24. April 2018

Interview Felix M. Kempf

Man muss sich immer weiterbilden, auch nach dem Studium.

Professor Dr. Felix M. Kempf, Dekan des Fachbereichs Tourismus und Hospitality, Studiengangsleiter Tourismus Management an der IST-Hochschule für Management
Abschlussjahrgang 2002
Auslandssemester in China (Qingdao University)

Hallo Felix, erzähl doch bitte wie es für dich nach deinem Abschluss am Ostasieninstitut weiterging.

Nach dem OAI, wo ich im April 2002 meinen Abschluss machte, habe ich beruflich eine turbulente Zeit durchlebt. Mein Ziel war eine Anstellung im Tourismus. Aber ich war immer dann mit meinen Studien fertig, wenn eine Wirtschaftskrise ausbrach. Das begann schon direkt nach meiner Zeit am OAI: Im Frühjahr 2000 war die Dotcom-Blase geplatzt und am 11. September 2001 sorgten die Anschläge auf das World Trade Center für Turbulenzen in der Wirtschaft. So war es schwierig, eine Anstellung zu finden.
Auf die Stelle, die ich später auch bekommen habe, bin ich durch Zufall gestoßen. Ich sah zufällig ein Schild „Offizielles Chinesisches Reisebüro“ und habe mich initiativ beworben. Das war erfolgreich.


Was für Erfahrungen konntest du bei dem chinesischen Reisebüro sammeln?

Ich war beim Offiziellen Chinesischen Reisebüro CTS (China Travel Service) in Frankfurt tätig. Es handelte sich um ein sogenanntes Incoming-Reisebüro, das dafür zuständig ist, Reisen für Chinesen durch Deutschland zu organisieren. Das Aufregende war, dass ich zu der Zeit einen bedeutenden Umbruch miterlebte. Die Visapolitik wurde 2003 verändert und Chinesen durften als Privatleute nach Europa reisen. Es sah so aus, als ob der Tourismusbranche blühende Zeiten bevorstehen. Doch zeitgleich breitete sich eine hochsteckende Vogelgrippe (SARS) aus und für sechs Monate durfte kein Chinese aus der Volksrepublik ausreisen.
Das bekam das Reisebüro zu spüren. Infolgedessen mussten die Abläufe umstrukturiert und die finanziellen Ausfälle kompensiert werden. Da ich als letzter eingestellt wurde, damals noch keine Familie hatte und außerdem noch ein sehr gutes Gehalt bezog, wurde ich schließlich betriebsbedingt nach nur acht Monaten entlassen.


Wie ging es dann für dich weiter?

Ich bin dann bei einem Nischen-Reiseveranstalter untergekommen. Als Produkt Manager habe ich zwei Kataloge produziert. Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht, auch weil es ein klasse Chef und ein sehr nettes Team war. Allerdings habe ich realisiert, dass ich dauerhaft ich bei einem kleinen Reiseveranstalter keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr habe und gleichzeitig bei einem großen nicht unterkommen werde. Über den Umweg einer kurzen Phase der Selbstständigkeit als Hotelrepräsentant bin ich schließlich Vertriebsleiter für eine touristische Software geworden.


Wie kamst du dann darauf, einen MBA in England zu machen?

Leider kam die Software im Markt nicht an und es war absehbar, dass das Projekt eingestellt werden würde. In dieser Zeit bin ich auf Xing gegangen und habe geschaut, was meine Kommilitonen vom OAI getan haben, die das machen, was ich gerne tun würde. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele noch ein MBA Studium angehängt haben.
Als klar wurde, dass mein Projekt wirklich eingestellt würde, habe ich das MBA Programm an der Oxford Brookes University aufgenommen.


Wie ging es nach dem MBA für dich weiter?

Während meines Studiums wusste ich bereits, dass es wieder schwierig werden würde, eine Stelle zu finden, denn 2008 gab es wieder eine Wirtschaftskrise. Und deshalb dachte ich mir, ich könnte auch das machen, was ich sowieso schon seit geraumer Zeit im Kopf hatte: Ich wollte an einer Hochschule lehren. Dazu fehlte mich aber die ausreichende Qualifikation, sprich der Doktortitel. Ich hatte das Glück, dass zu der Zeit in Salzgitter an der FH ein wissenschaftlicher Mitarbeiter für Tourismus gesucht wurde. Jedoch kann man an einer FH nicht promovieren. Trotzdem konnte ich dort erste Lehrerfahrung sammeln und mich nach einer Möglichkeit zur Promotion umsehen. Ein Professor der Fakultät stellte dankenswerterweise einen Kontakt zu einem potentiellen Doktorvater her. Bei ihm konnte ich dann in der Fachrichtung Tourismus promovieren.


Nach deiner Promotion hast du dich dafür entschieden, eine Professur anzunehmen.

Genau. Der Beruf an sich hat mich schon immer gereizt. Zum einen konnte ich mir gut vorstellen meine Erfahrungen weiterzugeben. Zum anderen empfinde ich diesen Beruf als außerordentliches Privileg, denn es gehört dazu, dass man quasi beständig weiter studiert. In dieser Zeit der Neuorientierung war gerade eine Professur an der IST-Hochschule ausgeschrieben. Sie ist eine Fernhochschule und reizte mich daher besonders. Außerdem kannte ich die Schwesterorganisation, das IST-Institut, an dem ich bereits einen Fernlehrgang absolviert hatte. So wusste ich sehr gut, auf was ich mich einließ. Das Tüpfelchen auf dem „i“ war, dass die IST-Hochschule auf Grund ihrer Lage in Düsseldorf auch für meine Familie den besten Standort in Deutschland bietet - denn mittlerweile bin ich mit einer Japanerin verheiratet und so leben wir mit unseren beiden Kindern in der größten japanischen Gemeinde Deutschlands.


Seit September 2015 bist du Studiengangsleiter für Tourismus Management. Welche Aufgaben übernimmst du dort?

Als Studiengangsleiter an einer Fernhochschule lehre ich nur selten direkt, sondern meistens über den Bildschirm oder ich spreche Video-Filme ein. Weiterhin betreibe ich verschiedene Forschungsaktivitäten im Bereich Tourismus, momentan mit dem Schwerpunkt des barrierefreien Reisens („Tourism for all“).
Studiengangsleiter zu sein ist außerdem eine Managementaufgabe. Ich bin verantwortlich für die Koordination der Fächer und führe die Aktualisierung des Studienganges durch, damit dieser den Bedürfnissen des Marktes entspricht. Außerdem übernehme ich auch die Planung von neuen Studiengängen. Momentan bin ich dabei, einen Masterstudiengang zu konzipieren.


Welche Ratschläge kannst du unseren heutigen Studenten rückblickend geben?

Sie sollten sich immer weiterbilden, auch nach dem Studium. Dann eröffnen sich immer neue Möglichkeiten und man tritt nicht auf der Stelle. Abschließend kann ich sagen, dass ich am OAI sehr gut ausgebildet wurde. Es waren vier wunderbare Jahre, die mich rückblickend positiv geprägt haben.

 

Danke für das interessante Interview und alles Gute für die Zukunft!

(Das Interview führte Svenja Neu.) 

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