Die Geschichte des deutschen Soldatenfriedhofs Arca Domas in Indonesien

Die Geschichte

„Am Hang des Vulkans Pangrango in West-Java, in fast 1000 Meter Höhe, stehen zwischen riesigen Waringin-Bäumen zehn blütenweisse Grabsteine. Sie haben die Form von Eisernen Kreuzen. Acht besitzen ein Namensschildchen, zwei vermelden ‚Unbekannt‘. Es sind die letzten Ruhestätten von jungen Seeleuten, die im zweiten Weltkrieg unterwasser hierher kamen, in abenteuerlicher Fahrt mit ihren U-Booten. Sie ruhen in historisch-geheiligtem Boden.

Franz Wilhelm Junghuhn: Gunung Gede (= Pangrango)
(Bild: Wikimedia)

Es waren einmal sundanesische Königreiche, hier in West-Java. Die Dynastien der Hindu Könige von Tarumanagara bis Pajajaran herrschte mit ihren hinduistischen Hohenpriestern über 1000 Jahre lang über ihr Volk der Sundanesen. Über Jahrhunderte wurden die Seelen der Verstorbenen in einem Heiligtum am Hang des Vulkans Pangrango den Göttern übergeben. Vier heilige Waringin-Bäume (Ficus sp) umsäumten dieses terrassierte Heiligtum. Die behauenen Statuen und Steine zählten zuletzt wohl an die 800, und der Friedhof wurde Arca Domas genannt (c=tsch), was auf Alt-Sanskrit Achthundert Statuen heisst.

Ab 1527 zerstörten islamische Krieger unter Fatahillah das Pakuan-Pajajaran-Königreich und konvertierten die meisten Sundanesen zum Islam. Die Paläste und Tempel gingen verloren. Die Priesterschaft flüchtete möglicherweise in ein entlegenes Gebirge und schirmte sich bis zum heutigen Tag erfolgreich gegen alle Einflüsse von aussen ab. Kein Fremder darf das innere Gebiet dieser ‚Kenekes', auch ‚Badui', genannten Volksgruppe betreten, in dem ebenfalls ein Arca Domas Heiligtum besteht.

Im Laufe der Zeit wurden die meisten Steine zum Hausbau verwandt. Auf Lithographien des 19. Jahrhunderts zeigen viele Statuen Züge des Polynesischen Stils, wie sie auch im Nationalmuseum in Jakarta zu sehen sind. Später wurde der Hang landwirtschaftlich kultiviert. Aber die riesigen Waringin-Bäume erinnerten die Menschen weiterhin an ein Heiligtum.

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Nach dem ersten Weltkrieg kauften die deutschen Brüder Emil und Theodor Helfferich hier 900 Hektar Land und betrieben eine profitable Teeplantage mit eigener Teefabrik und Transportseilbahn. Komfortable Gebäude wurden errichtet in der angenehmen Klimazone von etwa 900 m Seehöhe. Da ihr älterer Bruder Karl Helfferich Vizekanzler unter dem letzten deutschen Kaiser war, errichteten sie in Verbundenheit mit der kaiserlichen Marine und im Gedenken an das von den Briten versenkte Ostasien-Geschwader des Admirals Graf Spee zwischen den ehrwürdigen Bäumen ein Denkmal mit der Aufschrift ‚Dem tapferen Deutsch-Ostasiatischem Geschwader 1914. Errichtet von Emil und Theodor Helfferich‘. Als Tribut an die alten Religionen Javas wurde das Denkmal flankiert von einer Buddha-Statue und einer Ganesha-Statue, der hinduistischen Gottheit der Weisheit mit dem Elefantenkopf.

Die Einweihung erfolgte 1926 anlässlich des Besuches des deutschen Schulkreuzers ‚Hamburg‘ in der damaligen Niederländischen Kolonie. Ein junger Kapitänleutnant, Hans-Georg von Friedeburg, beschrieb diese Zeremonie in seinem wundervollen Buch ‚32 000 Seemeilen auf blauem Wasser‘. Er brachte es später bis zum Generaladmiral und beendete sein Leben 1945 anlässlich der deutschen Kapitulation. Sein Sohn war später langjähriger Kultusminister in Hessen.

Die Helfferich-Brüder kehrten 1928 nach Deutschland zurück und hinterließen Albert Vehring aus Bielefeld das technische Management. Dieser hatte bereits aus Neu-Guinea Plantagenerfahrung mitgebracht. Sein Name wird mit Arca Domas schicksalhaft verbunden bleiben...“
(Herwig Zahorka: Die Geschichte des deutschen Soldatenfriedhofs Arca Domas in Indonesien)

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