichtung des anderen kennen gelernt. Dafür muss man sich auch öffnen können und verstehen, dass der andere in seinem Auslandsjahr was ganz Neues erlebt und sich darüber auch austauschen möchte. Beide sollten hier auch Interesse zeigen und zuhören wollen. Wir haben bei den jeweiligen Besuchen gemeinsam das Land des anderen erkundet und dieser konnte es einem dann gut näher bringen
Es ist keine einfache Zeit gewesen über die vollen zwei Jahre gesehen. Normalerweise ist es auch nur ein Jahr die eine Partnerschaft überstehen muss. Wenn es zwischen beiden Menschen passt und beide von Anfang an wissen, was sie wollen, dann ist es aber kein Problem und man wird Wege finden, die Situation gemeinsam zu bewältigen. Letztendlich hat man ja gesehen, wohin die Reise für uns beide ging.

Welche Erinnerungen habt ihr noch an das Ostasieninstitut?

Norman:
Die familiäre Atmosphäre habe ich noch sehr gut in Erinnerung. Die Leute waren ein wenig unter sich, so dass man viel zusammen unternommen hat. Auch die kleinen Gruppen im Sprachunterricht waren sehr praktisch. Nicht so wie an einer Universität, wenn du mit dreihundert Leuten in einem Raum sitzt und weder mit den Dozenten noch mit den Kommilitonen in Gespräch kommst.

Lan:
Das Sommerfest fand ich immer klasse. Wir hatten auch viele Gastdozenten und interessante Vorträge. Es war auch gut, dass einige Dozenten noch selber gearbeitet haben oder ihre Praxiszeit noch nicht allzu lange her war. Der Praxisbezug in den Vorlesungen war daher auch immer sehr hoch.

Welche Tipps könnt ihr den Studenten von heute geben?

Lan:
Unternehmen achten bei Bewerbungsprozess sehr auf praktische Erfahrung. Deswegen finde ich, ist es sehr wichtig, neben dem Studium bereits zu arbeiten. Mann muss sich dabei auch nicht durch viele verschiedene Firmen und unterschiedlichste Bereiche quälen. Besser ist es, wenn du bereits in dem Bereich, in dem du später tätig sein möchtest  möglichst viel Erfahrung sammelst. Möchte man zum Beispiel ins Marketing, sollte man versuchen, als Praktikant oder Werkstudent in Unternehmen nur in diesem Bereich zu arbeiten. Nicht erst im Marketing, dann im Controlling und dann im Human Ressources Bereich, weil man denkt, das sähe auf den Lebenslauf besser aus. Von daher sollte man sich vorher schon Gedanken machen, in welche Richtung man nach seinem Abschluss gehen möchte.

Ein guter Hinweis für unsere aktuellen Studenten.

Vielen Dank an euch für das ausführliche Interview, Lan und Norman Venus.

(Das Interview führte Paul Gebel.) 

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