Interview: Hans-Georg von Gumppenberg

„Man kann in seinem Verhalten nicht einfach hundert Prozent Deutsch bleiben sondern muss versuchen, hundert Prozent international zu agieren.“

Hans-Georg von Gumppenberg

Von 1996 bis 1999 Studierender des Schwerpunktes China am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen am Rhein

Herr von Gumppenberg, erzählen Sie uns doch zunächst etwas über Ihren Studienverlauf am Ostasieninstitut und wo Sie zurzeit beschäftigt sind.

Ich habe 1996 mein Studium am OAI aufgenommen und war bis zum Vordiplom und dem Auslandsaufenthalt auch dort eingeschrieben. Nach dem Auslandsjahr bin ich aber von China direkt nach England auf die Leeds Metropolitan University gegangen um dort mit dem Bachelor abzuschließen und dann meinen Master in Cambridge zu machen.
Zurzeit lautet  meine Position Managing Director der Mercedes Benz Financial Services Ltd. in Hongkong. Zuständig bin ich für den Raum Hongkong und Macau.

Wie war Ihr beruflicher Werdegang bis Sie diese Position übernahmen?

Nach meinem Master in Cambridge wurde mir eine Stelle bei Daimler Financial Services (DFS) in Singapur angeboten. Dort habe ich fast fünf Jahre in verschiedenen Positionen für das Unternehmen gearbeitet.
Danach hatte ich die Möglichkeit, für DFS in Japan zu arbeiten, was ich dann die nächsten fünf Jahre tat. Es folgten zwei Jahre in Beijing für DFS und nun bin ich seit 1. Dezember 2014 in Hongkong.

Entspricht das Ihrem damaligen Studienziel und wie hat Sie das OAI darauf vorbereiten können?

Definitiv. Die Ausbildung, die ich am OAI genießen durfte, hat mir da schon sehr geholfen bezüglich meiner Arbeit im Ausland. Man lernt nicht nur sein technisches Business know-how, sondern auch wo die Besonderheiten dabei im Vergleich mit dem Westen liegen.

Wie genau äußert sich das in der Praxis?

Ich sehe das immer wieder, wenn eine Person mit nur geringer Vorbereitung in den asiatischen Raum kommt und sich dann erst einmal ein Gefühl für die Landeskultur und die Geschäftskultur des Landes entwickeln muss. Da hat mir das OAI geholfen, einen klaren Vorteil zu haben und besser vorzubereitet zu sein.

Für unsere Studenten ist es sicher interessant zu erfahren, dass Sie eigentlich ein Student des China - Zweiges waren und dennoch eine lange Zeit in Japan verbracht haben.

Als ich noch in Singapur war, hatte ich viele Anfragen aus China. Mir war klar, dass früher oder später China eine Option sein würde. Daher wollte ich zuerst etwas anderes sehen. Rückblickend kann ich sagen, dass Japan eine der schönsten Erfahrungen war, sowohl privat also auch karrieretechnisch.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre Studienzeit?

Die Zeit, als es noch kein OAI-Gebäude gab und wir unsere Vorlesungen in den angemieteten Räumen in einer Schule hatten, habe ich noch deutlich vor Augen. Außerdem behalte ich noch im Gedächtnis, dass uns in der ersten Vorlesung gesagt wurde: „Schauen Sie einmal nach rechts und einmal nach links. Einer von Ihren beiden Kommilitonen neben Ihnen wird das Studium nicht abschließen.“ So schwer war es dann aber doch nicht, wenn man stets am Ball geblieben ist.

Sie sind jetzt seit fast 13 Jahren in Asien. Haben Sie aus Ihrer langjährigen Erfahrung noch einen guten Tipp für unsere Studenten?

Meiner Meinung nach ist es ungeheuer wichtig, bei der Arbeit im asiatischen Raum eine kulturelle Offenheit an den Tag legen zu können.
Bereiche wie Finanzierung oder Controlling zum Beispiel sind technisch gesehen überall auf der Welt sehr ähnlich. Wie man jedoch ein Produkt im Endeffekt verkauft, erfordert ein hohes Maß an kulturellem Einfühlungsvermögen für das jeweilige Land. Noch wichtiger ist aber der Führungsstil und der Umgang mit Kollegen. Im Sinne von Team Building sollte man sich dem jeweiligen Stil des Landes anpassen können, um das Team besser zuleiten zu können.

Ich kann mit Sicherheit sagen, dass mir hierzu die Zeit am OAI und insbesondere das Auslandsjahr sehr geholfen haben.

Ein Thema, welches unsere Studenten im Hinblick auf kommende mögliche Führungsaufgaben sicherlich betrifft.

Ganz genau! Da sollte man genau zuhören und aufpassen, was die kulturellen Unterschiede in den verschiedenen Ländern Asiens sind. Man kann da in seinem Verhalten nicht einfach hundert Prozent Deutsch bleiben sondern muss versuchen, hundert Prozent „international“ zu agieren. Viele Teams sind sowieso schon international aufgebaut - aus Asien, Europa und den Amerikas.

Hundert Prozent international agieren, das ist ein guter Schlusssatz.

Herr von Gumppenberg, das Ostasieninstitut bedankt sich für das interessante Gespräch!

(Das Interview führte Paul Gebel.) 

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