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Interview: Ingmar Steinbach

„Man muss sich bewusst machen, dass wir als Absolventen des Ostasieninstitutes Unternehmen mit Ostasien-Bezug riesig viel zu bieten haben.“

Ingmar Steinbach, Absolvent des Jahrgangs 2012

Sales Coordinator bei der japanischen Firma FUKUI BYORA in Japan.

ingmar steinbach

Herr Steinbach, angefangen haben Sie bei FUKUI BYORA in einer ländlichen Region und sind mittlerweile für das Unternehmen in Tokyo tätig.

Genau, ich habe meinen Abschluss 2012 im Januar gemacht und direkt darauf im April bei FUKUI BYORA angefangen. Die Firma ist Zulieferer für die Automobil-, Elektronik-, sowie Medizintechnikbranche und auch anderen Fertigungsbereichen. Die Firma ist ein „Hidden Champion“, der sehr erfolgreich mit der Fertigungstechnik des so genannten Cold Forming arbeitet.

Was ist ihr genaues Aufgabengebiet dort?

Meine Jobbeschreibung lautet Sales Coordinator, was den technischen Vertrieb beschreibt. Ich bin mit Verkaufsaufgaben im Business to Business betraut, da wir auch Zulieferer von Bauteilen für Bosch oder Denso sind. Meine Aufgabe ist es, für diese Bauteile den Vertrieb zu machen, Neukunden zu gewinnen aber auch Projektmanagement zu betreiben. Wenn ein Kunde zu uns kommt und neue Bauteile benötigt, setze ich mich mit unseren Ingenieuren, Entwicklern und unserem Kunden zusammen. Ich leite quasi ein Projekt, von der Produktentwicklung, dem Produktdesign über Testsamples bis hin zur Vertragsschließung und der Massenproduktion.

Wie sind Sie an diese Stelle gekommen und wie lief die Jobsuche im Speziellen nach ihrem Abschluss am Ostasieninstitut?

Das lief bei mir ein wenig anders als bei den meisten meiner Kommilitonen, da ich so gesehen keine klassische Jobsuche gemacht habe.
Als Student habe ich meine zwei Auslandssemester in Nagoya verbracht und habe dort über eine ehemalige Kommilitonin die FUFUI BYORA kennengelernt und die Firma sozusagen mich. Ich habe mich dann, bereits ein halbes Jahr vor Studienende, beworben Ganz so, wie es in Japan gang und gäbe ist.

Können Sie darauf näher eingehen?

In Japan ist es so, dass die Leute sich bereits während des Studiums bei einem Unternehmen bewerben um dann dort direkt nach dem Abschluss einzusteigen. Diese Bewerbungsphase läuft ein halbes Jahr bevor man in den Beruf starten möchte. Und das ist in Japan immer der 1. April. Am 1. April beginnt das neue Schuljahr, die Uni für Erstsemester und alle Neueinstellungen der Unternehmen. Ich hatte das Glück dass ich mich rechtzeitig vorher beworben habe und mir den Job bereits sichern konnte. Sozusagen ein wenig getrickst habe.

Ein interessanter Aspekt für unsere Absolventen, wenn es darum geht, wie und wann man sich in Japan bewerben sollte.

Ich hatte das große Glück, diese Verbindung im Auslandsjahr aufbauen zu können. Es ist sehr schwierig, von Deutschland aus auf ein japanisches Unternehmen zuzugehen. Deswegen kann ich nur jedem raten, sich schon mal während seiner Studienzeit im Ausland umzuschauen und zu informieren.
Wie wird denn überhaupt rekrutiert in Japan? Wie wird denn rekrutiert in China? Wie rekrutieren überhaupt deutsche Unternehmen in China?
Über diese Sachen sollte man sich schon im Vorfeld informieren. Dann steht man nicht vor einem Berg Fragen, gleich nach seinem Abschluss.

Was war für sie die größte Herausforderung?

Bei FUKUI BYORA läuft die ganze Geschäftskultur auf Japanisch ab. Es gibt kaum internationale Belegschaft, alle internen Emails, alle Dokumente, alle Informationen, die man über die Firma und deren Abläufe herausfinden will, sind nur im Japanischen abrufbar. Ich habe mein Japanisch im Studium auf ein gutes Level gebracht aber trotzdem kamen viele Fachbegriffe und technisches Vokabular auf mich zu. Anfangs erschien mir das unendlich viel, hinzu kam noch der ungewohnte Dialekt der Region. Das hat mir zu Beginn am meisten Schwierigkeiten bereitet und auch viel Stress verursacht. Damit klarzukommen war für mich die größte Herausforderung.

Letztlich haben Sie diese dennoch gemeistert.

Es war ein fließender Prozess der Eingewöhnung. Irgendwann denkt man sogar Japanisch. Man muss sich auch kulturell darauf einlassen. Da kann ich Ihnen ein Beispiel nennen. Die deutsche Kultur ist ja eine „Streitkultur“ und sehr direkt. Mann spricht Probleme an und diskutiert sie aus, auch mit Vorgesetzten.
In Japan ist dies überhaupt nicht so. Man nennt es auch „high-context culture“. Es wird vieles nicht ausgesprochen aber es wird trotzdem erwartet, dass man das Gewollte versteht. Wenn man Sachen direkt durchsetzen will, wie in Deutschland, dann kann das schnell zu Missverständnissen führen.

Mittlerweile fühle ich mich sehr heimisch hier, habe aber auch das Glück, dass ich bei meiner Tätigkeit oft nach Deutschland oder Europa komme.
Trotzdem sehe ich Tokyo als mein Zuhause an, da sich hier auch meine meisten Freunde auf einem Fleck befinden.

Welche Ratschläge können sie den Studenten heute geben?

Ich würde den Studenten raten, ihr Auslandsjahr gut auszunutzen. In dieser Zeit ändern viele Leute ihre Ansichten. Man merkt dann wirklich, wie sehr einem die Kultur und das Leben in dem jeweiligen Land tatsächlich liegen Hier sollte man sich Gedanken machen, ob man wirklich eine lange Zeit in Japan oder China arbeiten und leben könnte. Manchem wird dann bewusst, dass sie sich doch eher in Deutschland oder den USA sehen. Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis, die man aus dem Auslandsjahr ziehen kann.
Absolventen des Ostasieninstitutes sind nicht nur auf den asiatischen Markt angewiesen, ihr Studium ist international so ausgelegt, dass sie tatsächlich überall arbeiten können. Das ist das Großartige am Ostasieninstitut und deswegen habe ich mich damals dafür entschieden.

Sie rechnen den kommenden Absolventen also ebenfalls gute Berufsaussichten aus?

Man muss sich bewusst machen, wir als Absolventen des Ostasieninstitutes haben Unternehmen mit Ostasien Bezug riesig viel zu bieten.
Mitarbeiter die aus einer anderen Kultur kommen, sind eine große Businessquelle. Ich weiß so viel über den deutschen Markt, die deutsche Kultur, die deutschen Kunden und genau das fehlte einer Firma wie FUKUI BYORA. Ohne große Berufserfahrung zu haben, konnte ich von Anfang an vieles einbringen. Kommunikations- und kulturtechnisch Missverständnisse aufzuklären oder einen Kanal zwischen dem japanischen Unternehmen und dem deutschen Kunden aufzubauen gehörten ebenfalls dazu. Man wird schnell wichtig für das Unternehmen. Wir als Absolventen des Ostasieninstitutes haben mit dem International Business Management Hintergrund und Fähigkeiten um universell einsetzbar zu sein. Ein klarer Vorteil auf dem Arbeitsmarkt.

Denken sie, das gilt auch für Unternehmen hier in Deutschland?

Unbedingt! Wenn wir gute Sprach- und Kulturkenntnisse über den ostasiatischen Markt haben, sind wir genauso wichtig für deutsche Unternehmen, die diesen Markt penetrieren wollen. Wir bedienen sozusagen eine Schnittstellenfunktion zwischen dem deutschen und dem asiatischen Markt.

Das gibt unseren Studenten bestimmt Zuversicht für die Zukunft.

Vielen Dank für das überaus interessante Gespräch, Herr Steinbach.

(Das Interview führte Paul Gebel.)

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