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09. Dezember 2012

Zopf

辮子 biànzi
 
zopf
 
„Der durchschnittliche Kuli, Schiffer oder Bauer war ein zugänglicher Geselle. Diese Leute waren sittenrein und gesund. Mit Vergnügen beobachtete ich sie auf den Friseurstühlen am Ufer, wo man ihnen das Haar rund um den Zopf abschor. Der Zopf saß in der Mitte des Schädels, alles übrige musste täglich rasiert werden. Nur bei Trauer unterblieb das eine Zeitlang. Die tägliche, mit Muskelkneten und Ohrenbohren verbundene Rasierpause erzeugte offensichtlich Wohlbehagen und Zufriedenheit. Sie bewies auch, dass diese Menschen regelmäßige Arbeit hatten und sich das unglaublich billige Vergnügen leisten durften. Der übrige Teil des Leibes kam selten mit Wasser und Seife in Berührung. Trotzdem sahen sie gut aus, wenn sie aufstanden und stramm einher schritten mit dem gut gepflegten Zopf, dessen Ende eine schwarze Seidenquaste zierte.

Um die Enden der Pumphosen schlangen sich nette schwarzseidne Knöchelbänder. Ich fand es merkwürdig, dass die Chinesen so viel auf Zopf und Knöchelband gaben, die ihnen ursprünglich von den erobernden Mandschus als Zeichen der Unterwerfung aufgedrungen worden waren. Im Laufe der Zeit gewinnen solche Sinnbilder oft die gegenteilige Bedeutung, und man ist stolz auf sie.

(Albert Henry Rasmussen und Willi Rickmer Rickmers: Als die Zöpfe fielen.)
 
Kopf oder Zopf
„Am 8. Juni 1645, die Manjuren [滿洲族 Mǎnzhōuzú] hatten Beijing eingenommen, erließ der minderjährige Kaiser Shùnzhì ([順治] 1643 – 1661) das erste Edikt an seine neuen Untertanen:

‚Innerhalb von zehn Tagen nach Eingang dieses Schreibens haben alle Einwohner der Hauptstadt und deren Umgebung sowie der übrigen Provinzen ihre Haare zu scheren. Wer diesem Befehl folgt, gehört zu unserem Volk; wer zögert oder zweifelt, wird wie ein aufsässiger Bandit behandelt und schwer bestraft werden. Wer sich dem Befehl entzieht, an seinem Haar hängt oder spitzfindig dagegen argumentiert, wird nicht leicht davonkommen.‘ (Qing Shizu 17)

Der vielzitierte „Chinesenzopf“ ist eigentlich altaisch. Unter den Ming
[明朝 Míngcháo, 1368 - 1644] trugen die Chinesen die Haare lang, in einem Knoten auf dem Hinterkopf befestigt. Erst die Manjuren - wie früher bereits die Jurchen [Dschurdschen, 女眞 Nǚzhēn] und Mongolen - verordneten den Chinesen, sich die vordere Hälfte des Kopfes zu scheren und das verbleibende Haar auf dem Hinterkopf zu einem Zopf [辮子 biànzi] zu flechten. Der Zopf war ein Zeichen absoluter Unterwerfung unter die neuen Herrscher: indem sie sich die Haare schoren, die sie von den Eltern erhalten hatten, mussten die Untertanen der Qing ihre Familienbindung symbolisch dem Staat opfern. Die unerbittliche Alternative lautete: ‚Verlier deine Haare, oder verlier deinen Kopf‘. Viele Chinesen entschieden sich tatsächlich für letzteres, wie etwa die Einwohner von Shàoxīng  [紹興]:

Die Manjuren nahmen die Stadt ohne Widerstand ein und hätten es ebenso mit allen anderen Städten der Provinz Zhejiang machen können. Doch als sie per Edikt verkündeten, dass alle ihr Haar schneiden sollten, nahmen Soldaten und Bürger ihre Waffen und kämpften verzweifelter für ihr Haar als für König und Reich. Sie schlugen die Tartaren aus der Stadt, trieben sie zum Fluss Qiántáng
[钱塘江 Qiántáng Jiāng] und zwangen sie, den Fluss zu überqueren, wobei sie viele von ihnen töteten. (Martino Martini, De bello Tartarico historia)
(Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. Stuttgart: Reclam, 2012. ISBN 978-3-15-010857-4)
zopf-soncoho
Der Zopf mit der ausrasierten Stirn wurde den unterworfenen Chinesen von den Mandschu-Herrschern der Qing-Dynastie (清朝 Qīngcháo; 1644 -1911) aufgezwungen. Ein 1645 erlassenes Gesetz (剃髮令 tīfǎlìng) befahl unter Androhung der Todesstrafe, dass jeder Chinese einen Zopf tragen müsste. Das Gesetz wurde erlassen um die Chinesen von der zopflosen mandschurischen Führungsschicht zu unterscheiden.
 
Schweineschwänzchen
Nur weil Johnston [der schottische Privatlehrer des Letzten Kaisers] sich über die Zöpfe der Chinesen mokierte und sie ‚Schweineschwänzchen’ nannte, ließ ich den meinen von einem Tag auf den anderen abschneiden.

Tatsächlich hatte das Innenministerium der Republik seit 1913 mehrere Male das Hofamt schriftlich ersucht, in der Zopffrage auf die mandschurischen Bannerleute einzuwirken, und außerdem die Hoffnung geäußert, daß auch in der Verbotenen Stadt selbst die Zöpfe bald verschwinden mögen. Der Ton dieser Briefe war aber ausgesucht höflich, das heißt, es gab nie einen direkten Hinweis auf meinen Zopf und den anderer hoher Beamter am Kleinen Hof. Indes, das Hofamt blockierte jeden Vorstoß mit neuen Ausflüchten und brachte sogar vor, Zöpfe seien ein wichtiges Erkennungszeichen, das erlaube, Unbefugte von der Stadt fernzuhalten. Johnston erreichte dann mit einer einzigen Bemerkung das, wofür die Republik all die Jahre gekämpft hatte: Mein Zopf fiel und innerhalb von ein paar Tagen verschwanden tausend weitere; nur meine drei chinesischen Tutoren und einige wenige hohe Minister des Hofamts vermochten sich nicht von den ihren zu trennen.

Während die Kaisergemahlinnen meinem Haarschmuck bittere Tränen nachweinten und die drei chinesischen Lehrer lange Zeit nur mit verschlossenen Gesichtern umhergingen, ließen sich nicht viel später auch Pu Dschiä und Yü Tschung unter dem Vorwand, ‚den Willen des Kaisers zu befolgen’, zu Hause die Zöpfe abschneiden. Als sich Tschen Bao-schen am folgenden Tag lauter kahlköpfigen Schülern gegenübersah, starrte er eine Weile gedankenverloren vor sich hin, um sich dann mit einem höhnisch-wehmütigen Lachen an Yü Tschung zu wenden: ‚Wenn du deinen Zopf an eine Ausländerin verkaufst, kannst du auch noch Geld damit verdienen!’"
(Pu Yi: Ich war Kaiser von China. München: dtv, 1988. ISBN 3-446-15054-4)
 

 

glücklicherweise ausgestorbene Bräuche
Füßebinden 纏足 - Kang 木枷 - Kotau 叩頭 - Zopf 辮子

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