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Interview: Susan Isabelle Simons

„Es war mir schon immer sehr wichtig, die Studienthemen, in der Praxis zu sehen und zu erleben.“

Susan Isabelle Simons
Senior Product Manager - Employee Central at SAP SE

 

SusanSimons OAI1

Frau Simons, Sie sind Studenten des Ostasieninstitutes, in den höheren Semestern bereits bekannt, stellen Sie sich doch bitte trotzdem noch vor.

Ich bin Susan Isabelle Simons und komme aus der schönen Pfalz. Aufgewachsen bin ich in Bad Dürkheim und wohne zurzeit mit meinem Lebensgefährten und vier Vierbeinern in der Nähe von Speyer. Neben meiner eigentlichen Arbeit unterrichte ich in meiner Freizeit seit 2009 am Ostasieninstitut ERP (Enterprise Ressource Management) Grundlagen im siebten Semester. Hier geht es mir darum praktische Grundlagen für das Berufsleben an die Studenten weiterzugeben, ihnen die heute meist Software-gestützten Vorgänge bzw. Prozessabläufe in Unternehmen verschiedenster Industrien aufzuzeigen, und auch das hierfür notwendige Projektmanagementwissen näher zu bringen.

Wann haben Sie ihren Abschluss gemacht?

Meinen Abschluss habe ich 2002 im Studienschwerpunkt China gemacht. In meinem Auslandsjahr war ich in Beijing. Finanzieren konnte ich das zum einen Teil über das Haniel-Stipendium und zum anderen über das Stipendium an der Zweiten Fremdsprachenhochschule in Beijing.
Vor meinem Studium habe ich erst eine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen und das Studium praktisch über den zweiten Bildungsweg vollendet. Ich musste mir das Studium selbst finanzieren Dabei hat mir die Ausbildung sehr geholfen, da ich während des Studiums durch die praktisch erworbenen Fähigkeiten jederzeit schnell eine Stelle finden konnte und so stetig gearbeitet habe. Das war im Verlauf der Zeit in sieben oder acht Unternehmen unterschiedlichster Größe, darunter Siemens, Kienbaum und die Douglas Holding. Diese praktische Erfahrung kam mir sehr zugute.

Wo sind Sie gegenwärtig tätig und wie verlief ihr Weg dorthin?

Als ich 2001 noch bei Siemens war, wurde ich von einem Kollegen aus der SAP angerufen und rekrutiert. Es war der damalige Beratungsleiter für betriebswirtschaftliche Standardsoftware im Bereich „Human Capital Management“. Es war ein sehr interessantes Gespräch. Er fragte mich, ob ich meine Diplomarbeit bei SAP schreiben möchte und dort auch später arbeiten wolle. Im Verlaufe des Gesprächs überzeugte er mich in einem IT-Betrieb anzufangen, was ich bis dahin gar nicht in Erwägung gezogen hatte.
Ich fing dann bei der SAP Deutschland GmbH & Co KG im Bereich HCM Beratung für E-Recruiting an. Es ging im Wesentlichen um Kundenberatung und –betreuung. D.h. für unsere Kunden, die unsere über Internet nutzbare Personalbeschaffungssoftware „SAP E-Recruiting“ kauften, den Einsatz komplett zu projektieren und bis zum „Go Live“, d.h. dem realen Einsatz, zu unterstützen.

Momentan bin ich als Senior Product Manager in der Employee Central Region Implementation Group der SAP SE tätig.

Was tun Sie da genau?

Wir entscheiden dort intern, welche Services wir unseren unterschiedlichen Ansprechpartnern anbieten wollen. Ansprechpartner Intern ist zum Beispiel unser Produktmanagement selbst, der Vertrieb oder auch unser Support. Diese brauchen dann Informationen und Beratung bei neuen Produkten und wie wir diese auf den Markt bringen wollen. Wenn das Know-how am Markt für dieses Produkt noch nicht vorhanden ist, benötigt man da ganz besonders viel Erfahrung. Wir versuchen diese mit unserer kleinen Gruppe bereitzustellen. Im Großen und Ganzen umfasst meine Arbeit viele verschiedene Beratungstätigkeiten.

2014 waren Sie für die SAP SE in Südafrika tätig.

2014 war ich einige Wochen mit elf anderen Kollegen aus allen Ländern für ein Social Sabbatical der SAP SE in Südafrika. Wir unterstützten vier Klienten, sogenannte Non-Profit-Organisationen, bei deren Problemstellungen. In meiner Gruppe waren wir zu dritt und haben eine Universität unterstützt, die Menschen aus bildungsfernen Schichten hilft, die Aufnahme in einer Universität zu erhalten und damit eine Ausbildung abzuschließen, womit Ihnen der Weg in ein sozial besser gestelltes Leben „in Arbeit“ ermöglicht wird. Dieses Sabbatical ist an die sogenannte Corporate Social Responsibility der SAP SE gekoppelt.
Im Rahmen dieser Tätigkeit unterstützen Unternehmen wie SAP abseits des eigentlichen Kerngeschäfts  durch zeitlich begrenzte, kostenlose Überlassung von Mitarbeiter Know How bzw. deren Arbeitskraft in erster Linie in Entwicklungsländern. Oberste Priorität hat hier das Thema „Hilfe zur Selbsthilfe“. D.h. die Teams vor Ort zeigen den Menschen nach genauem Zuhören und Verstehen der jeweiligen Problematik mögliche Lösungswege auf und unterstützen in der ersten Umsetzung. Außerdem arbeitet auch jeder aktiv, dass bedeutet handwerklich, an einem Projekt mit.

Wie konnte Sie das OAI auf Ihre heutige Tätigkeit vorbereiten?

Ich hatte zwar noch keine Gelegenheit, über die SAP SE 2 oder 3 Jahre durchgängig im Ausland, speziell in China, zu verbringen, aber ich hatte bereits mehrere Projekte mit Beteiligung von chinesischen Teams, bei denen ich in Shanghai oder Beijing gewesen bin. Die Zeit am OAI hat mir da sehr weiter geholfen. Nicht nur im Bezug auf die Sprache sondern auch bei den betriebswirtschaftlichen und vor allem im Rahmen der interkulturellen Aspekte. Geschäftlich war ich sicherlich schon in 20 Ländern unterwegs, darunter Saudi Arabien, Bahrain oder auch in nördlichen Gefilden. Gerade im interkulturellen Bereich bin ich dankbar für das, was ich vom OAI mit auf den Weg bekommen habe. Man lernt, wie man sich selbst verhalten sollte und wie man mit Menschen aus verschiedensten „anderen“ Kulturen umgeht, um eine offene Atmosphäre zu schaffen. Das öffnet Türen in viele Richtungen.

Welche Ratschläge können Sie unseren Studenten aus Ihrer nun langjährigen beruflichen Erfahrung geben?

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass man Eigeninitiative zeigt, ganz besonders in Bereichen, in denen man Spaß hat. Man sollte immer offen und authentisch bleiben und nicht versuchen, sich für eine Aufgabe oder für einen Arbeitgeber vollständig zu verbiegen, nur weil man denkt, dass einem das weiter bringt. Ich sehe das bei vielen Studenten und Arbeitnehmern. Auf Dauer geht das nicht gut und wirklich erfolgreich sind Menschen an dieser Stelle i.d.R. auch nicht.
Was mir persönlich extrem geholfen hat, ist die Tatsache, dass ich während des Studiums viel gearbeitet habe. Es war mir schon damals sehr wichtig, die Studienthemen in der Praxis zu erleben. Viele Absolventen, die direkt von der Universität kommen und oftmals noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben, bringen kaum praktische Kenntnisse mit, und sollen dann beispielsweise  neue Prozesse in Unternehmen designen oder beraten. Das fand ich persönlich schon damals eher kritisch. Dadurch, dass ich während des Studiums in vielen verschiedenen Unternehmen tätig war, habe ich gesehen, wie es in den Firmen wirklich aussieht und wie die Prozesse dort ablaufen. Davon habe ich in meiner späteren Berufstätigkeit stark profitiert.
Daher mein Tipp an die Studenten: Denkt schon während des Studiums praxisbezogen! Arbeitet nebenbei und sammelt Erfahrungen, sei es als Werksstudent, Praktikant oder Ähnliches.

Praxisbezogene Erfahrungen sammeln, sicherlich eine lohnenswerte Investition seiner Zeit.

Vielen Dank an Sie für das ausführliche Interview, Frau Simons!

(Das Interview führte Paul Gebel.)

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