Kaufmann, Pflanzer, Journalist, Schriftsteller, Wirtschaftspolitiker, NSDAP-Mitglied

Emil Helfferich (1878-1972).
Kaufmann, Pflanzer, Journalist, Schriftsteller, Wirtschaftspolitiker, NSDAP-Mitglied
Ein Leben zwischen Neustadt, Hamburg und Batavia/Jakarta

 

„Seinem älteren Bruder Karl - im Ersten Weltkrieg Vizekanzler des Kaiserreichs, international anerkannter Finanzexperte, 1923 „Vater der Rentenmark" — haben Journalisten und Historiker große, Emil Helfferich bis dato (fast) keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Versäumnis, das dringend der Korrektur bedarf.

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Emil Helfferich wurde am 17. 1. 1878 als viertes von sieben Kindern des Textilfabrikanten Friedrich Helfferich und seiner Ehefrau Auguste, geb. Knöckel, in Neustadt an der Weinstraße geboren. Nach Absolvierung der 6-jährigen Realschule entschied er sich zur großen Freude seines Vaters, Überseekaufmann zu werden, ging aber zunächst noch für ein Jahr zum Fremdsprachenstudium in die französische Schweiz. Im Herbst 1895 begann er in Hamburg eine 3-jährige kaufmännische Ausbildung bei der Firma Jürgen Peters, Import und Export von Spirituosen und Weinen, an die sich der einjährige Wehrdienst — damals das Privileg der ,gebildeten Stände' - bei der IV. Abteilung des holsteinischen Feldartillerieregiments Nr. 24 in Bahrenfeld anschloss.

Nach der mit glänzend bestandener Offiziersaspirantenprüfung abgeschlossenen Militärzeit ging Helfferich, dem der Kaufmannsberuf nur Mittel zum Zweck war, in die weite Welt hinauszukommen, nach Penang in die britische Kolonie Streits Settlements {in der Malakkastraße) in Südostasien. In der Niederlassung der Hamburger Fa. Hermann Jebsen & Co. setzte er seine Ausbildung fort. Doch dieses Kaufmannsleben — Wahlspruch: ,Wer gut isst und trinkt, soll auch nicht zu viel arbeiten' - befriedigte Helfferich nicht. Nach 16 Monaten kündigte er seinen 4-Jahreskontrakt und machte sich im äußersten Süden Sumatras selbständig.

In Telok Betong, einem Nest ,wo Leuchtkäfer die einzige Straßenbeleuchtung bildeten', eröffnete er als erster und lange Zeit auch einziger Europäer in einer Bretterbude sein Kontor. Der Anfang war für den bald von der Malaria Gebeutelten äußerst hart. Aber schon im 2. Jahr wagte er den Einstieg ins riskante Pfeffergeschäft und half nebenbei, obwohl er selbst finanziell ,klamm' war, in Not geratenen Pflanzern. Am Rand des Urwalds erlernte er die Finanzierungskunst.“
(Lebendige Pfalz in Geschichte(n) erzählt von Karl Scherer am 3. März 2013)

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