Thomas Morstatt

Rede von Herrn Thomas Morstatt anlässlich der Verleihung der Ehrenmedaille der Hochschule Ludwigshafen am Rhein
(5. November 2013)

 

Vor 25 Jahren begann ich meine berufliche Tätigkeit als selbständiger Steuerberater. Zu diesem Zeitpunkt studierte meine Ehefrau — also meine mir angetraute Steuerermäßigung — „Steuerwesen" an der Fachhochschule Ludwigshafen.

Gegenstand ihrer Diplomarbeit war der Steuerbelastungsvergleich verschiedener Unternehmensformen.

Als der Materie nahestehender und der Probantin naheliegender Praktiker bot ich meine Hilfe bei der Betreuung dieser Arbeit an. Als ich ein gesamtes Kapitel aus wissenschaftlicher Sicht verwarf, wurde mir umgehend klar, was man unter Empfängnisverhütung auf natürlichem Wege versteht.

Trotzdem wurde das Kapitel neu konzipiert, die Arbeit fertig gestellt und anschließend prämiert.

Wir bekamen dann drei Kinder.

Die Feier fand in der Sektkellerei Schloss Wachenheim statt. Ich wurde den anwesenden Professoren vorgestellt. Wissenschaftlicher Small-Talk bei Riesling-brut.

„Die Kreuzpreiselastizität der Giffen-Güter kann niemals minus eins werden, denn superiore und inferiore Güter können keine vollständigen Substitute sein". Darauf tranken wir. Und freuten uns über den erfolgreichen Studienabschluss und über einen Lehrauftrag an der Hochschule.

Die ersten drei Semester unterrichtete ich im Haupthaus und wurde anschließend zum Ostasieninstitut abkommandiert. Dieses bestand zu diesem Zeitpunkt aus vier Unterrichtsräumen mitten in dem Komplex einer Grundschule. Um zu den Studenten zu gelangen musste man sich durch gefühlte 400 lärmende und tobende Erstklässler durch kämpfen. Die Lehrpläne waren durchaus vergleichbar. Die eine Gruppe lernte die Buchstaben des deutschen Alphabets schreiben und die andere Gruppe malte die ersten chinesischen Schriftzeichen.

Später erweitere sich das Ostasieninstitut und gründete den Japan-Zweig. Dieser war in einer angemieteten Etage im Mosch-Hochhaus untergebracht. Einige Stockwerke darüber befand sich ein stadtbekanntes und stark frequentiertes Bordell.

Auf dem Weg zu meiner Veranstaltung traf ich im Fahrstuhl eine offensichtlich schon länger in diesem Gewerbe tätige Mitarbeiterin. Sie bot mir sofort ihre Dienste an „Wie wäre es mit uns beiden, Süßer?

Spontan fiel mir der Schauspieler Richard Gere ein und ich entgegnete: „Ok, Mittwoch bin ich noch frei, ich koste 500 die Nacht, Sonderwünsche gehen extra". Ab diesem Zeitpunkt nahm ich das Treppenhaus.

Die meiste Zeit ihres Studiums verbrachten Mitarbeiter, Dozenten und Studenten auf den Verbindungsstrecken zwischen Haupthaus, Grundschule und Mosch-Hochhaus. Der Umzug des Ostasieninstituts in das neue Gebäude am Rheinufer war wie Weihnachten und Ostern zusammen.

Gerne möchte ich noch einige weitere Semester am Ostasieninstitut unterrichten und freue mich schon auf schöne und warme Tage im Sommersemester, so dass manche meiner Veranstaltungen auf der grünen Wiese unter freiem Himmel stattfinden können.

So komme ich an manchen Tagen etwas in Erklärungsnot, wenn ich morgens blass aus dem Haus gehe und nachmittags von der Sonne gebräunt zurückkehre.
„Wie siehst Du den aus? Warst Du heute nicht im Büro?" „Nein, sechs harte Vorlesungsstunden am Ostasieninstitut".

Vielen Dank.