Borobudur

In den Beständen der Helfferich-Sammlung befindet sich auch ein alter Buddhakopf aus Borobodur.

OAIH331

Emil Helfferich selbst erzählt, wie dieser Steinkopf in seinen Besitz kam:

„Ehe ich Batavia verließ, ereignete sich noch etwas Besonderes. Der Besitzer des ‚Hotel der Nederlanden', wo wir wohnten, Herr Mertens, ein geborener Berliner, hatte das Hotel zu einem hohen Preis verkauft und wollte mit seiner Familie ‚für gut' nach Europa zurückkehren. Er war lange Jahre in Niederl.-Indien gewesen und hatte sich eine große Sammlung von Eingeborenen-Waffen, von Tüchern, Batiken, Schnitzereien, Geweihen, chinesischem Porzellan, Steingut und Bronze und sonstigen Kuriositäten zugelegt. Die Sammlung stellte er im Hotel aus. Eines Nachmittags kam er zu uns und sagte zu mir: ‚Sie haben mir im Jahre 1904 in einer schweren Notlage geholfen. Sie erinnern sich noch, es waren damals schlechte Zeiten. Das Hotel war verschuldet, und ich konnte eines Tages meinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Damals sind Sie mir beigesprungen. Kurz darauf kam die Wende zum Besseren, und dann ist es aufwärts gegangen. Aber dass es dazu gekommen ist, danken wir Ihnen. Suchen Sie sich das Schönste aus der Sammlung als Andenken aus.'“

Helfferich fand jedoch unter den ausgestellten Sachen nichts, was ihm zugesagt hätte. Einzig ein steinerner Buddhakopf sagte ihm zu, aber der gehörte nicht zu den angebotenen Objekten. Er sagte also zu Mertens, der und dessen Frau nicht gerade für ihre Freizügigkeit bekannt waren:

„Sie haben ein Stück, das ich gerne besitzen möchte, den Buddhakopf in Ihrem Kontor.“

„Ja,“ antwortete er, „da muß ich doch erst meine Frau fragen, denn das ist unser Talisman.“

Dann kam er zurück, teilte Helfferich aber mit, dass seine abergläubige Frau eine Bedingung stelle. Sie wollte für den Steinkopf die gleiche Summe erhalten, die er ihnen gekostet habe. Das waren sechshundertfünfundzwanzig Gulden und fünfzig Cents. Helfferich erklärt sich sofort einverstanden und erfährt, wie Mertens in den Besitz dieses Buddhakopfs gekommen war:

„Vor Jahrzehnten hielt sich in Batavia ein ungarischer Maler auf, eine Art Laszlo, der die Damen und Herren der Gesellschaft portraitierte. Er wurde von dem reichen holländischen Kunstmäcen Kinsbergen begönnert, der ihm auch den Buddhakopf zu Studienzwecken lieh. Der Maler wohnte im Hotel und eines Tages war er verschwunden. Man fand nur einen alten Koffer. Darin befand sich der Buddhakopf. Mertens nahm den Kopf für die noch unbeglichene Rechnung in Zahlung. Die Rechnung betrug sechshundertfünfundzwanzig Gulden und fünfzig Cents.“
Zitiert aus: Emil Helfferich, Ein Leben, Band 1

Helfferich nahm diesen Kopf auf der Schiffsreise mit nach Deutschland und schenkte ihn seinem Vater. Nach dessen Tod kam er wieder zurück in seinen Besitz.

Borobudur
(Foto: Wikimedia)

Das Stück war von einem Niederländer nach Batavia gebracht worden, wo es im ausgehenden 19. Jahrhundert erstmals den Besitzer wechselte. Es soll, so hieß es, aus Borobudur (9. Jahrhundert) stammen. Eines der anderen buddhistischen Heiligtümer Zentral-Javas braucht jedoch nicht ausgeschlossen zu werden.

emil-helfferich