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16. Juli 2014

Würde des Scheiterns

高貴なる敗北 Kōkinaru haiboku

Deutsch
Samurai oder Von der Würde des Scheiterns: Tragische Helden in der Geschichte Japans

Englisch
The Nobility of Failure

Japanisch
高貴なる敗北―日本史の悲劇の英雄たち
Kōki naru haiboku – Nihon shi no higeki no eiyū tachi

Autor: Ivan Morris (アイヴァン・モリス Aiwan Morisu)
Jahr: 1975

„Unsere unbarmherzige, gewinnsüchtige und auf den Kampf um Überleben und Macht programmierte Welt verherrlicht den Erfolg. Daher sind ihre typischen Helden Männer und Frauen, deren Sache triumphiert hat. Ihr Sieg ist niemals frei von Mühsal, und häufig bezahlen die Helden ihn mit ihrem Leben...

Auch Japan hat seine erfolgreichen Helden — vom ersten Kaiser Jimmu [神武天皇 Jimmu-tennō] an, der (der Legende nach) 660 v. Chr. die Barbaren bezwang und eine kaiserliche Dynastie gründete, die bis zum heutigen Tag regiert, bis zu den Siebenundvierzig Rōnin [四十七士 Shijūshichi-shi], die in dem stolzen Bewußtsein starben, die Schmach ihres Herrn gerächt zu haben, oder Admiral Togo ([東郷 平八郎 Tōgō Heihachirō] ‚der Nelson Japans‘), der im russisch-japanischen Krieg bewies, dass das kleine Inselreich im Pazifik eine westliche Großmacht schlagen konnte. ...

Indessen existiert noch ein anderer Heldentypus innerhalb der vielschichtigen japanischen Tradition. Es sind Männer, die gewöhnlich in einer rastlosen und kriegerischen Epoche leben und die in krassem Widerspruch zu jeder Verdienstethik stehen. Ihre bedingungslose Aufrichtigkeit verbietet ihnen jene Schachzüge und Kompromisse, die weltlicher Erfolg meist voraussetzt. ... Im Angesicht seiner Niederlage nimmt sich der Held in der Regel das Leben, um der Schmach der Gefangenschaft zu entgehen, um seine Ehre zu retten und um einen letzten Beweis seiner Aufrichtigkeit zu geben. Sein Tod ist kein temporärer Rückschlag, der von seinen Nachfolgern wieder wettgemacht werden kann, sondern das irreversible Ende der von ihm verfochtenen Sache: Sein Kampf war also praktisch sinnlos, ja, er wirkte sich sogar in vieler Hinsicht nachteilig aus.

Zwar kennt auch die westliche Geschichte große Männer, die ihre Ziele am Ende nicht erreichten, doch wenn sie zu Helden wurden, geschah das nicht wegen, sondern trotz ihres Scheiterns; Napoleons Bewunderer gehen selten auf die Zeit nach Waterloo ein, gehörte er dagegen zur japanischen Tradition, stünden sein Sturz und dessen bittere Folgen im Mittelpunkt der Heldengeschichte.

Diese Vorliebe für Helden, die ihre konkreten Ziele nicht zu erreichen vermochten, kann uns viel über japanische Werte und Empfindungen lehren - und damit indirekt auch über unsere eigenen. ... Die gehorsame Mehrheit erträgt ihr Los in gefahrlosem Schweigen, findet aber eine Ersatzbefriedigung in der gefühlsmäßigen Identifikation mit diesen Individuen, die das Risiko eines einsamen Kampfes gegen eine überragende Übermacht eingehen, und das Scheitern all ihrer Bemühungen verleiht ihnen eine ergreifende Erhabenheit, die die Eitelkeit allen menschlichen Strebens bloßstellt und diese Männer zu vielgeliebten und die Phantasie beflügelnden Helden macht.“
(Ivan Morris:  Samurai oder Von der Würde des Scheiterns: Tragische Helden in der Geschichte Japans)

In Japan gilt die heroische Niederlage ebenso so viel wie der Sieg. Heimliche Helden der Japaner sind die Verlierer. Vorausgesetzt sie haben vorher ihr Bestes gegeben. Das Bild von Oliver Kahn als Verlierer neben seinem Tor am nach dem Endspiel bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 wurde tausende Mal gezeigt und hat Kahn in Japan noch populärer gemacht. Chinesen hingegen wollen unter den Gewinnern sein, denn Unterstützung von Verlierern bedeutet einen Gesichtsverlust.

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