Alte Bräuche und neue Erfahrungen

„Während sich in weiten Teilen der Welt der erste Monat des Jahres 2014 dem Ende zuneigt, begrüßen Chinesen, Vietnamesen und viele andere Menschen in Asien das neue Jahr erst heute Nacht. Sie feiern Neujahr bis zu zwei Wochen lang. Auch in Ludwigshafen begehen sie den Jahreswechsel.
(Julian Eistetter in der Rheinpfalz vom 30. Januar 2014)


Chinesisches-Neujahr-2014
„In Vietnam wird, genau wie in China auch, das Neujahrsfest noch nach dem alten Mondkalender gefeiert, was bedeutet, dass das Datum nicht feststeht. Es fällt jedoch immer in das Zeitfenster vom 21. Januar bis 21. Februar. „In diesem Jahr ist der 31. Januar der Neujahrstag", erklärt Dai Yi, chinesischer Dozent am Ostasieninstitut (OAI) Ludwigshafen. „Es ist das bedeutendste Fest überhaupt in China", sagt er.

15 Tage dauern die Feierlichkeiten. Wegen einer alten Legende um ein zu vertreibendes Monster spielt die Farbe Rot eine große Rolle. Die Straßen und Häuser werden rot geschmückt, und die Familien kommen zusammen. Die Kinder bekommen rote Umschläge mit Geld und müssen in manchen Regionen den Älteren mit Sprüchen ihre Ehre erweisen. „Das Fest ist mit dem Silvester, wie es hier gefeiert wird, nicht zu vergleichen", sagt Dai Yi. Für ihn persönlich, als seit 28 Jahren in Deutschland lebender Chinese, habe es jedoch nicht mehr so eine große Bedeutung. Er verbringt den heutigen Abend im Kreis der Familie mit Freunden bei einem großen Essen. Er habe sich vielmehr an die europäischen Feiertage um Weihnachten und Silvester gewöhnt und feiere die mit seiner Familie, erzählt er.

Ganz neu war diese Erfahrung für die vier Studenten Ziyan Xie, Xinqi Wang, Zhe Feng und Xiaoyi Li. Seit vier Monaten sind die 22-Jährigen in Ludwigshafen und studieren am OAI Ihre Eindrücke von den deutschen Feiertagen sind dabei durchweg positiv. „Es herrscht hier eine sehr schöne Stimmung", sagt Wang. „Die Leute bereiten sich lange auf die Festtage vor und kaufen ein", ergänzt Xie. „Das ist ähnlich wie in China." Sie verbrachte den Jahreswechsel bei einer Berliner Familie und ist sich sicher, „ein typisch deutsches Silvester" erlebt zu haben. Die anderen drei blieben im Studentenwohnheim, kochten, sahen sich Filme an und bestaunten um Mitternacht das Feuerwerk.

Feng wird für das chinesische Neujahrsfest nach Hause fliegen, sagt sie. Wie viele andere Chinesen auch. „Um das Neujahr setzt in China quasi eine Völkerwanderung ein", sagt Dai Yi. „Alle Chinesen, die in den Städten arbeiten, kehren zurück in die Provinzen - es ist unvorstellbar." Die anderen drei wissen noch nicht genau, wie sie den ersten Jahreswechsel fernab der Heimat verbringen werden. „Wir wollen uns vielleicht mit chinesischen Freunden treffen, die in Worms studieren und etwas Leckeres kochen", erzählt Wang.

Für das neue Jahr, das im Zeichen des Pferds steht, wünschen sie sich einstimmig Erfolg im Studium, Zeit, Energie und Geld für Reisen - vielleicht, so sagen sie, können sie ja dann nächstes Jahr alle über die Feiertage nach Hause fliegen.

ZUR SACHE
Die größte Minderheit ...
... aus Südost- und Ostasien in Ludwigshafen bilden weder die Vietnamesen noch die Chinesen. Mit 305 Einwohnern belegen die Thailänder den Spitzenplatz. Auf Platz zwei folgen mit 284 Einwohnern die Vietnamesen. Hinter den Indern (257 Personen) liegen mit 233 Einwohnern die Chinesen auf Platz vier. Während die Chinesen in Ludwigshafen in keinem Verein organisiert sind, gibt es den Verein der Vietnamesen, der regelmäßig Feste veranstaltet. In beiden Ländern erfolgt die Zeitrechnung nach dem gregorianischen Kalender.- lediglich Neujahr wird nach dem alten Mondkalender gefeiert.

NILS ERKLÄRT
Das chinesische Neujahrsfest

„Seid ihr auch immer so begeistert von den Raketen, die an Silvester den Nachthimmel erleuchten und das neue Jahr begrüßen?

Hier in Deutschland ist Neujahr immer am 1. Januar, wie ihr bestimmt wisst. In manchen asiatischen Ländern ist das anders.

In China fällt der Jahreswechsel jedes Jahr auf ein anderes Datum. Opa Nörgel hat mir erklärt, warum das so ist: Seit dem 16. Jahrhundert gibt es den gregorianischen Kalender, der auf der ganzen Welt verwendet wird – auch hier in Deutschland. Er orientiert sich an der Sonne. In diesem Kalender ist der Neujahrstag auf den 1. Januar festgelegt.

In China wurde die Zeitrechnung aber erst viel später, im Jahr 1949, auf den gregorianischen Kalender umgestellt. Vorher galt der alte Bauernkalender. Das ist ein sogenannter „Mondkalender". Er richtet sich nicht nach den Sonnen-, sondern nach den Mondphasen. Deshalb ist das Jahr ein wenig versetzt. Auch wenn die Chinesen mittlerweile den neuen Kalender haben, feiern sie Neujahr immer noch nach dem alten System.“ (jei)